Herzensangelegenheit – Das Sana-Herzzentrum
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| 13:17 Uhr

Medizinserie: Gesundheit – Der besondere Fall Teil 43
Wie ein innovatives Kunstherz Leben rettet

FOTO: LR / Katrin Janetzko
Cottbus. In unserer Serie „Der besondere Fall“ erzählen wir von außergewöhnlichen Schicksalen, Diagnosen und medizinischen Wegen. Der 43. besondere Fall kommt aus dem Sana-Herzzentrum.

In Deutschland, wo die Bereitschaft, Organe zu spenden, sehr gering und die Wartezeit für Patienten dementsprechend lang ist, sind Kunstherzen eine echte Alternative. Davon ist Prof. Dr. Dirk Fritzsche, Chefarzt der Herzchirurgie und Ärztlicher Direktor am Sana-Herzzentrum Cottbus, überzeugt. „Die Erfahrungen zeigen, dass sich die Prognosen für Patienten mit einer künstlichen Pumpe denen nach einer Organtransplantation immer weiter angleichen. Bei dem steten Fortschritt der technischen Entwicklungen in diesem Bereich wird es in naher Zukunft so sein, dass die Implantation eines Kunstherzens der Transplantation eines Spenderorgans vorzuziehen ist.“

Der 61-jährigen Christine Herkner aus Hoyerswerda hat das mechanische System das Leben gerettet. Zu lang ist die Warteliste für ein Spenderorgan. Im vergangenen Sommer wurde ihr deshalb im Sana-Herzzentrum Cottbus ein LVAD – ein Links-Ventrikuläres Assist Devices, also ein Linksherzunterstützungssystem – implantiert. „Frau Herkner ist unsere erste Patientin, bei der wir diese neue Generation der Kunstherzen eingesetzt haben. Wir freuen uns sehr, dass es ihr so gut geht“, sagt Prof. Dr. Dirk Fritzsche nach der jüngsten Kontrolluntersuchung in der Spezialklinik. „Das ist Verdienst aller Mitarbeiter – vom OP über die Pflege bis hin zur Physiotherapie.“ Gemeinsam mit einem OP-Team, zu dem auch der Leiter der Kardiotechnik, Hagen Weise, gehört, hat er den Eingriff vorgenommen. „Eine Teamleistung von Herzchirurgie und Kardiotechnik, die nur Hand in Hand funktionieren kann“, so der Chefarzt. Der Kardiotechniker ergänzt: „Das neue Pumpensystem ist für den langfristigen Einsatz gedacht. Während es noch vor einigen Jahren darum ging, die Wartezeit bis zur Transplantation zu überbrücken, wird das Kunstherz immer mehr als Dauertherapie verstanden.“

Dabei ersetzt das künstliche Herz nicht das erkrankte Organ, sondern es unterstützt dessen Arbeit. „Das System wird direkt mit der linken Herzkammer verbunden und übernimmt fast vollständig deren Funktion. Über eine Gefäßprothese aus Kunststoff wird das Blut aus dem Kunstherz in die Hauptschlagader gepumpt“, erklärt Hagen Weise. Früher musste die entsprechende Technik außerhalb des Körpers getragen werden, mittlerweile passt die künstliche Pumpe mit integriertem Elektromotor und den beiden Leitungen in eine Hand und wird direkt in die linke Herzkammer eingesetzt. Ein Kabel, auch Driveline genannt, führt durch die Bauchdecke nach außen zu den externen Komponenten. „Die Driveline überträgt den Strom und die Informationen zwischen der Herzpumpe im Inneren und dem kleinen Computer (Controller) außerhalb. Er reguliert und kontrolliert die Pumpe im Körper“, erläutert der Kardiotechniker. Beide Geräte müssen permanent mit Strom versorgt sein. In der Regel sind das zwei Akkus, mit denen sich die Kunstherzpatientin zwischen acht bis zwanzig Stunden unabhängig von einer Steckdose frei bewegen und somit ein fast normales Leben führen kann. Für Sicherheit am Tage sorgt eine Kapazitätsanzeige an jedem  Akku, die die Patientin über die verbleibende Laufzeit informiert und für eine ungestörte Nachtruhe ein Netzstromkabel, das die Steuereinheit über eine Wandsteckdose mit Strom versorgt.

So ist das Tragesystem für Christine Herkner auch keine sportliche Handtasche, sondern ihre Lebensversicherung, die sie ununterbrochen bei sich hat. „Das stört mich nicht, im Gegenteil, ich bin so froh, dass es diese Technik gibt“, sagt die frisch wirkende Patientin. Bis zu einem Herzinfarkt vor mehr als zwei Jahren hatte sie nie irgendwelche Beschwerden. „Deshalb bin ich auch nie zum Arzt gegangen. Ich hatte ja nichts.“

Dann aber kamen die Diagnosen Schlag auf Schlag: Herzinsuffizienz, Verengung der Herzkranzgefäße, Diabetes mellitus. „Ich litt ständig unter Atemnot, mein Herz hatte einfach keine Kraft mehr.“ Es folgten ständige Aufenthalte in Kliniken. Stents und ein implantierter Defibrillator brachten keine Verbesserung. „Es ging mir immer schlechter, sodass ich auf die Liste für eine Herztransplantation gesetzt wurde.“ Doch die Zeit drängte. „Als die Ärzte mir eine Kunstherz-Implantation vorschlugen, war für mich klar, ich gehe ins Cottbuser Herzzentrum. Der gute Ruf und die Nähe zu meiner Heimatstadt und meiner Familie waren mir wichtig. Jetzt kann ich das Leben wieder Stück für Stück genießen.“

Dazu zählt für die lebhafte Frau, mit den Enkelkindern spielen zu können, spazieren zu gehen, auch wenn es erst einmal noch kürzere Strecken sind. Die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen nimmt Christine Herkner ernst.

„Mit den Ergebnissen sind wir sehr zufrieden“, sagt Prof. Dr. Dirk Fritzsche. „Der Körper hat das Kunstherz gut angenommen, und es arbeitet verlässlich. Die Lebensqualität der Patientin hat sich enorm gesteigert.“ Die Forschung arbeitet unerlässlich daran, Kunstherzen so weiterzuentwickeln, dass auch der Controller und die erforderliche Stromversorgung im Körper platziert werden können, wie es bei Defibrillatoren schon der Fall ist. „Die Entwicklung ist in vollem Gang und die Fortschritte sind enorm. Etwa 240 Herztransplantationen pro Jahr in Deutschland stehen mehr als 1000 Kunstherz-Implantationen gegenüber. Tendenz steigend. Diese Therapie kann Leben retten und ist eben nicht nur in großen Kliniken machbar, sondern steht auch Betroffenen im ländlichen Raum wie bei uns in der Lausitz zur Verfügung.“

Prof. Dr. Dirk Fritzsche (r.), Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Herzchirurgie am Sana-Herzzentrum Cottbus, und Hagen Weise, Leiter der Kardiotechnik, nehmen Christine Herkner in die Mitte. In der Umhängetasche der Patientin befindet sich ihre Lebensversicherung – die Stromversorgung und der Controller für ihr Kunstherz.
Prof. Dr. Dirk Fritzsche (r.), Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Herzchirurgie am Sana-Herzzentrum Cottbus, und Hagen Weise, Leiter der Kardiotechnik, nehmen Christine Herkner in die Mitte. In der Umhängetasche der Patientin befindet sich ihre Lebensversicherung – die Stromversorgung und der Controller für ihr Kunstherz. FOTO: Daniela Kühn
FOTO: Sana Herzzentrum / Michael Helbig
Hagen Weise..Sana-Herzzentrum
Hagen Weise..Sana-Herzzentrum FOTO: Sana-Herzzentrum
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