Herzensangelegenheit – Das Sana-Herzzentrum
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| 15:39 Uhr

Diagnose Herzinfarkt:
Wenn Minuten zählen

Präzisionsarbeit: Mit ruhiger Hand führt Oberarzt Andreas Terne den
Katheter über die Leistenarterie bis zu den Herzkranzgefäßen, um die Engstelle zu finden, die den Patienten quält.
Präzisionsarbeit: Mit ruhiger Hand führt Oberarzt Andreas Terne den Katheter über die Leistenarterie bis zu den Herzkranzgefäßen, um die Engstelle zu finden, die den Patienten quält. FOTO: Irene Göbel
24 Stunden Bereitschaftsdienst im Herzkatheterlabor am Sana-Herzzentrum Cottbus – wie Spezialisten rund um die Uhr voller Konzentration und Präzision Lausitzer Leben retten und dabei ihr Privatleben stets hinten anstellen.

Das Sana-Herzzentrum Cottbus ist eine der führenden Spezialkliniken im Osten Deutschlands. Dort werden Tag für Tag Menschenleben gerettet. Es ist Samstag und die STUNDENTAKT-Redaktion trifft Andreas Terne, Oberarzt der Kardiologie, in seiner Dienstwohnung in Cottbus-Sandow. Er hat am heutigen Tag Rufbereitschaft, denn er ist der diensthabende Kardiologe im Katheterdienst.

Der Tag beginnt früh für Oberarzt Andreas Terne. Es ist 7.45 Uhr als er am Frühstückstisch sitzt und der Duft von frisch gekochtem Kaffee in der Luft liegt. Auf seinem Mobiltelefon liest er die aktuellen Nachrichten. Im Hintergrund läuft leise Musik. „Na dann wollen wir mal“, sagt er und wählt mit ein paar schnellen Fingerbewegungen eine Nummer auf dem Display des Telefons. „Ich übernehme dann ab jetzt“, sagt er in die Hörermuschel und legt wieder auf. Ab jetzt heißt es warten. Warten darauf, dass irgendwo jemand die Hilfe des diensthabenden Kardiologen benötigt.

In steriler Kleidung: Pfleger Thomas Richter bereitet den Patienten auf den Eingriff vor.Im Rufdienst arbeitet der Gesundheits- und Krankenpfleger allein mit Andreas Terne imHerzkatheterlabor. Nachdem er alle Instrumente und Materialien bereitgelegt hat, hilfter Andreas Terne in seine sterile OP-Kleidung.
In steriler Kleidung: Pfleger Thomas Richter bereitet den Patienten auf den Eingriff vor.Im Rufdienst arbeitet der Gesundheits- und Krankenpfleger allein mit Andreas Terne imHerzkatheterlabor. Nachdem er alle Instrumente und Materialien bereitgelegt hat, hilfter Andreas Terne in seine sterile OP-Kleidung. FOTO: Irene Göbel

Erinnerung an den ersten Dienst

Inzwischen ist ein Dienst für den geübten Kardiologen keine Besonderheit mehr. Doch an den Anfang seiner Dienstzeit könne er sich noch sehr gut erinnern. „Damals hat man noch wie auf Kohlen Zuhause gesessen und gewartet, dass das Telefon klingelt. An Tagen, an denen ich Dienst hatte, habe ich mich kaum einen Meter von der Wohnung weg getraut. Alles war sehr aufregend.“ Heute ist er fünf bis sechs Mal pro Monat diensthabender Kardiologe im Herzkatheterlabor, das seit zwanzig Jahren neben der klinischen Versorgung von jährlich über 2.500 Patienten, davon allein 450 Notfälle, diesen 24-Stunden-Bereitschaftdienst zur Sicherung der medizinischen Notfallversorgung in der Lausitz anbietet. Neben Andreas Terne sichern diesen Dienst Monat für Monat Chefarzt Dr. Axel Harnath, Dr. Kristin Rochor, Leitende Oberärztin der Kardiologie, und Dr. Claude Thsibangu Lukusa ab.

Inzwischen läuft der Dienst für Andreas Terne eher routiniert ab. „Es ist eben einfach die Erfahrung, die mir dabei hilft, zu wissen, was auf mich zukommt.“ Doch jeder Dienst sei auch immer eine kleine Herausforderung. „Das Notfallbild ist fast immer das Gleiche, doch wie viele Notfälle in einem Dienst behandelt werden müssen, das ist immer unterschiedlich.“ Und kein Herz gleicht dem anderen - ein paar Besonderheiten gilt es dann doch immer zu beachten, erklärt Andreas Terne auf dem Weg zum Auto. „Im Grunde genommen verbringt man einen ganz normalen Tag, als ob nichts wäre.“ Doch dann klingelt das Diensttelefon. „Aha... Ja... Wann ist der Patient geboren?“ Es folgen weitere Fachfragen, dann ein kurzer Moment der Stille. „Ok, dann mache ich mich auf den Weg ins Herzzentrum“, sagt er, legt auf und wählt die nächste Nummer. „Thomas, bitte mach dich auf den Weg, wir haben eine Ankündigung eines Hebungsinfarktes.“ Das Telefonat endet bereits nach wenigen Sekunden. „Das war Pfleger Thomas, der heute mit mir gemeinsam Bereitschaftsdienst hat“, erklärt Andreas Terne. „Er wird wohl schneller da sein als wir, denn er wohnt fast direkt neben der Klinik und braucht nur fünf Minuten zu Fuß.“ Mit schnellen Schritten geht der Oberarzt in Richtung Auto weiter. Die Türen schließen und der Motor brummt. Auf geht es in Richtung des Sana-Herzzentrums Cottbus.

Vier Elektroden sorgen während des gesamten Eingriffs dafür, dass die Vitalparameterdes Patienten auf den Monitor übertragen werden. Alle Herzaktionen des Herzenswerden so für den Operateur Andreas Terne sichtbar.
Vier Elektroden sorgen während des gesamten Eingriffs dafür, dass die Vitalparameterdes Patienten auf den Monitor übertragen werden. Alle Herzaktionen des Herzenswerden so für den Operateur Andreas Terne sichtbar. FOTO: Irene Göbel

Der erste Patient des Tages

Das war der Notarzt aus Spremberg“, sagt Andreas Terne mit ruhiger Stimme.Er hat einen 52-jährigen Patienten angekündigt, bei dem bereits im EKG (Elektrokardiogramm, Anm. der Redaktion), eine deutliche Veränderung zu sehen ist. Die Kollegen machen sich jetzt auf den Weg. Erfahrungsgemäß wird der Rettungswagen in etwa 25 Minuten bei uns eintreffen.“
Die Cottbuser Spezialklinik bekommt an diesem Tag die Zuweisungen aus dem ganzen Raum Südbrandenburg. Patienten, die Anzeichen eines Herzinfarktes zeigen, werden aus Senftenberg, Guben, Herzberg teilweise sogar aus Königs Wusterhausen ins Cottbuser Herzzentrum gebracht, um die bestmögliche Versorgung sicherzustellen. „Allerdings erhalten wir Zuweisungen nicht nur durch den Rettungsdienst direkt, sondern auch von anderen Kliniken aus der Umgebung. Unsere Notfallnummer ist in der gesamten Region bekannt“, erklärt Andreas Terne.

Pfleger Thomas Richter arbeitet seit November 2017 im Herzkatheterlabor. Hier bereiteter die Aufnahme der Patientendaten für den lebensrettenden Eingriff vor.
Pfleger Thomas Richter arbeitet seit November 2017 im Herzkatheterlabor. Hier bereiteter die Aufnahme der Patientendaten für den lebensrettenden Eingriff vor. FOTO: Irene Göbel

Im Herzzentrum angekommen

Kurz vor der Einfahrt zum Sana-Herzzentrum Cottbus auf der Leipziger Straße öffnet Andreas Terne das Fenster seines Autos. „Wir wollen ja nicht lange nach einem Parkplatz suchen“, sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen und hält einen Sensor nach oben. Das ist sein Ticket durch die Schranke. Vom Anruf bis zum Austeigen aus dem Auto sind gerade einmal zehn Minuten vergangen. Der Oberarzt geht in Richtung Eingang, an dem die Türen sich automatisch öffnen und wie von geisterhand zur Seite schnellen. „Hallo“, sagt Andreas Terne am Empfang. Anmelden muss er sich nicht, denn jeder im Cottbuser Herzzentrum kennt den Oberarzt. „Jetzt gehe ich mich schnell umziehen.“ Routiniert und in großen Schritten geht er in ganz normaler Straßenkleidung in Richtung Umkleide. Schon wenige Augenblicke später steht er wieder im Gang - jetzt ganz in Blau. „Wir achten bei uns im Haus penibel genau auf die Hygiene“, sagt Terne und zeigt auf seine Schuhe. Seine schwarzen Turnschuhe hat er gegen OP-Schuhe getauscht. „Das muss in einer Klinik auch so sein. Nichts ist schlimmer, als wenn wir hier Keime und Bakterien hineinschleppen und damit die Patienten gefährden würden.“

In steriler Kleidung: Pfleger Thomas Richter bereitet den Patienten auf den Eingriff vor.Im Rufdienst arbeitet der Gesundheits- und Krankenpfleger allein mit Andreas Terne im Herzkatheterlabor. Nachdem er alle Instrumente und Materialien bereitgelegt hat, hilft er Andreas Terne in seine sterile OP-Kleidung.
In steriler Kleidung: Pfleger Thomas Richter bereitet den Patienten auf den Eingriff vor.Im Rufdienst arbeitet der Gesundheits- und Krankenpfleger allein mit Andreas Terne im Herzkatheterlabor. Nachdem er alle Instrumente und Materialien bereitgelegt hat, hilft er Andreas Terne in seine sterile OP-Kleidung. FOTO: Irene Göbel

Wir sind auf dem Weg ins Katheterlabor. Inzwischen ist der Patient auch im Cottbuser Herzzentrum eingetroffen. Er wird durch die diensthabenden Schwestern auf der Intensivstation aufgenommen und für den anstehenden Eingriff vorbereitet. Währenddessen läuft der 25-jährige Pfleger Thomas Richter bereits im Katheterlabor eifrig hin und her.
Seit November 2017 arbeitet er bereits hier. Angefangen hatte alles mit einem Praktikum im Jahr 2012. Ab Oktober 2012 absolvierte er dann seine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Heute ist der Rufdienst für ihn schon fast zur Normalität geworden. Nach eigener Einschätzung hat er seitdem er seine neue Stelle angetreten hat, etwa 60 Eingriffe im Notdienst begleitet. Dabei arbeitet er stets mit anderen Ärzten zusammen, doch das Team funktioniere immer als Team. Er legt Instrumente bereit, zieht Medikamente auf und bereitet die Geräte vor. „Hallo Thomas, ist alles soweit?“, fragt Andreas Terne. „Ja, sobald der Patient hier ist, können wir anfangen“, erwidert der Pfleger. Und dann ist es soweit.

Der Eingriff beginnt

Den Monitor fest im Blick: Nachdem das Röntgen-Kontrastmittel über die Hochdruckinjektionspumpeverabreicht wurde, kann Andreas Terne die verengte Stelle der Herzkranzgefäße genau in Augenschein nehmen.
Den Monitor fest im Blick: Nachdem das Röntgen-Kontrastmittel über die Hochdruckinjektionspumpeverabreicht wurde, kann Andreas Terne die verengte Stelle der Herzkranzgefäße genau in Augenschein nehmen. FOTO: Irene Göbel

Auf dem Bett wird der Patient in das Katheterlabor geschoben. Er sieht blass aus und hat Schmerzen. Pfleger Thomas übernimmt den Patienten und lagert ihn auf den Kathetertisch um. „Bitte bleiben Sie ruhig liegen. Ich bereite Sie jetzt vor“, sagt er mit ruhiger Stimme. „Nicht erschrecken. Ich klebe Ihnen jetzt die EKG-Elektroden auf. Das kann etwas kalt sein“, erklärt er dem 52-jährigen Patienten. Dann betritt Andreas Terne den Raum. Pfleger Thomas Richter steht bereit, um ihm dabei zu helfen, über seine Bleischürze, die er inzwischen über der blauen Kleidung trägt, einen sterilen Kittel anzuziehen. „Wir arbeiten hier unter Röntgenstrahlung, denn wir müssen ja sehen können, wo wir mit dem Katheter gerade entlang gehen“, erklärt der Oberarzt und tritt an den Tisch. Dann beginnt der Eingriff. Über die Leistenaterie führt Andreas Terne einen Katheter ein. Zentimeter für Zentimeter schiebt er den Katheter bis zum Herzen. Sein Blick ist auf den Monitor vor ihm gerichtet. „Da ist er,“ und zeigt auf den im Röntgenbild dargestellten Katheter. „Damit wir die Stelle finden, an dem das Herzkranzgefäß verschlossen oder stark verengt ist, spritzen wir jetzt Kontrastmittel, das uns unter Röntgensicht genau zeigt, wo die Engstelle liegt.“ Auch für den Patienten sei diese Erklärung besonders wichtig, sagt er. Denn der 52-jährige Patient auf dem Kathetertisch schläft nicht etwa - er ist wach. Nur die lokale Anästhesie direkt an der Leiste, in die der Katheter eingeführt wird, sorgt dafür, dass der Patient keine Schmerzen hat. „Das linke Herzkranzgefäß sieht gut aus“, beurteilt Andreas Terne das Bild vor ihm auf dem Monitor. Er wechselt den Katheter und führt diesen abermals bis zum Herzen vor. Er spritzt ein weiteres Mal Kontrastmittel. „Hier ist die Stelle.“ Auf dem Bild vor ihm ist eine etwa 20 Millimeter lange hochgradige Engstelle am rechten Herzkranzgefäß zu sehen. Das dahinterliegende Herzmuskelgewebe wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt.

Sachgemäße und fachlich kompetente Anwendung setzt fundiertes Fachwissen voraus: Michael Brauer (r.) erläutert im Herzkatheterlabor Schwester Annett Rechberger undThomas Richter (Mitte) die sichere Handhabung der Hochdruckinjektionspumpe.
Sachgemäße und fachlich kompetente Anwendung setzt fundiertes Fachwissen voraus: Michael Brauer (r.) erläutert im Herzkatheterlabor Schwester Annett Rechberger undThomas Richter (Mitte) die sichere Handhabung der Hochdruckinjektionspumpe. FOTO: Irene Göbel

Das Bild auf dem Monitor friert ein, während der Kardiologe den Katheter aus der Leiste des Patienten wieder entfernt. Zehn Minuten liegt der 52-jährige Spremberger jetzt inzwischen auf dem Kathetertisch. „Das war der erste Teil, nämlich die Diagnostik“, so der Oberarzt. Nun beginne der eigentliche Eingriff. „Wir haben nur wenig Zeit, um den Patienten ideal zu behandeln. Zeit ist gleich Herz und Herzmuskelgewebe.“ Mit jeder Minute, die das Gewebe nicht optimal mit Sauerstoff versorgt wird, stibt es weiter ab. „Wenn wir nichts unternehmen würden, wäre die Pumpleistung des Herzen dauerhaft eingeschränkt und kann letztlich unbehandelt sogar zum Herzstillstand führen.“ Doch in der Cottbuser Spezialklinik ist der Patient bestens aufgehoben. Der Oberarzt lässt seinen Blick durch das Katheterlabor schweifen. Direkt
neben ihm hat Pfleger Thomas bereits einen weiteren Katheter bereit gelegt. „Nun werden wir mit einem größeren Katheter noch einmal zu den Herzkranzgefäßen vorstoßen, um die Engstelle zu öffnen.“

Über den jetzt eingeführten Katheter wird ein kleiner Draht mit einem Ballon an der Spitze vorangebracht. An der Engstelle angekommen, wird der Ballon mit einem Druck von 12 Bar entfaltet und das Herzkranzgefäß für zehn Sekunden geweitet. Das Ziel ist es, das Gefäß so weit aufzuweiten, dass das Gewebe wieder normal mit Blut und somit auch mit Sauerstoff versorgt wird. „Jetzt machen wir eine Aufnahme und schauen, ob die Engstelle geweitet ist und das Blut wieder normal bis in die Endäste des Herzkranzgefäßes fließt.“ Die Therapie scheint Wirkung zu zeigen. Innerhalb von kurzer Zeit atmet der Patient auf dem Kathetertisch deutlich ruhiger. „Wird es besser?“, fragt der Arzt den Spremberger. Er nickt. „Das ist das Schöne an diesem Beruf. Innerhalb weniger Minuten können wir Patienten, denen es sehr sehr schlecht geht, helfen und sehen sofort eine Besserung“, sagt Andreas Terne mit freundlicher Stimme. Durch den Mundschutz sind seine Lippen nicht zu erkennen, aber das funkeln in den Augen verrät, dass er Kardiologe aus Berufung ist und es liebt, anderen Menschen zu helfen.

Noch nicht geschafft

„Doch wenn wir an dieser Stelle den Eingriff beenden würden, wäre dem Patienten nicht lange geholfen.“ Er richtet seinen Blick wieder voller Konzentration auf den Monitor vor ihm. Der Eingrifft geht weiter. Über den Katheter wird ein kleines, metallenesDrahtgeflecht, genauso lang wie die Engstelle an den Herzkranzgefäßen, eingeführt. Der Stent, der jetzt verwendet und eingesetzt wird, sorgt dafür, dass sich das Gefäß nicht erneut verengen kann und somit das Blut ungehindert das gesamte Gewebe wieder mit Sauerstoff versorgt.

Ganz behutsam, aber routiniert führt Andreas Terne den Stent ein. Sein Blick weicht keinen Millimeter vom Monitor vor ihm. Noch ein kleines Stückchen vor - dann wieder eine minimale Fingerbewegung zurück und doch noch einen Millimeter vor. Der Stent sitzt genau da, wo er hin soll. „Die kleinen noch dunkleren Röntgenmarker zeigen, dass wir die perfekte Position erreicht haben.“ Mit einer schnellen Handbewegung greift der Oberazt nach der Spritze neben ihm, die mit einer Flüssigkeit gefüllt ist. „Jetzt geben wir Druck auf den Stent, damit er sich auf das richtige Lumen entfaltet.“ Drei Millimeter Lumen möchte er auf der Länge von 20 Millimetern gleichmäßig erreichen. „Geschafft.“

Für eine Nacht auf die ITS

Andreas Terne entfernt mit geübten Handbewegungen den Katheter aus der Leistenaterie des Patienten. Schon steht Pfleger Thomas Richter neben ihm, um die Wunde mit einem festen Druckverband zu versorgen. „Das ist jetzt noch einmal ein wichtiger Schritt. Wenn der Druckverband nicht richtig fest sitzt, blutet die Wunde ein und muss später von uns noch einmal behandelt werden. Das möchten wir möglichst vermeiden“, sagt der Oberarzt.

Nach insgesamt einer Stunde im Katheterlabor wird der 52-jährige Patient auf die Intensivstation des Sana-Herzzentrum Cottbus gebracht. „Das war ein guter Eingriff. Wichtig ist immer, das wir unser Ziel erreichen und das Herz ohne relevante Engstellen zurück lassen. Der Patient wird sich sicherlich wieder vollkommen erholen“, berichtet der Kardiologe, während er seinen Kittel auszieht und entsorgt. Er tritt in einen Raum voller Computer, hängt die 5,5 Kilogramm schwere Bleischürze an den dafür vorgesehenen Platz und setzt sich auf den Stuhl vor ihm. „Nun kommt das zweitwichtigste, nämlich die Dokumentation“, sagt er und lächelt. Heute reiche es nicht mehr aus, „nur den Patienten zu helfen“, vielmehr müssen die Ärzte und das Pflegepersonal alle Dokumentationen so detailliert wie möglich aufbereiten. „Daran gewöhnt man sich schnell“, sagt Thomas Richter, während er noch immer im Katheterlabor umherläuft, Medikamente checkt, die Stumme Schwester zur Seite schiebt und alles für den nächsten Eingriff vorbereitet.

Für Andreas Terne kehrt ein Moment der Ruhe ein. Er läuft über die Gänge im Herzzentrum auf Station eins. Dort liegt eine Patientin, die der Kardiologe vor ein paar Tagen im regulären Dienst bereits mit einem Stent versorgt hat. Er möchte sich gerade über den Gesundheitszustand seiner Patientin erkundigen, als er Michael Brauer auf dem Gang trifft. „Hallo Micha, was machst du denn hier?“ Michael Brauer ist Leiter der Medizintechnik im Sana-Herzzentrum Cottbus. Er und sein Team sorgen Tag für Tag dafür, dass alle medizinischen Geräte so funktionieren, wie sie es sollen. „Das Gleiche wie du, nehme ich an. Ich habe Rufbereitschaft und im OP 2 macht ein Monitor nicht genau das, was er soll“, erklärt Michael Brauer ihm im Vorbeigehen.

Damit die Technik funktioniert

Im Herzkatheterlabor verbringt Michael Brauer regelmäßig Zeit - fast täglich. Genauso wie in den OP-Sälen und den beiden Hybrid-Sälen. „Mein Team und ich sind 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche erreichbar und im Einsatz, damit auch wirklich immer alles reibungslos funktioniert.“ Zu seinem Aufgabengebiet gehört neben der Instandhaltung und der Behebung von kleinen Fehlern auch die vom Gesetzgeber regelmäßig geforderten Geräteprüfungen. „Damit unsere Ärzte während des gesamten Eingriffs jederzeit ein klares Bild auf den Monitoren vor ihnen sehen, ist es sehr wichtig, dass die Röntgenanlagen immer funktionsfähig und einsatzbereit sind“, erklärt Michael Brauer. Einmal im Monat werde deshalb jede Röntgenanlage genaustens untersucht. Aber auch die Hochdruckinjektionspumpe, über die das Röntgen-Kontrastmittel gespritzt wird, muss stets einsatzbereit sein. „Gestern beispielsweise habe ich Annett Rechtenberger und Thomas Richter erst die sichere Handhabung dieser Anlage erläutert.“ Nichts ist wichtiger für die Patientensicherheit, als dass das medizinische Personal genau weiß, wie die Medizinprodukte funktionieren. Und dafür ist das Team von Michael Brauer Tag für Tag im Herzzentrum unterwegs.

Halbzeit des Dienstes

Seit heute morgen 8 Uhr ist Andreas Terne in Rufbereitschaft. Zwei Kathetereingriffe hat er nun bereits vorgenommen. Er ist eben zu Hause angekommen und über Cottbus wird es langsam dunkel, als das Telefon klingelt. „Ja“, sagt er mit freundlicher Stimme. Diesmal sind seine Lebensgefährtin und sein dreijähriger Sohn am Telefon und berichten ihm, was sie an diesem Samstag zu Hause in Finsterwalde so alles erlebt haben. „Das Private darf auch nicht zu kurz kommen“, sagt Andreas Terne nachdem er aufgelegt hat. „Ich genieße es, Zeit im Sandkasten mit der Familie zu verbringen. Aber an Tagen, an denen ich Rufbereitschaft habe, lohnt es sich nicht, bis nach Finsterwalde zu fahren. Kaum kommt ein Anruf, dann muss ich ja schon wieder ins Auto“, erklärt der Kardiologe und Familienvater. Und dann klingelt das Diensttelefon - das dritte Mal an diesem Tag. „Einem Patienten, 1942 geboren, aus Lübben ging es vor drei Tagen nicht gut. Er ist jetzt auf dem Weg zu uns“, sagt Andreas Terne und steigt ins Auto. Die Diagnostik zeigt: Der Patient, der inzwischen wieder beschwerdefrei ist, hatte Glück im Unglück. Die Engstellen betreffen alle drei großen Gefäße und es droht ein Verschluss des kompletten linken Herzkranzgefäßes. Andreas Terne entscheidet, dass der Patient auf die Intensivstation verlegt wird und übergibt den Fall an die Klinik für Herzchirurgie. Bereits am Montagmorgen wird der Patient durch das Team um Chefarzt Prof. Dr. Dirk Fritzsche mit einer Bypass-Operation im Sana-Herzzentrum Cottbus versorgt werden und wieder zur gewohnten Lebensqualität zurück finden.

24 Stunden - fünf Eingriffe

Während der 24 Stunden Rufbereitschaft nimmt Andreas Terne gemeinsam mit Pfleger Thomas Richter insgesamt fünf Eingriffe vor. „Bei 100 bis 120 Notfalleingriffen im Jahr hört man eigentlich irgendwann auf zu zählen. Aber fünf bei einem Dienst sind schon eine ganze Menge“, sagt Andreas Terne am nächsten Morgen. Er hat gerade eben seinen Dienst beendet. Ab jetzt übernimmt ein anderer Kardiologe die Bereitschaft für den Katheterdienst und sorgt dafür, dass Lausitzer Herzen auf die Sprünge geholfen wird, wenn es nötig ist.

Benjamin Seidemann

Über unsere Klinik

Als hoch spezialisierte Klinik mit dem Schwerpunkt Herz-Kreislauf-Erkrankungen erfüllen wir im Land Brandenburg unseren Versorgungsauftrag. Unser Anspruch ist es, medizinisch-pflegerische Leistungsfähigkeit auf modernstem Niveau mit wirtschaftlicher Betriebsführung zu vereinen. Medizinern bieten wir die Ausbildung zum Facharzt in den Disziplinen Herzchirurgie, Kardiologie und Anästhesiologie an.

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