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| 10:52 Uhr

Wo Digitalisierung begreifbar wird
ZCOM Zuse-Computer-Museum in Hoyerswerda zeigt, wie Rechner denken und was in ihnen steckt

FOTO: chk
Digitalisierung ist in aller Munde. Doch was steckt dahinter? Genau dieser Frage können Besucher im ZCOM Zuse-Computer-Museum in Hoyerswerda nachgehen. Dort wird erklärt, wie Rechentechnik funktioniert und was dahintersteckt – und zwar so, dass es nicht nur Technikfreaks verstehen.

Dass Internetsuchmaschinen in Bruchteilen von Sekunden Ergebnisse auf eine Anfrage liefern, dass es Apps für so ziemlich jeden und alles gibt, dass wir mit dem Smartphone viel mehr können als nur telefonieren – all das ist für viele völlig selbstverständlich. Was allerdings im Inneren von Handy, Laptop und Co. steckt, wissen die wenigsten. Im ZCOM wird genau das sichtbar und begreifbar, indem Besucher auf eine Zeitreise gehen.

Nur ein paar Schritte

Von einem schrankwand-großen, tonnenschweren Computer aus den 50er-Jahren bis zum Smartphone sind es in dem Museum nur ein paar Schritte. Im realen Leben liegen mehrere Jahrzehnte dazwischen. Auch nur ein Katzensprung. „Die Objekte in unserer Ausstellung wecken das Verständnis für den enormen technischen Fortschritt. Da ist wahnsinnig viel Entwicklung in kurzer Zeit passiert“, sagt Museumspädagoge Marcus Matics. Gemeinsam mit seinen Kollegen versucht er, Kindern, Jugendlichen und älteren Besuchern Themen wie Rechentechnik und Digitalisierung verständlich zu machen.

Längst wieder Geschichte

Schwierige Kost? Ja, aber anhand von vielen Beispielen wird der Kern der Sache dann doch recht anschaulich. Die elektronischen Hirnzellen des Computers - von denen einige Hundert als Röhren verbaut in den 50ern beispielsweise noch so viel Platz wie eine Anbauwand brauchten - schrumpften, ersetzt durch Transistoren, bis in die 70er-Jahre soweit zusammen, dass sie auf einen Mikrochip passten - mehrere tausend, die nur noch mit Hilfe eines Mikroskops erkennbar sind. Und auch das ist längst schon wieder Geschichte: „Heute passen Milliarden Transistoren auf einen Chip“, sagt Marcus Matics. Die Funktionseinheiten beziehungsweise der Aufbau der Rechner sind also gleichgeblieben – nur ihre Größe ist massiv geschrumpft. Und damit schoss auch die Leistungsfähigkeit nach oben.

Neuer Rechnerraum

Den Unterschied zwischen den ersten Computern und heutigen Geräten erklärt der Museumspädagoge Kindern gern stark vereinfacht mit folgendem Beispiel: „Früher konnten Computer eine Frage pro Sekunde beantworten, heute sind es Milliarden pro Sekunde.“

Das Grundprinzip, nach dem der Rechner die Aufgaben löst, ist das Gleiche, das bereits die Computerväter wie Konrad Zuse einst anwendeten: Die simple Unterscheidung zwischen 0 und 1. „Wir setzen das spielerisch mit den Kindern um, in dem sie Fragen einfach mit Ja oder Nein beantworten“, sagt Museumsleiterin Andrea Prittmann. Und noch etwas vermittelt das ZCOM: Bei allem Fortschritt steht der Mensch an erster Stelle. „Bei jeder Entwicklung ging es immer darum, für ein Problem eine Lösung zu finden“, erklärt die Museologin und verweist auf einen Ausspruch von Konrad Zuse, der von sich behauptete schlichtweg zu faul zum Rechnen gewesen zu sein und daher den Computer erfunden hat. Nicht nur wie zu Zuses Zeiten gerechnet wurde, sondern schon vor vielen hunderten und tausend Jahren erfahren die Besucher ebenfalls im ZCOM. Ab dem Sommer können sie im neuen Rechenraum, der Processing Unit, unter anderem historische Rechenhelfer wie Abakus und Napiersche Stäbchen selbst ausprobieren und im Vergleich dazu mit Tablets arbeiten.

Grundverständnis erzeugen

Mit den verschiedenen Projekten oder Führungen will das
ZCOM-Team bei seinen Besuchern ein Grundverständnis für Themen wie Digitalisierung und Rechentechnik erzeugen.

„In keinem Beruf lässt es sich heute noch rein analog arbeiten. Es geht hier auch darum, die Möglichkeiten der Digitalisierung bewusst zu machen“, sagt Andrea Prittmann.

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