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| 17:13 Uhr

Barbara macht aus sauer nutzbar
Bekalkungsschiff der BRAIN Brandenburg Innovation GmbH sorgt in Bergbaufolgeseen für neutrale pH-Werte

Morgens vor dem Auslaufen nimmt die Barbara ihre wertvolle Fracht an Bord und sorgt durch Ausbringen der Kalksuspensionen im Laufe des Tages für gut verträgliche pH-Werte im Schlabendorfer See.
Morgens vor dem Auslaufen nimmt die Barbara ihre wertvolle Fracht an Bord und sorgt durch Ausbringen der Kalksuspensionen im Laufe des Tages für gut verträgliche pH-Werte im Schlabendorfer See. FOTO: LWG / Ulrich Mertens
Schifffahrt in unserer Region? Noch dazu mit einem echten Kapitän und einem echten Matrosen? Das hat Seltenheitswert. Insbesondere, wenn das Schiff nicht vordergründig zu touristischen Zwecken unterwegs ist und tonnenweise Kalk geladen hat.

Strenggenommen ist die „Barbara“ (nicht zu verwechseln mit der „Santa Barbara“ auf dem Senftenberger See) auch in Sachen Tourismus unterwegs. Denn der Kalk, der morgens an Bord genommen wird, soll mittelfristig für badefähige Gewässer sorgen.

Entwickelt wurde der Katamaran durch die BRAIN Brandenburg Innovation GmbH, eine hundertprozentige Tochter der LWG Lausitzer Wasser GmbH Cottbus & Co. KG. Marita Dittrich, BRAIN-Geschäftsführerin, erinnert sich: „2010 hatten wir mit Partnern ein neues Verfahren zum Einbringen von Neutralisationsmitteln unter Wasser entwickelt.“

Die sauren Bergbaufolgeseen sollten durch die so genannte Inlake-Bekalkung wieder nutzbar, sprich der niedrige pH-Wert (2,8) in den neutralen Bereich angehoben werden (durchschnittlich 7,0).

Das Besondere an dem inzwischen patentierten Verfahren ist das punktgenaue Ausbringen von Kalksuspensionen unter der Wasseroberfläche.Das gelingt mittels einer eigens entwickelten Misch- und Strahltechnik. Schiff gesucht

Mit ihrem Fäkalienfahrzeug sorgt die BRAIN seit Anfang des Jahres für die mobile Entsorgung des Schmutzwassers im Amt Lieberose / Oberspreewald.
Mit ihrem Fäkalienfahrzeug sorgt die BRAIN seit Anfang des Jahres für die mobile Entsorgung des Schmutzwassers im Amt Lieberose / Oberspreewald. FOTO: LWG / Ulrich Mertens

Das Verfahren war also da, es fehlte nun noch die Möglichkeit, es auf dem Gewässer anzuwenden. „Wieder saßen wir mit Partnern am Tisch. Alles kompetente Fachleute, aber auch alle neu in Sachen Spezialschiffbau“, so Marita Dittrich. Dennoch wurde innerhalb von anderthalb Jahren das Sanierungsschiff entwickelt und gebaut. Im April 2012 kam das Schiff dann erstmals zu Testzwecken auf dem Lichtenauer See zum Einsatz – und zwar mit Erfolg. So wurde es im Sommer 2013 auf den Schlabendorfer umgesetzt und dreht seitdem dort regelmäßig seine Runden. Ein sehr wichtiger See, wie Marita Dittrich meint, ist er doch die letzte Sperre vor dem Spreewald. Und außerdem hatte der Schlabendorfer See eine Behandlung dringend nötig. „Das aggressive Wasser hatte die Schiffsschraube nach kurzer Zeit abgefressen. Ein lebensfeindliches Gewässer, mal ganz davon abgesehen, dass hier an baden und entspannen nicht zu denken war“, erzählt Marita Dittrich.

Und zunächst schien es auch, als ob die Kalkkur nicht anschlagen würde. Bis zum Sommer 2014 wurden rund 20 000 Tonnen eingebracht (rund 800 Lkw-Ladungen), ohne dass sich ein schneller Erfolg abzeichnete. Dann jedoch ging es aufwärts, was mess- und auch optisch erkennbar war.

Nachsorge erforderlich

Seit 2015 befindet sich der See in der Nachsorge. Der pH-Wert stimmt, aber aus den anliegenden Kippen strömt immer noch saures Grundwasser zu, was einen Einsatz der „Barbara“ nach wie vor erforderlich macht. Im Moment steht die eingebrachte Kalkmenge bei zirka 45 000 Tonnen.

Spannend war zu Beginn die Frage, wer das Schiff fahren soll. Patentierte Kapitäne und Matrosen, die noch dazu abkömmlich für diese Aufgabe waren, gab es nicht. „Kandidat war, wer schon in der Gast- oder Binnenschifffahrt unterwegs war“, berichtet Marita Dittrich.

Mehrere hundert Schiffsstunden, verteilt über zwei Jahre, mussten dann die zukünftigen Schiffsführer absolvieren. Seit den erfolgreichen Prüfungen hat die BRAIN auch Kapitäne und Matrosen unter ihren Mitarbeitern.

Noch mehr Dienstleistungen

Die BRAIN kann aber noch mehr als aus sauer nutzbar zu machen. Als wasserwirtschaftlicher Dienstleister der LWG sorgt sie unter anderem auch für die Entschlammung der Gewässer in der Region. Mittels neuem Verfahren kann der Schwimmschlamm leichter beseitigt werden. Bislang wurde der Schlamm abgesaugt oder falls möglich, der See abgelassen. Jetzt werden spezielle Mittel auf dem See eingebracht, die für das Auflösen des Schlammes sorgen.

Ganz neu ist das Fäkaliensaugfahrzeug der BRAIN. Es ist seit Beginn des Jahres im Amt Lieberose/Oberspreewald unterwegs und sorgt bei rund 1620 Grundstücken für das Beseitigen des Schmutzwassers und leert abflusslose Sammelgruben und Kläranlagen.

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