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| 17:10 Uhr

Aortenklappenstenose
Vorbeugen unmöglich

FOTO: Sana-Herzzentrum Cottbus / Michael Helbig
HERZMEDIZINkompakt. Ohne daran denken zu müssen pocht es 60 bis 80 Mal pro Minute in unserer Brust: Das Herz hält unseren Kreislauf in Schwung. Doch was passiert, wenn das Herz schmerzt. Diese Themen beleuchtet die LAUSITZER RUNDSCHAU gemeinsam mit Experten aus dem Sana-Herzzentrum Cottbus in der Veranstaltungsreihe HERZMEDIZINkompakt, die am vergangenen Donnerstag in die zweite Runde ging.

Die Schritte hinauf in die eigene Wohnung fallen immer schwerer? Sie fühlen sich abgeschlagen und leiden unter Kurzatmigkeit? Sie haben innerhalb weniger Wochen viel zugenommen? Dann sollten Sie den Weg zum Kardiologen suchen –denn diese Symptome lassen auf eine Aortenklappenstenose schließen. Wenn die Herzklappe zur Köperschlagader – die Aortenklappe – nicht mehr richtig öffnet und schließt, weil sie durch Kalkablagerungen verengt ist, sprechen Mediziner von einer Aortenklappenstenose. „Die Prognose ohne Behandlung ist sehr schlecht. Wenn die ersten Beschwerden auftreten bleibt wenig Zeit. Etwa die Hälfte aller Patienten versterben in zwei bis vier Jahren nach den ersten Beschwerden, wenn nichts getan wird“, warnt Dr. Axel Harnath, Chefarzt Kardiologie am Sana-Herzzentrum Cottbus. „Doch die Prognose bei einer erfolgreichen Behandlung ist sehr gut“, so Dr. Axel Harnath. Vorbeugung durch Ernährung und Sport ist unmöglich. Mehr als 100 Leser sind der Einladung ins Cottbuser Medienhaus gefolgt und waren gespannt auf die neuen Behandlungsmethoden, über die die Referenten zu berichten hatten. Neben Dr. Axel Harnath waren auch Dr. Volker Herwig, Oberarzt Kardiologie/Herzchirurgie am Sana-Herzzentrum Cottbus und Dr. Stephan Kische, Chefarzt für Innere Medizin, Kardiologie und konservative Intensivmedizin am Vivantes Klinikum in Berlin Friedrichshain gekommen, um über eine „beispiellose Erfolgsgeschichte, die ich in meiner Zeit als Arzt nicht noch einmal erleben werden“, wie Dr. Stephan Kische sagt, zu berichten.

FOTO: Sana-Herzzentrum Cottbus / Michael Helbig

TAVI als lebensrettender Eingriff

Nachdem am 16. April 2002 - also erst vor 16 Jahren - im französischen Rouen der erste Aortenklappenersatz durch Dr. Alain Cribier minimalinvasiv über die Leistenvene erfolgreich durchgeführt und somit Medizingeschichte geschrieben wurde, werden heute deutschlandweit 20.000 Leben mit einer 30 bis 60 minütigen-TAVI-Prozedur gerettet. Dabei wird der biologische Klappenersatz per Katheter durch die bestehende Aortenklappe geschoben und entfaltet. „Die verengte Aortenklappe wird an die Aortenwand gepresst und stellt so ihre Arbeit ein. Die neue Klappe übernimmt sofort“, erklärt Dr. Stephan Kische den Besuchern. Dabei ersetzt die TAVI nicht etwa den klassischen chirurgischen Aortenklappenersatz, sondern versorgt alle die Patienten, die bisher nicht operiert werden konnten. „Etwa ein Drittel aller Betroffenen europaweit wurden früher nicht operiert, weil die Begleiterkrankungen zu schwer und somit die Eingriffe zu risikoreich waren, denn die Aortenklappenstenose ist eine Erkrankung, die durch Kalkablagerungen an der Klappe ausgelöst wird - dies tritt meistens bei älteren Patienten auf“, berichtet
Dr. Axel Harnath. Dennoch gibt es Patienten, die wirklich operiert werden müssen. „Wir haben manchmal enttäuschte Gesichter, wenn wir feststellen, dass eine Operation doch die bessere Versorgung ist“, erklärt Dr. Volker Herwig. Entschieden wird über eine TAVI übrigens immer im Herzteam, bestehend aus einem Herzchirurgen, einem Kardiologen und einem Anästhesisten.

Fünf Indikationen für eine TAVI

„Patienten mit einer Porzellan-aorta – also einer komplett verkalkten Aorta – werden immer mit einer TAVI versorgt. Da kann der Chirurg nicht helfen, denn für den konventionellen Klappenersatz muss in die Aorta geschnitten und später wieder genäht werden. Kalk ist hart wie Stein, versuchen Sie mal zwei Steine zusammenzunähen“, sagt Dr. Volker Herwig mit einem Lächeln. Auch bei Patienten, die bereits mit einem Bypass versorgt wurden und Patienten mit Thoraxdeformationen ist die TAVI klar indiziert, denn die konventionellen Eingriffe wären zu gefährlich. Allein das Alter ist aber nicht entscheidend. „Stellen Sie sich einen 65-Jährigen vor, der fit ist und täglich mit dem Rad zum Bäcker fährt – für ihn ist die Operation die bessere Versorgung, denn in diesem Fall würden wir eine mechanische Prothese einsetzen, die ein Leben lang hält und nicht degeneriert. Das geht bisher nur auf dem konventionellen Weg“, erklärt Dr. Volker Herwig. Dennoch ist auch er, genauso wie seine beiden Kollegen, überzeugt davon, dass die TAVI-Prozedur die beste Versorgung für Hochrisikopatienten ist. „Wahrscheinlich wird es in zehn Jahren kaum noch einen chirurgischen Klappenersatz geben, weil die TAVI in der Anwendung so sicher geworden ist, das nur noch Ausnahmen konventionell versorgt werden sollten“, prognostiziert Dr. Axel Harnath am Ende der Veranstaltung den Besuchern. „Die TAVI ist am Sana-Herzzentrum Cottbus – einer von zwei Spezialkliniken in Brandenburg – eine routinierte Prozedur. Lausitzer sind also in Cottbus sehr gut versorgt, wenn das Herz Hilfe braucht.“

(Benjamin Seidemann)
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