Die 14-Jährige aus dem brandenburgischen Schildow verschwand aus heiterem Himmel. "Mein Mann hat sie am vergangenen Freitag zum Bahnhof gebracht - wie jeden Morgen", sagte ihre Mutter am Mittwoch. Als die Gymnasiastin, die in Oranienburg zur Schule geht, am Nachmittag nicht auftauchte, meldete die Mutter ihre Tochter als vermisst. Sie ist allem Anschein nach mit dem eigenen Onkel durchgebrannt, einem 47-Jährigen aus Berlin.

Eine Freundin habe den Namen eines angeblichen Liebhabers der 14-Jährigen offenbart, sagte die Neuruppiner Oberstaatsanwältin Marianne Böhm. Schnell stellte sich heraus, dass der Berliner sich krankgemeldet hatte und ebenfalls verschwunden war, wie Böhm sagte. Da die Beziehung schon seit eineinhalb Jahren bestanden haben soll, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Mann wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs eines Kindes. "Denn dann könnte es bereits sexuelle Kontakte gegeben haben, als das Mädchen erst 13 Jahre alt war", sagte Böhm.

Die Mutter sagt: "Wir hoffen inständig, dass sie sich bald bei uns meldet." Und weiter: "Wir wollen nur, dass sie bald zu ihren Eltern und ihrem Bruder zurückkehrt." Sie habe mit ihrer Tochter stets ein offenes Verhältnis gehabt, aber wie alle Kinder in der Pubertät habe sie ihren Eltern auch nicht alles erzählt. "Wir lieben sie, und sie braucht keine Konsequenzen zu befürchten, wenn sie hoffentlich bald zurückkommt."

Nach den Ermittlungen der Polizei sind die beiden mit dem Transporter des Berliners und einem Wohnwagen unterwegs. Die Mutter vermutet, dass die Reise in Richtung Süden gegangen sei. "Sie hat nur wenig Kleidung mitgenommen und Sonnenmilch", sagte sie. Und der Onkel habe mit seiner Familie bereits zweimal in Spanien Urlaub gemacht.

Die Polizei hat bislang nur wenige vage Hinweise von Bürgern aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland. Da die Fahndung europaweit läuft, hoffen die Beamten, dass die beiden möglicherweise bei einer Kontrolle auffallen.

Aus Sicht der Entwicklungspsychologin Birgit Elsner von der Universität Potsdam kann das Streben nach Unabhängigkeit und Erwachsensein bei einer Jugendlichen in der Pubertät dazu führen, sich in einen älteren Partner zu verlieben. "In dem Alter wollen sich Jugendliche von den Eltern unabhängig machen", sagt Elsner. "Wenn ein Mädchen sich sehr früh entwickelt, dann sucht es eher nach einem älteren Partner, weil die gleichaltrigen Jungs noch nicht so weit sind."

Ein so großer Altersunterschied wie im vorliegenden Fall sei aber schon ungewöhnlich, so die Professorin. "Vielleicht wird das als sehr aufregend empfunden und auch das Durchbrennen ist ja ein Signal, dass man unabhängig sein will."