Es ist das Fazit einer Drogen-Karriere, so nüchtern, wie es wohl nur ein Gericht zu formulieren vermag: ein Jahr und vier Monate Freiheitsentzug, ausgesetzt zu drei Jahren Bewährung. „Sie haben sich einmal überreden lassen, etwas zu probieren. Und nach 13 Jahren sehen Sie, was daraus geworden ist“, sagt der Vorsitzende des Schöffengerichts in Lübben, Stephan Lehmann.

Mit 14 war der Lübbenauer erstmals mit Drogen in Berührung gekommen. „Woll'n wir mal was probieren?“, habe ein Kumpel gefragt. Danach, so erklärt der Lübbenauer in seinem Geständnis vor Gericht, habe er ab und zu an den Wochenenden etwas genommen, später an jedem Wochenende, mit 16 dann täglich. Zwischenzeitlich hatte er die Schule mit einem Siebte-Klasse-Abschluss verlassen, ein berufsvorbereitendes Jahr abgebrochen, eine Lehre als Einzelhandelskaufmann geschmissen. Der Grund: Drogen. Und: „Ja, ich bin abhängig von dem Zeug.“ Heute lebt er von Hartz IV.

Im März 2010 wird er gestellt. Fahnder haben verschiedene Telefonate eines mittlerweile verurteilten Händlers abgehört, und dabei fallen Namen von Konsumenten. Bei einer Kontrolle greifen die Ermittler zu: Der junge Mann hat insgesamt 275 Gramm Haschisch und Marihuana bei sich. Weihnachten 2009 war er von seiner Freundin verlassen worden, danach geriet er noch stärker in den Sumpf, erwarb grammweise die Drogen. „Wenn kein Geld da war habe ich nichts gekauft, wenn mehr da war, habe ich etwas gebunkert.“

Er hält sich mit Hilfsjobs über Wasser, manchmal vertickt er kleine Mengen an Bekannte. Eine Geldstrafe wegen Diebstahls zahlt die Mutter ab, bei der er noch immer lebt.

Die im Frühjahr 2010 gefundenen Drogen reichen aus, um eine mehrjährige Freiheitsstrafe herauszufordern. „Wenn man Konsument ist, ist man sich dessen nicht bewusst“, sagt der Lübbenauer auf eine Frage des Staatsanwaltes. Der plädiert dann „unter Zurücksetzung von Bedenken“ auf eine Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung.

Das Gericht folgt diesem Antrag, reduziert die Freiheitsstrafe um eine Nuance, verhängt drei Jahre Bewährung unter Auflagen. Zu diesen zählen 100 Sozialstunden und eine Entzugs-Therapie.

Letztere hat der 27-Jährige in Senftenberg bereits ambulant begonnen. Eine stationäre soll folgen. Eine Ausbildung und Arbeit als Bauzugführer steht in Aussicht.