Bernd Ulrich, die Amigos haben sich 1970 als Duo gegründet. Erst im Jahr 2006 gelang mit dem Sieg in der Fernsehsendung "Achims Hitparade. Wer wird Musikantenkaiser?" der endgültige Durchbruch. Haben Sie an so einen Erfolg überhaupt noch geglaubt?

Als mein Bruder und ich die Amigos gegründet haben, haben wir das aus Spaß an der Musik gemacht. Wir zogen von Dorf zu Dorf und sind auf Geburtstagsfeiern und Hochzeiten aufgetreten - neben unseren Jobs. Ich habe als Braumeister gearbeitet und mein Bruder als Lastwagenfahrer. Aber in all den Jahren sind wir nie morgens aufgewacht und haben geweint, weil wir keinen Erfolg hatten. Wir haben unsere Lieder geschrieben, sie in unserem Studio aufgenommen und dann auch an Plattenfirmen geschickt. Es kamen nur Absagen. Doch das hat uns nicht depressiv gemacht. Wir hatten ja schon unsere Fangemeinde im Umkreis von 70 Kilometern, die uns immer bestärkt hat, weiterzumachen.

Als wir 2006 das erste Mal die Möglichkeit hatten, uns bei "Achims Hitparade" mit dem Titel "Dann kam ein Engel" deutschlandweit zu präsentierten, haben wir offensichtlich die Herzen der Menschen erreicht. Der Erfolg ist gekommen, weil wir an uns geglaubt haben.

Aber der Erfolg kam überraschend, oder?

Das war schon der Hammer. Was da auf uns zu kam, hätten wir nie erwartet. Wir haben unsere Berufe aufgegeben und uns ganz und gar der Musik gewidmet. Eine Plattenfirma in Österreich nahm uns unter Vertrag.

Können Sie sich erklären, warum Sie auf einmal derart populär sind?

Wir haben oft darüber nachgedacht. Vielleicht war einfach die Zeit reif dafür. Den Menschen geht es nicht so gut, und in den Texten unserer Lieder finden sie etwas Authentisches von uns. Die Leute sagen oft: Hey, ihr seid genauso wie wir. Andere lächeln natürlich darüber oder sagen, das sei Volksverblödung. Aber das stört uns überhaupt nicht. Wir machen für unsere Klientel Musik und haben mittlerweile circa vier Millionen CD verkauft.

Das ist sehr viel.

Und es können keine vier Millionen Bekloppten in der Welt herumlaufen, oder?

wie viele Fans kommen in Ihre Konzerte?

Auf einer Tour mit etwa 60 Konzerten in ganz Europa kommen mehr als 100 000 Menschen.

Sie haben sogar eine riesige Fan-Gemeinde in Kanada. Was mögen Kanadier am volkstümlichen Schlager aus Deutschland?

Das sind Menschen, die vor 20 oder 25 Jahren von Deutschland nach Kanada ausgewandert sind, und die unsere Lieder hören. Sie mögen vor allem unser Lied "Mein Elternhaus". Da kommt bei ihnen Sehnsucht nach der Heimat auf. Da werden Emotionen wach.

Haben Sie Angst, dass der Spaß auch wieder schnell vorbei sein könnte und der Erfolg nachlässt?

Wir sind nicht so blauäugig und sagen, das geht jetzt so weiter bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Es wird irgendwann nachlassen. Und wenn es nachlässt, wissen mein Bruder und ich damit umzugehen. Zurzeit sind wir dankbar und genießen auch die Auszeichnungen. Wir haben etwa 60 Gold- und Platin-Schallplatten erhalten. Das stellen Sie sich mal vor! Da muss ein anderer drei Mal auf die Welt kommen, um das zu verkaufen.

Stichwort verkaufen: Viele, auch Menschen die keine volkstümliche Schlager hören, kennen die Amigos erst seit 2006, seitdem Sie auf dem Teleshoppingsender Shop24 für Ihre Musik werben. War diese Art Werbung hilfreich?

Shop24 hat uns viel geholfen. Im Oktober läuft eine neue Werbung. Aber wir müssen auch etwas tun, um die Leute zufriedenzustellen, damit sie sagen: Hey, Amigos, ihr habt wieder eine tolle CD gemacht mit Liedern, die wir mögen und die uns ans Herz gehen.

Und jetzt sind Sie das erfolgreichste Schlager-Duo Deutschlands?

Ja.

Wie fühlt sich das an?

Wir werden oft gefragt: Wie fühlt man sich als Star? Und da muss ich sagen, wir zwei können mit dem Wort Star nichts anfangen. Ich weiß nicht, wie ich mich als Star verhalten muss. Wir möchten so bleiben, wie wir sind. Und wenn uns Menschen auf der Straße ansprechen, dann ist es unsere Pflicht, stehen zu bleiben und zu antworten. Denn diesen Menschen haben wir unseren Erfolg zu verdanken. Das werden wir Amigos nie vergessen.

Was vermissen Sie aus der Zeit, als Sie nicht so berühmt waren und von Dorf zu Dorf tingelten?

Alles. Es war zwar eine verdammt harte Zeit jede Woche von Freitag bis Montag im Festzelt Musik machen und von der Bühne gleich zur Arbeit zu gehen. Aber ich möchte keine Sekunde davon missen und mein Bruder auch nicht. Vielleicht hat auch das uns geprägt, weil wir von ganz unten kommen. Und wir wissen es zu schätzen, was jetzt mit uns passiert.

In Lübben spielen Sie in der Mehrzweckhalle. Kennen Sie die Stadt?

Wir waren schon mal in Lübben und den Spreewald kennen wir auch. Ich habe auch die Gurken probiert. Besonders erinnere ich mich an die Mücken an der Spree. Alter Freund, ich sage Dir! Ansonsten haben wir nur gute Erinnerungen an Lübben.

Wie haben Sie sich nach Rückschlägen motiviert, trotzdem weiter Musik zu machen?

Wir mussten uns nicht motivieren. Als die Absagen von den Plattenfirmen kamen, haben wir gedacht: Okay, das ist halt so. Den Erfolg haben wir uns immer wieder auf der Bühne geholt, wenn die Menschen nach den Konzerten zufrieden den Saal verlassen haben. Aber es ist jetzt natürlich wunderschön, dass wir von unserem Hobby leben können. Etwas Schöneres konnte uns nicht passieren, und wir machen den Menschen noch immer Freude mit der Musik.

In Liedern wie "Gebrochene Kinderherzen" singen Sie gegen Kindesmissbrauch. Verträgt sich die heile Welt des Schlagers mit so einem ernsten Thema?

Natürlich. Wir sind in der Situation, dass die Menschen uns zu hören. Wir sind Botschafter des Weißen Rings, einer Hilfsorganisation, die Kriminalitätsopfer und deren Familien hilft. Wir wollen erreichen, dass Kindesmissbrauch juristisch nicht verjähren soll. Das ist unser Ziel. Kein Mensch darf sich an Kindern vergreifen.

Mit Bernd Ulrich

sprach Thomas Seifert