Worauf konzentrieren sich Ihre Befürchtungen, wenn Sie die Reformpläne der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik betrachten?

Wenn nur noch Ausgleichszahlungen in voller Höhe für Betriebe bis 500 Hektar fließen, dann müssen mehr als 90 Prozent unserer Verbandsbetriebe in Elbe-Elster mit Einbußen rechnen. Nach den derzeit diskutierten Plänen würden etwa sechs Millionen Euro weniger in den Landkreis fließen. Hintergrund ist, dass viele Staaten in der Union kleinere Familienbetriebe fördern wollen. Dem setze ich entgegen: Wir sind nichts anderes als Mehrfamilienbetriebe. Die Agrarbetriebe im Osten würden aufgrund ihrer Struktur aber gravierend benachteiligt werden. Wir setzen da weiter auf die Unterstützung, die uns Bundeskanzlerin Merkel und auch Bundesministerin Aigner beim Deutschen Bauerntag in Koblenz zugesagt haben.

Spüren Sie denn Unterstützung von der Brandenburger CDU?

Nach massiven Protesten zu deren Leitlinien, die auf den Plänen der EU basieren, wollte man über die vorgesehene Degression nachdenken. Von einem für uns entscheidenden Fazit, dass die Größe der Betriebe nicht entscheidend für die Zahlungen ist, habe ich nichts gehört.

Baldige Klarheit über die Eckdaten der Förderperiode 2014 bis 2020 wäre für alle wünschenswert.

Die Landwirte brauchen Planungssicherheit, weil sie weit voraus in die Zukunft blicken müssen. Da ist es entscheidend, mit welchen Rahmenbedingungen künftig zu rechnen ist. Eines scheint jedoch schon jetzt klar: Es wird ein Bürokratiemonster auf uns zu kommen, es wird der Zugang zu den Direktzahlungen und die Arbeit der Landwirte wesentlich erschwert werden.

Welche wichtigen Termine finden sich im Kalender des Chefs des Kreisbauernverbandes?

Am kommenden Donnerstag treffen wir uns mit allen Betriebsleitern unserer Mitgliedsbetriebe in Großrössen. Im November besuchen wir gemeinsam die Agritechnica in Hannover. Zuvor steht die jährliche Weiterbildungsveranstaltung in Neuseddin auf dem Plan. Da geht es unter anderem um das Erneuerbare Energien Gesetz, Fragen des Jagd- und Arbeitsrechts, aber auch um einen Erfahrungsbericht zum Kräuteranbau. Und am 2. Februar stehen bei unserem Kreisverbandstag in Saathain Neuwahlen ins Haus.

Stehen Sie als Vorsitzender erneut zur Verfügung?

Das hängt davon ab, ob es gewünscht wird.

Was haben Sie sich für die Beratung in der kommenden Woche vorgenommen?

Wir haben Sparkasse Elbe-Elster und Deutsche Kreditbank eingeladen um zu hören, wie sie zur Landwirtschaft stehen. Vom Landwirtschaftsamt des Kreises erwarten wir wichtige Informationen, wie es mit dem Antragswesen weitergeht. Nach einer erneuten Vermessung der landwirtschaftlichen Flächen im Auftrag der EU sind Differenzen zum Vorjahr festgestellt worden. Es stellt sich für uns die Frage, warum die Flächen ständig neu vermessen werden. Erfreulich ist, dass wir den Landwirtschaftsbetrieb Lange aus Osteroda als neues Mitglied im Verband aufnehmen können.

In noch zu guter Erinnerung ist das Oktober-Hochwasser des vergangenen Jahres. Mit dem Thema sticht man bei Ihnen noch ein Jahr später ins Wespennest?

Wir geben Millionen für den Schutz von Wölfen und Bibern aus und vernachlässigen sträflich die Interessen der Menschen entlang der Schwarzen Elster. An den maroden Deichen ist in großen Abschnitten nichts getan worden, die Betriebe stehen bereit, um anzupacken, aber es fehlt das Geld. Die Bauern haben zwischen 20 und 60 Prozent Ernteverluste zu beklagen, die auf das Hochwasser zurückzuführen sind. In Potsdam gibt es zurzeit offenbar nur Überlegungen in die Richtung, wie man das Wasser breitlaufen lassen kann. Wenn, wie in Plessa seit dem Frühjahr die Schöpfwerkspumpe kaputt ist und noch immer Wasser auf den Flächen steht, dann kann man nur den Hut vor dem Landwirtschaftsbetrieb ziehen, trotz all dem einen neuen Stall zu bauen. Es ist dringend dafür zu sorgen, dass die Schwarze Elster endlich wieder einen freien Ablauf bekommt, dass die Schöpfwerke und die angrenzenden Grabensysteme funktionieren. Wir werden das Gefühl nicht los, dass sich das Umweltministerium grundsätzlich gegen die Landwirte entscheidet.

Wie steht es um die Herbstbestellung?

Die ist unter recht guten Bedingungen gelaufen. Wir können hoffnungsvoll sein, weil wir mit gut bestellten Flächen ins neue Jahr gehen. Abgesehen natürlich von den Flächen, die wegen der Nässe immernoch oder schon wieder unbefahrbar sind.

Und wie sieht es bei Milch- und Getreidepreisen aus?

Bei der Milch sind wir in einer ruhigeren Phase, der Grundpreis je Liter liegt zwischen 33 und 35 Cent. Das ist auskömmlich. Der Getreidepreis hat zwar wieder etwas nachgegeben, aber auch da kann man nicht jammern. Anders sieht das schon wieder aus, wenn man gleichzeitig die gestiegenen Produktionskosten betrachtet. Saatgut hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 19,7 Prozent verteuert, Diesel um 12,3 Prozent, Pflanzenschutzmittel um sieben Prozent. Und die Gewässerunterhaltung kommt uns ab dem kommenden Jahr um 37 Prozent teurer.

Sind die Bauern in Elbe-Elster in Investitionsstimmung?

Im vergangenen Jahr ist viel investiert worden und einiges steht bevor. Den Stall in Plessa habe ich schon erwähnt. In Gräfendorf wird am 28. Oktober eine neuer Stall für 400 Kühe eingeweiht. Hier ist auch eine Photovoltaik anlage entstanden. In Mühlberg steht die Inbetriebnahme der neuen Biogasanlage ins Haus. Eine weitere soll auch in der Agrargenossenschaft Oschätzchen entstehen. Das sind nur einige Beispiele für Investitionen unserer Mitgliedsbetriebe im Bereich der Tierhaltung und neuer Technik.

Mit Kurt Tranze sprach

Gabi Böttcher.

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Zum ThemaDer Kreisbauernverband Elbe-Elster ist am 12. Januar 1991 gegründet worden. Zum Verband gehören 76 Mitgliedsbetriebe einschließlich Haupterwerbslandwirten aller Betriebs- und Rechtsformen, 15 Ortsbauernverbände mit 137 Mitgliedern sowie 331 Gesellschafter aus Mitgliedsbetrieben. Weiterhin gibt es 67 Einzel- und 21 Ehegatten-Mitglieder. Vorrangig kommen die Mitglieder aus den Altkreisen Herzberg und Bad Liebenwerda, vier Unternehmen haben sich aus dem Altkreis Finsterwalde angeschlossen.