Nach der Pensionierung seines Vaters habe sich die Situation noch verschlechtert: Der 69-Jährige habe sich eine Wohnung in Berlin gemietet und sei eine Beziehung mit einer anderen Frau eingegangen, schilderte der Sohn.

Heinrich Scholl ist angeklagt, im vergangenen Jahr seine 67 Jahre alte Ehefrau und deren Hund in einem Wald erdrosselt zu haben. Er bestreitet die Tat, hatte sich aber beim Prozessauftakt in der vergangenen Woche nicht direkt zu den Vorwürfen geäußert. Der Sohn tritt im Prozess als Nebenkläger auf, um nach eigenen Angaben Akteneinsicht und damit das größtmögliche Maß an Information und Aufklärung zu bekommen.

Bei seiner Zeugenvernehmung war das Gericht besonders an dem Verhältnis der Eheleute zueinander interessiert. Der Sohn selbst lebt mit seiner Familie im nordrhein-westfälischen Solingen und hatte demnach in den vergangenen Jahren nur einen eingeschränkten Blick auf die Geschehnisse in Ludwigsfelde.

"Man hat aber gemerkt, dass sich die beiden auseinandergelebt haben", sagte er vor Gericht. Doch in den letzten Wochen vor dem Tod habe es eine kleine Besserung gegeben: Die außereheliche Beziehung des Vaters sei beendet gewesen und er sei wieder in das Haus in Ludwigsfelde gezogen. Dies sei aber mehr eine "Zweckgemeinschaft" mit getrennten Schlafzimmern gewesen, berichtete der Sohn.

Am Tag nach dem Verschwinden seiner Mutter sei er nach Ludwigsfelde gefahren und habe gemeinsam mit seinem Vater und einem befreundeten Tierarzt in dem Wald gesucht, in dem sie oft spazieren gegangen war. "Wir wollten sehen, ob irgendetwas zu finden ist, woran wir aber eigentlich nicht geglaubt haben", sagte der Tierarzt, der ebenfalls als Zeuge geladen war.

Doch die Männer fanden die Leiche der Frau und die ihres ebenfalls getöteten Hundes unter Laub verdeckt. Daneben standen ordentlich aufgestellt die Slipper der Vermissten. "Die Schuhe standen da, als sollten sie gefunden werden", fügte der Freund der Familie hinzu.

In den folgenden Tagen war Scholl laut Aussage des Sohnes sehr zurückgezogen, fast emotionslos. Er habe angefangen, seine Steuererklärung zu machen, berichtete der 48-Jährige. "Da hab ich gesagt, das geht doch jetzt nicht, wir müssen doch mal über Mutti reden", sagte er noch immer fassungslos. Nur selten habe sich der Vater auf ein Gespräch über den Tod der Mutter eingelassen.

Ein mögliches Motiv für den Mord könnte Habgier gewesen sein, weshalb das Gericht auch auf die finanzielle Situation des Paares einging.

Doch der Sohn, der nach der Inhaftierung des Vaters eine Generalvollmacht über die Konten bekam, konnte keine Schulden oder finanziellen Probleme feststellen.

In dem langwierigen Indizienprozess sollen in den nächsten Wochen noch rund 70 weitere Zeugen bis Ende Februar 2013 vor dem Landgericht gehört werden. Die Verhandlung wird am 1. November fortgesetzt.