Das Kinoehepaar in dritter Generation der Cineastenfamilie hatte für Ehrengäste, jahrelange Unterstützer des Kinos und Stammbesucher eine tolle Veranstaltung organisiert. In der ersten Reihe durften sich symbolisch Kinogründer und Urgroßvater Adolf Tonke und dessen Enkel Helmut Siegert über die Erfolgsgeschichte eines der ältesten Kinos Deutschlands freuen, das sie über alle Klippen der Jahrzehnte mit zwei Weltkriegen und der Verstaatlichung in der DDR getragen haben. ,,Torsten und Sabine Siegert haben das Kino erfolgreich durch die Wendeereignisse gebracht und es zu einem modernen Lichtspielbetrieb mit 3-D-Technik entwickelt", würdigte Jana Lange als langjähriger Fan des Kinos mit einer launigen Laudatio. Für sie und viele Kinobesucher sei das Kino ,,Weltspiegel" unwiderstehlich, weil kein anonymer Kulturtempel. Bürgermeister Jörg Gampe hob die Einzigartigkeit des Kinos mit der Visionsbar als Standortfaktor für Finsterwalde hervor. Deshalb versprach er weitere Unterstützung, wie sie das Kino auch durch andere Institutionen wie die Sparkasse und die Stadtwerke erfährt.

Für die Kinobesucher des Jubiläumsabends gab es tolle Unterhaltung. Mit viel Mühe hatte Torsten Siegert eine halbstündige Fassung des Eröffnungsfilms von 1912 aufgetrieben. Der Theodor-Körner-Stummfilm ließ, begleitet durch Musiker des Babelsberger Filmorchesters, die patriotische Stimmung für Kinobesucher vor einhundert Jahren nachempfinden. Unter Leitung von Professor Wefelmeyer hatte das Orchester in kürzester Zeit die musikalische Untermalung des historischen Filmdokumentes mit einem Mix aus Neukomposition und bekannten Stummfilmsequenzen einstudiert. ,,Ein ganz tolles Erlebnis", fand nicht nur Musemsleiter Dr. Rainer Ernst. Begeistert vom Charme des Finsterwalder Filmtheaters zeigten sich auch Klaus-Peter Beyer als Intendant des Filmorchesters und Karl-Heinz Meyer, der ein Kino im 400-Seelen Ort Querheim am Niederrhein betreibt, das als kleinster Kinoort Deutschlands berühmt geworden ist. Viele Kinogeschichten gab es im Pausen-Foyer-Gedränge bei Wein und Häppchen zu erzählen. So erinnerte sich Klaus Sommer, seit den 70er-Jahren Leiter des mit Funktionärs-Argusaugen beobachteten Filmclubs in der DDR, wie er die Maueröffnung im Finsterwalder Kino erlebte.

Begeistert aufgenommen vom Jubiläumspublikum wurde die Vorpremiere der Komödie ,,Sushi in Suhl". Davon konnte sich Michael Kind, dem es im Finsterwalder Kino ausnehmend gut gefiel, als einer der Hauptdarsteller des Films überzeugen. Ohne nostalgische Verklärung erzählt der Film liebevoll humoristisch ein Stück DDR-Geschichte. Uwe Steimle spielt als Suhler Gastwirt Rolf Anschütz anrührend komisch, wie er mit ,,Kochen für den Weltfrieden" die DDR-Handels- Planer überlistet und seinen Traum von Sushi in Suhl verwirklicht. Dem am Beispiel des sagenhaften Erfolgs der Thüringer Gaststätte ,,Waffenschmied" seit den 70er-Jahren orientierten Spielfilm von Regisseur Carsten Fieber sagt nicht nur Torsten Siegert Erfolg voraus.

Noch bis zum Sonntag ist die Ausstellung ,,100 Jahre Weltspiegel" im Finsterwalder Kreismuseum zu sehen.

Am 14. Oktober um 11 Uhr lädt Kurator Olaf Weber zur abschließenden Führung ein.