Der Film ist der erste von insgesamt fünf Produktionen, die während des 15. internationalen Filmfestes Oldenburg im Gefängnis der niedersächsischen Stadt gezeigt werden. Damit wird die Haftanstalt zum dritten Mal zur besonderen Premierenkulisse. Mit dem deutschlandweit einmaligen Projekt möchten die Veranstalter zur Resozialisierung der Straftäter beitragen.

Das Licht geht aus in der überfüllten Kapelle der JVA. Eine Kinoleinwand ist aufgebaut. Nur die harten Bänke unterscheiden sich vom typischen Plüschsessel. Im Publikum mischen sich Gefangene mit Prominenten, Gästen des Filmfestes, Mitarbeitern der Anstalt, ihren Angehörigen und Medienvertretern. 90 Minuten Spannung beginnen. Regisseur Florian Schwarz freut sich aber auch über herzhaftes Lachen der Zuschauer bei lustigen Szenen.

„Ich glaube, um eine Kommissarin spielen zu können, muss man nahe in das Böse in sich selbst herangehen“, sagt Andrea Sawatzki. Nur so sei es möglich, sich in das Gegenüber, den Täter, hineinzuversetzen. Im Film ermittelt sie als Frankfurter Oberkommissarin Charlotte Sänger diesmal auf eigene Faust. Sie hat Urlaub, doch Arbeitstier Sänger kann das Schnüffeln nicht lassen. Zufällig ist sie Zeugin eines Amoklaufs, bei dem eine junge Frau erschossen wird. Das führt sie auf die Spur einer mysteriösen Waffenfetischistin.

Als das Licht wieder angeht, applaudiert das Publikum begeistert. Die „Tatort“-Premiere ist für die Inhaftierten eine seltene Abwechslung. Hinter den hohen Mauern der JVA sitzen etwa 300 Männer ihre Strafe ab. Einer von ihnen ist der 23 Jahre alte Dawid L. „Wann war ich denn das letzte Mal im Kino?“, fragt er sich. Beim Buffet nach dem Film hat der junge Mann gleich zwei Mädchen von „draußen“ kennengelernt. 44 Karten für die Vorführung konnten von Zivilisten gekauft werden, die ein wenig Gefängnisluft schnuppern wollten.

„Das Interesse an der Veranstaltung war groߓ, sagt Ralf Klein vom JVA-Sicherheitsdienst. Die Teilnehmer aus der Haftanstalt mussten sich zuvor bei der Gefängnisleitung bewerben. Die Straftat entschied nicht darüber, wer auf der Gästeliste landete. „Vom Taschendieb bis zum Mörder ist alles dabei“, berichtet Klein. Entscheidend war dagegen das Benehmen im Vollzug.

Auch für einen 34 Jahre alten Tischler ist die Veranstaltung eine willkommene Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. Mehr als sieben Jahre Haft liegen noch vor ihm. Seine Familie wohnt im Ausland. „Ich bekomme nie Besuch“, sagt er. Zum Zeitvertreib gibt es für ihn neben der Arbeit nur noch Sport. Von den Mitgefangenen hält er sich lieber fern. „Der Film hat mir gut gefallen, aber es gab viel Gewalt“, meint er. Die Fernsehzuschauer können den Streifen am 30. November im Ersten sehen.