Herr Fuhrmann, auf den Vorschlag der Braunkohleplaner gibt es keine Reaktion. Wollen sich die Gubener nicht mit Schenkendöbernern, Vattenfall und Landesregierung an einen Tisch setzen?

Sie tun es doch schon längst im Arbeitskreis Tagebau Jänschwalde des Braunkohlenausschusses. Dort sind alle vom jetzigen und vom geplanten Tagebau betroffenen Gemeinden vertreten, Vattenfall, der Bund für Umwelt und Naturschutz, die Grüne Liga, die Gemeinsame Landesplanungsabteilung, der Landkreis. Ich bin seit Herbst 2009 für die Stadt Guben in diesem Gremium und habe unter anderem dafür gesorgt, dass hier auch die Gubener Ortsteile Kaltenborn, Deulowitz und Schlagsdorf vertreten sind. Wir brauchen keine weitere Diskussions-Plattform. Schon gleich gar keine, auf der nur Dampf abgelassen werden soll und die Debatte zerfasert wird.

Was brauchen Sie dann?

Wir brauchen konkrete, zielführende Aktivitäten als Schlussfolgerung aus der bisherigen Debatte, die 2008 mit Bekanntwerden der Tagebaupläne von Vattenfall begonnen hat. Im Zuge des Braunkohleplanverfahrens werden die im Mai im Übrigen sehr deutlich und umfassend geäußerten Einwände aus Guben und Schenkendöbern geprüft und zusätzliche Untersuchungen veranlasst. Da ist ein starker gemeinsamer kommunalpolitischer Wille dokumentiert. Da bleiben wir dran. Das heißt, dass als Nächstes eine Auseinandersetzung mit den Prüfungsergebnissen erfolgen muss.

Was meinen Sie mit zielführenden Aktivitäten?

Wenn hier weitere, neue Diskussionen angeschoben werden, dann vorrangig natürlich mit der Zielrichtung, sich auch Gedanken über etwas völlig Neues zu machen.

Worüber genau?

Darüber wie die Lausitz nach der Braunkohle, insbesondere auch ohne weitere neue Tagebaue aussehen soll. Wann immer das konkret auch sein mag.

Derzeit ist Vieles noch nicht zu Ende gedacht, es findet keine wirkliche Debatte über die notwendige Umstrukturierung statt und insbesondere nicht darüber, wie die Lausitz künftig aufgestellt sein soll, wie etwa in Guben langfristig Arbeitsplätze erhalten und neue geschaffen werden sollen.

Was wäre da zu Ende zu denken?

Zum Beispiel die Frage, ob der neue Tagebau wirklich existenziell ist für unsere Region. Ich persönlich sehe ihn als Fiasko, nicht als Chance.

Sicherlich sind einige Gubener bei Vattenfall beschäftigt, aber ich sehe so etwas nicht kurzfristig.

Was heißt das?

Wenn der beantragte Tagebau nicht kommt und in Jänschwalde kein Braunkohlekraftwerk mehr Strom produziert, heißt das ja nicht, dass von heute auf morgen Schluss ist. Da sind Anlagen zurückzubauen und Tagebauflächen zu rekultivieren. Das würde für eine Übergangszeit Beschäftigung sichern. Wichtig ist aber, die Weichen zu stellen für die Zeit danach. Die Diskussion über die Fortführung des Tagebaus Richtung Norden übertönt den Gedanken daran und die ernsthafte Auseinandersetzung damit.

Also doch ein weiteres Forum schaffen?

Nein, es sind reichlich Plattformen da und die Diskussion muss nicht immer wieder komplett neu aufgemacht werden. Kleinere Runden beispielsweise im Rahmen von Ausschuss- und Stadtverordneten- oder Gemeindevertretersitzungen sind effektiver. Auch dort kann sich jeder Bürger einbringen.

Wichtig ist, die Botschaften aus diesen Runden zu bündeln und an die richtige Stelle zu bringen – auf den Tisch des Braunkohlenausschusses und der Landesregierung. Da gibt es noch Reserven.

Woran hapert es da noch?

Ein stärkerer Schulterschluss zwischen den kleinen Runden, also auch zwischen Guben und Schenkendöbern, wäre zielführend.

Das sollte kein Problem mehr sein, nachdem sich Guben so wie zuvor auch Schenkendöbern klar gegen den Aufschluss des Tagebaus Jänschwalde-Nord ausgesprochen hat.

Mit Klaus-Dieter Fuhrmann

sprach Beate Möschl