Alexander Meinel, Sie ehren in der Kirche Langennaundorf Franz Liszt mit einem Klavierabend. Was fasziniert Sie an Liszt und seiner Musik?

Viele der Klavierwerke Liszts sind nicht nur pianistisch virtuos, sondern auch außerordentlich farbenreich komponiert. Darüber hinaus kann man sich kaum einen vielseitigeren Musiker und generöseren Kollegen als Franz Liszt vorstellen

Wann haben Sie die Musik von Franz Liszt für sich entdeckt?

Schon recht früh eigentlich, dank der zwölf Jugend-Etüden, die Liszt ebenfalls sehr jung komponierte.

Wenn Sie sich mit dem musikalischen Werk Liszts beschäftigen, nähern Sie sich sicher auch seiner Persönlichkeit. Was war Franz Liszt für ein Mensch?

Laut biografischen Darstellungen verhielt er sich überaus geschliffen und nobel, großzügig im Anerkennen von Leistungen anderer und den schönen Dingen des Lebens durchaus zugeneigt.

Nach eigenen Angaben hatte Liszt sich im Alter von sieben Jahren das Notenschreiben allein angelernt. Sie erhielten auch sehr früh, mit fünf Jahren, den ersten Klavierunterricht. Sie haben also eher Noten lesen gelernt als das Alphabet?

Das liegt ja mittlerweile doch einige Zeit zurück. Aber das Alphabet musste in der Tat ein Jahr länger warten.

Das Gesamtwerk von Franz Liszt ist in seinem Umfang und seiner Vielfältigkeit immens und unvergleichlich. Neben beispielsweise 25 Orchesterwerken hat er auch 123 Klavierwerke komponiert, von denen heute nur noch wenige gespielt werden. Können Sie das erklären?

Mit der Zeit trennt sich die Spreu vom Weizen. Über vieles, was Liszt in seinen Virtuosenjahren beinahe zwischen Tür und Angel komponierte, ist die Zeit tatsächlich hinweg gegangen. Einige seiner bewundernswerten Werke wurden in den vergangenen Jahrzehnten jedoch auch wiederentdeckt.

Gibt es einen charakteristischen Liszt-Ton?

Der oft orchestrale Klaviersatz ist durchaus typisch für ihn.

Welche Klavierwerke von Liszt werden Sie in der Kirche Langennaundorf spielen?

Die h-Moll Sonate als Hauptwerk ist im Liszt-Jahr natürlich unvermeidlich. Daneben einige kleinere Sachen, die mir besonders nahe liegen, darunter auch zwei Wagner-Bearbeitungen und die Mephisto-Walzer.

Anlässlich des Mozart-Jahres 2006 hatten Sie alle 18 Klaviersonaten von Wolfgang Amadeus Mozart dargeboten. Haben Sie je daran gedacht, alle 15 Ungarischen Rhapsodien von Franz Liszt einzuspielen?

Das überlasse ich gern den jüngeren. Obwohl ich einige der Rhapsodien von Liszt aufrichtig schätze.

Liszt hat die bis zu seiner Zeit übliche Form des Klavierspiels und so auch die Klavierkomposition neu geprägt. Auch Sie haben neben Ihrer Ausbildung zum Konzertpianisten zeitweise Kompositionsseminare besucht. Was unterscheidet zeitgenössische Kompositionen von denen Franz Liszts?

Heutige Komponisten müssen sich mit viel komplexeren technischen Gegebenheiten auseinandersetzten. Und das Klavier ist für viele in der Klangvorstellung nur noch eine Randerscheinung - und doch ist der Flügel nach wie vor aus dem Komponierzimmer kaum wegzudenken.

Welche Pianisten bewundern Sie neben Franz Liszt außerdem noch und warum?

Ich bewundere am meisten solche Pianisten, die es verstehen, mit oder trotz ihrer Kunst auch noch glückliche Menschen zu werden.

Sie haben unter anderem zwei Jahre in New York studiert, hatten Auftritte in Russland und Südkorea. Glauben Sie, dass ein anderes Land, eine andere Mentalität Ihre Interpretationen oder Ihr Repertoire beeinflusst?

Jede Region hat ihre Menschen, ihre Geschichte und ihre Besonderheiten. Oft entsteht durch den Kontakt mit einem Land auch das Interesse für dessen Traditionen und Komponisten.

Und welche Erwartungen stellt ein Publikum beispielsweise das russische oder das südkoreanische an Sie als Pianisten?

Man sollte, glaube ich, vor beiden genannten Auditorien gut geübt haben.

Die Hände sind das Werkzeug eines Pianisten. Haben Sie Ihre Hände eigentlich gut versichern lassen?

Das ist jetzt eine gute Erinnerung daran, einiges Kleingedruckte in den Unterlagen vielleicht doch noch einmal genauer durchzulesen.

Mit Alexander Meinel

sprach Thomas Seifert

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Zum ThemaAlexander Meinel, geboren in Halle an der Saale, debütierte als Pianist mit 17 Jahren am Neuen Gewandhaus zu Leipzig. Während seines Studiums an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig und an der Juilliard School New York erhielt er Preise bei internationalen Wettbewerben in Weimar und Bayreuth. Er gastierte unter anderem in der Semperoper Dresden, dem Lincoln Center New York, dem Konzerthaus Berlin, der Sun Yat Sen Memorial Hall in Guangzhou oder der Cité de la musique Paris.