Seit Anfang Februar hat sich das Wohnzimmer von Gabriele Gravina in Bad Muskau in einer Schneiderwerkstatt verwandelt. Neben ihr, der Hobbyschneiderin mit vererbten Schneidergenen, sind Carola Geppert und Brigitte Haraszin am Werkeln, dreimal die Woche mindestens drei Stunden jedesmal. Diese ehrenamtliche Schneiderarbeit wird sich in einem besonderen Projekt widerspiegeln, der "Sagenhaften Nacht", zu der die Parkführer der Pückler-Stiftung herzlich einladen. Diese besondere Nacht feiert am 30. April im Pückler-Park ihre Premiere. Genäht, gestrickt und gehäkelt wird für ein Modell der sorbischen Tracht des Muskauer Kirchspiels. So mancher in der Parkstadt wird gar nicht mehr wissen, dass es im Kirchspiel Muskau eine eigene Tracht gab. "Bis ins 19. Jahrhundert wurde in der Kirche auch wendisch gepredigt", erinnert Brigitte Haraszin. Nicht von ungefähr gab es ja in Bad Muskau eine Wendische Kirche. Diese geschichtlichen Wurzeln sollen bei der "Sagenhaften Nacht" eine tragende Rolle spielen. Geplant ist ein anderthalb- bis zweistündiger Parkrundgang mit Überraschungen. Unterhaltsame Heimatkunde könnte man den Abend auch überschreiben. "Wobei ich keineswegs dort Geschichtszahlen runterrassle. Das ist sowieso nicht mein Ding", meint Brigitte Haraszin. Seit vielen Jahren ist sie als Parkführerin aktiv und noch länger interessiert sie sich für Heimatgeschichte. So ist sie auch Mitglied im Freundeskreis Historica. Dieser hat über den Bestand des Museums Zugang zum Buch von Georg Liebusch "Sagen und Bilder aus dem Muskauer Park". Für das Programm wurde auch das "Sagenbuch der Lausitz" von 1862, das Karl Haupt verfasste, herangezogen. Beides sind einzigartige Quellen eines Lausitzer Sagenschatzes, ist für Brigitte Haraszin klar. Und dieser Schatz wird nun gehoben. "Sagen, Mythen, Aberglaube - das alles wird bei unserem Parkspaziergang zu finden sein und manch einer wird eine Rolle spielen", will Brigitte Haraszin auch für ihre mitorganisierenden Parkführer noch nicht zu viel verraten. Die Aufgaben sind verteilt, einmal wurde bereits geprobt. Eine weitere Probe wird noch folgen. "Thematische Parkrundgänge kommen ja gut an, wie ich selbst schon feststellen konnte. Deshalb hoffen wir alle, dass das auch bei diesem neuen Vorhaben so ist", so Brigitte Haraszin. Keinesweg will sie die Rundgänge als Konkurrenz zum "Tollen Pückler" verstanden wissen. Denn noch ist ja nicht klar, ob es in diesem Jahr Aufführungen im Park geben wird. Die Zeit, die in Kostüme, Text, in die Vorbereitungen gesteckt wurde, soll sich möglichst bei ausverkauften Rundgängen auszahlen. "Mir macht es Spaß, dass ich an dieser Tracht arbeiten kann", sagt Gabriele Gravina und lässt Nadel und Faden nicht ruhen. Neben Fotos aus dem Jahr 1951 musste noch eine Briefmarke aus dem Jahr 1977 als Anschauungsobjekt herhalten. Und so manches Wissenswerte konnte Carola Geppert beisteuern, die sich intensiv mit der Muskauer Tracht beschäftigt hat. Sie hat nicht nur die Haube hergestellt, sondern auch Strümpfe für die Trachtenträgerin gestrickt. "Wir halten uns ans Original", sind alle drei Frauen gleichermaßen stolz.