Mit der „Blüte in der Tüte“ oder „Rosen in Dosen“ will die Floristik-Branche trendbewusste Städter zu Blumenkäufern machen. „Die Zielgruppe für dieses urbane Thema ist der Hipster, der Wert auf Natürlichkeit und Nachhaltigkeit legt“, sagte der Kreativ-Direktor des Fachverbandes Deutscher Floristen, Manfred Hoffmann, am Montag in Essen zur Eröffnung der Internationalen Pflanzenmesse (IPM). Und neue Ideen vor allem für jüngere Kunden sind wichtig für die Branche.

Wer Geld für die „Blüte in der Tüte“ ausgibt, bekommt beispielsweise eine einzelne Rose in braunes Packpapier gewickelt und mit kleinen Kärtchen versehen, die einen Schnurrbart oder eine Nerd-Brille zeigen. Schon zum anstehenden Valentinstag (14. Februar) erwarte sich die Branche erste Erfolge, ein Test in einem Start-up-Unternehmen sei vielversprechend gelaufen, sagte Florist Hoffmann. Bunt und fröhlich mit viel Gelb- und Rosé-Tönen steht der Strauß zum diesjährigen Sommerthema „Happy Life“ im Blumenladen. Typische Blüten sind Sonnenblumen, Mini-Gerbera, Hortensien und Kamille.

Mit einem Umsatz von 8,6 Milliarden Euro sei 2014 die Wachstumsgrenze des deutschen Marktes erreicht, sagte der Präsident des Zentralverbandes Gartenbau, Jürgen Mertz. Dieser Wert werde jedoch nur in einem Jahr mit normaler Witterung erreicht. Mit den milden Temperaturen im vergangenen Jahr war der Blumen- und Pflanzenmarkt nach einer Schlechtwetter-Periode 2013 wirtschaftlich wieder aufgeblüht.

Die Gartenbaubranche trifft sich von 27. bis 30. Januar auf der IPM, zu der die Veranstalter mehr als 1600 Aussteller aus 49 Ländern erwarten. Zu den Neuheiten zählen auch ein Zwergkirschbaum für den Balkon oder die Mini-Pinie mit Pinienkernen zum Selber-Ernten.

„Grundsätzlich gehen wir das Jahr 2015 ganz optimistisch an“, sagte Nicola Fink vom Floristenverband. Spürbar sei nach wie vor die Konkurrenz von Supermärkten und Discountern, die regelmäßig Schnittblumen ins Sortiment nehmen. Aber die Floristen seien gut aufgestellt.

Allerdings werde das Budget vielfach schmaler - sowohl bei den Privatkunden, als auch bei Firmen. So habe beispielsweise ein Autohersteller früher einen Blumenstrauß in den Firmenfarben und mit eingearbeiteten Logo überreicht, wenn der Kunde den Neuwagen abholte, so Fink. Diese Werbeausgaben seien inzwischen vielfach gestrichen.

Der Geschäftsführer des Industrieverbandes Garten (IVG), Johannes Welsch, beklagte, dass die Wertschätzung von lebendigem Grün schwinde. Zwar gebe es insgesamt den Trend, sich draußen aufzuhalten, zu entschleunigen, zu grillen. „Aber das hat nicht immer was mit Pflanzen zu tun“, sagte Welsch. „Pflanzen-Liebhaberei als Hobby, das ist weniger geworden.“ Viele hätten keine Lust, sich in ihrer Freizeit mit Umtopfen, Schneiden und Ernten zu beschäftigen. Die Pflanze verkomme teils „als Mitnahme- und Wegwerfartikel“.

Für den „grünen“ Markt in Deutschland sei dies allerdings nicht unbedingt von Nachteil - denn auch das grüne Wohnzimmer mit seinem Einheitsgrün muss ja geschnitten und gemäht werden.