Beim Spuk im und rund ums Lübbener Schloss wird die Reiterin ihren Kopf unterm Arm tragen und dennoch eine stattliche Größe von 1,75 Metern erreichen. Kaum zu glauben, dass sie von der nur 1,62 Meter großen Reitlehrerin Ann Mitsching (23) dargestellt wird.

Für die Verwandlung sorgt Heike Metschies. Die Angestellte im Handel, die nach Feierabend leidenschaftlich gern schneidert, hat sich dafür einiges einfallen lassen müssen. Mehrere zusammengeklebte Kleiderbügel markieren die Schultern, zusammengerollte Noppenfolie polstert die Unterarme aus, Tüll im Brustbereich ermöglicht der Trägerin die Orientierung.

Kreativität ist gefragt, wenn es darum geht, grausige Illusionen zu erzeugen. Und dabei musste – zumindest im Fall der spukenden Reiterin – alles ziemlich schnell gehen. „Am Dienstag habe ich den Stoff gekauft, am Mittwoch angefangen zu nähen, am Donnerstag war Anprobe“, erzählt Schneiderin Metschies.

Und am Freitagabend muss alles fertig sein. Denn spätestens am Samstagmorgen braucht Ann Mitsching ihr Kostüm. Sie will Titus in vertrauter Umgebung daran gewöhnen. Titus ist ein Appaloosa, ein Indianerpony, wie die Reiterin erklärt. Der 15 Jahre alte Hengst ist ein Schulpferd auf der Four Seasons Ranch in Lübben-Steinkirchen, die die 23-Jährige gemeinsam mit einem Geschäftspartner betreibt. „Ich habe ihn ausgesucht, weil er der Hellste, der Kleinste und der Liebste ist“, sagt die Reiterin, die in Wien, der Stadt der Spanischen Hofreitschule, Pferdewissenschaften studiert hat, über ihr Pferd.

Ihre einzige Sorge ist, „dass Titus nicht so viel Stress hat“. Aber alles sieht gut aus. „Beim Umzug zum Martinsfest war er auch ganz brav“, sagt die Pferdeliebhaberin. Außerdem werde sie unter ihrem weißen Mantel ein paar Äpfel verstecken, die im Ernstfall als Bestechung dienen können.

Pferde haben Ann nicht mehr losgelassen, „seit Papa mich noch vor der Schulzeit zum Reiten geschleppt hat“. Auch heute noch, wo die Pferde ihr Beruf sind, bedeutet Reiten für Ann Mitsching Spaß und Entspannung. Sie sagt: „Wenn ich auf einem Pferd sitze und in den Wald reite, ist der ganze Stress plötzlich weg.“

Die Schlossparty ist auch für die Lübbener Reitlehrerin ein großes Abenteuer. Sie habe Halloween nicht mehr gefeiert, seit sie als Kind mit Gleichaltrigen Geschenke eingeheimst hat. Das werde sich jetzt ändern. Denn: „Die Idee ist wirklich cool.“