Was macht die Antarktis zu einen besonders empfindlichen Lebensraum?

Die Tier- und Pflanzenwelt der Antarktis lebt seit etwa 30 Millionen Jahren ungestört und isoliert von Einflüssen, die von außerhalb kommen. Dadurch hat sie sich angepasst, vor allem an die gleichbleibend sehr niedrigen Temperaturen. Wenn sich jetzt die Temperaturen erhöhen oder andere Umweltparameter sich verändern, dann leiden Tiere und Pflanzen besonders darunter, weil sie nicht mehr gewöhnt sind, auf solche Störungen zu reagieren .

Wodurch wird das Ökosystem der Antarktis besonders gefährdet?

Es gibt zunächst zwei Bedrohungen, die zusammenspielen. Das sind natürliche Veränderungen und es ist der globale Klimawandel. Die Ökosysteme werden von zwei Seiten in die Zange genommen. Zum einen verkleinert sich die kalte antarktische Wassermasse. Sie wird durch wärmeres Wasser verdrängt, das aus dem Norden kommt. Das bewirkt eine Verschiebung von Lebensgemeinschaften nach Süden. Der Lebensraum für Krill wird immer kleiner und damit schwindet die Lebensgrundlage für Wale. Der zweite Faktor, der die Antarktis in die Mangel nimmt, kommt aus der Luft. Wärmere Luft dringt in die Antarktis ein und lässt das Eis schmelzen. Wenn das Eis weniger wird, ändern sich die Bedingungen für weitere ökologische Schlüsselarten wie Pinguine und für ökologische Schlüsselprozesse wie das Algenwachstum. Es könnte sich hierbei um ein natürliches Phänomen handeln, dass zunehmend wärmere Luft aus subpolaren Breiten durch ein besonders ausgeprägtes Tiefdruckgebiet, das sich seit vielen Jahren in der Westantarktis entwickelt hat, in die Antarktis hineingeleitet wird. Das muss nicht direkt etwas mit dem globalen Klimawandel zu tun haben.

Gibt es weitere Gefahren?

Die dritte Seite, von der die Ökosysteme in die Zange genommen werden, ist von unten. Stellenweise erwärmt sich in der Westantarktis auch Tiefenwasser. Das ermöglicht fremden Arten, in die Antarktis einzuwandern. Das könnte das gesamte Ökosystem nachhaltig verändern.

Welche Schlussfolgerungen gibt es aus Sicht der Wissenschaft?

Man muss alles tun, um unser Klima nicht noch stärker zu belasten, als wir es ohnehin schon tun. Andere Faktoren wie Fischerei und Verschmutzung müssen auch beachtet werden. Bevor wir aber ganz große Alarmglocken läuten, müssen wir vieles noch viel besser verstehen. Im Moment scheint es so zu sein, dass die Antarktis durch das Ozonloch zumindest teilweise vom globalen Klimawandel verschont bleibt. Das Ozonloch sorgt dafür, dass die Winde rund um die Antarktis verstärkt werden. Das wirkt wie ein Windvorhang, der dafür sorgt, dass die kalte Luft drinbleibt und die warme draußen. Eine Ausnahme gibt es in der Westantarktis. Wenn sich das Ozonloch schließt - man hofft, es könnte in 50 Jahren soweit sein - dann greift der Klimawandel komplett auf die Antarktis zu.

Mit Julian Gutt

sprach Sönke Mohl, dpa