Hausherr Rainer Ernst freute sich besonders über „ein sehr durchmischtes Publikum“ mit vielen jungen Menschen. „Herbstzeit ist seit vielen Jahren Kunstzeit bei uns im Museum“, so Rainer Ernst. Schon lange wäre es an der Zeit gewesen, Puppe und Arsand die Aufmerksamkeit zu schenken, die ihnen gebühren würde. „Beide sind in der Kunstszene mitbestimmend und haben in der Stadt wesentliche Impulse gegeben.“ Mit den Impulsen meinte der Museumschef die kleine Galerie Grenouille in der Langen Straße, die Morph-Reihe und das Wirken der Künstler um und in der alten Tuchfabrik.

Laudator an diesem inspirierenden Abend war Jürgen Weser, den RUNDSCHAU-Lesern bestens bekannt als Kenner der regionalen Kulturszene. „Mit einer gesunden Besessenheit malen beide schon seit Langem auch gegen künstlerisch-akademische Institutionen an“, so Weser. Längst habe ihr Schaffen in der Stadt, im Landkreis und in den Medien eine positive Resonanz erfahren. „Beide stehen in einer Reihe mit renommierten Künstlern der Region. Beide haben eine Menge geschaffen und dabei ihr Handwerk und Rüstzeug entwickelt.“ Mit „kritischen Pinselstrichen“ würden Puppe und Arsand gegen eine angepasste Gesellschaft anmalen, „sie hinterfragen, gesellschaftliche Verwerfungen aufzeigen, die bis hinein ins Private reichen.“ Ihren Stil charakterisierte Weser als „expressiv-formal“, Metaphern seien erkennbar und im Brechtschen Sinne den mitdenkenden Kunstbetrachter herausfordern. Zu sehen sind nicht nur großformatige Bilder in einer kafkaesken Bildersprache, die Ausstellung zeigt die gesamte Bandbreite des Wirkens der jungen Künstler. Zu sehen sind auch Grafiken und Skulpturen, Landschafts- und Stadtmalerei bis hin zu erotischen Werken. Das Schöne daran: Bei genauer Betrachtung werden Orte und Menschen erkennbar und zeigen die tiefe Verwurzelung der Künstler in der Stadt, der Region.

Bevor die Ausstellung mit einer Video-Klang-Performance durch Puppe und Arsand eröffnet wurde, ergriff der Chef der Rotarier, Hauke Andresen, das Wort. „Es ist richtig und wichtig, dass wir angehende Ärzte und Ingenieure mit Stipendien fördern, damit sie in der Region bleiben. Es ist aber genauso wichtig, die Künste zu fördern, denn eine lebendige Kulturszene ist unverzichtbar für das Leben in einer Stadt. Wir wollen fördern, darüber müssen wir reden“, so Andresen. Er lud den Vorstandschef der Sparkasse Elbe-Elster, Jürgen Riecke, Norbert Pietsch von der Kjellbergstiftung, Bürgermeister Jörg Gampe, Eckehard Gurck von den Lions und die beiden Protagonisten zu einem internen Gespräch ein. Mit zufriedenen Gesichtern mischten sich Letztere kurz darauf wieder unters Publikum. „Das Gespräch verlief sehr positiv“, so Andresen gegenüber der RUNDSCHAU vielversprechend. Konkretes soll folgen.

Die Schau „Alles kann – nichts muss“ist bis 6. November im Kreismuseum zu sehen.