Herr Faatz, Ihre Mannschaft liegt als Aufsteiger nach zehn Spieltagen auf Platz zwei der Tabelle. Haben Sie mit dieser furiosen Erfolgsserie gerechnet?

Nein, und schon gar nicht nach dem holprigen Start mit dem Ausscheiden im HVB-Pokal sowie der Niederlage im ersten Heimspiel.

Der Klassenerhalt war das Ziel und ist praktisch sicher. Gibt es schon eine neue Zielstellung?

Beim jetzigen Tabellenstand klingt es vielleicht nach Tiefstapelei, wenn wir als Saisonziel weiterhin den Klassenerhalt definieren. Aber in dieser Frage sollte doch mehr Realitätssinn angemahnt sein. Es ist doch nichts dagegen einzuwenden, wenn wir am Saisonende unser Ziel auf einem vorderen Tabellenplatz erreicht haben.

Was sind die Ursachen für den unerwarteten Erfolgsmarsch?

Die sind ziemlich vielschichtig und in ihrer Komplexität ausschlaggebend. Ein Beispiel: Ich bin mit dem aktuellen konditionellen Stand des Teams nicht zufrieden, dennoch haben wir die letzten Spiele in den Schlussminuten gewonnen. Mit viel Kampfgeist und Selbstmotivation wurden die körperlichen Defizite überspielt und jeder in der gesamten Mannschaft wurde dadurch mitgerissen. In anderen Partien haben wir mit unserem Konterspiel überzeugt oder manchmal auch nur durch unsere Routiniers gewonnen. In dieser Mischung sind die Ursachen eher zu finden als in einer abstrakten Betrachtung der Stärken des Teams.

Eins fällt immer wieder auf: Keine andere Mannschaft in Brandenburg trifft durchschnittlich öfter als Calau. 40 Tore pro Spiel sind keine Seltenheit. Wie kommt es dazu? Spielt Calau eine andere Art von Handball.

Wir gelten ja allgemein aufgrund unserer vielen Gegentore als Schießbude, egal in welcher Liga wir spielen. Das ist aber mitnichten so, denn entscheidend ist die Tordifferenz. Mit 51 Plustoren rangieren wir aktuell hinter Wünsdorf (70) und vor dem Dritten Trebbin (26) – adäquat zum Tabellenstand. In der Tat habe ich eine andere Spielauffassung als viele meiner Kollegen und so steht für mich der Angriff vor der Abwehr. Unser schnelles Spiel ermöglicht aber natürlich auch dem Gegner mehr Angriffe als üblich. Und für die Zuschauer ist ein schnelles, torreiches Spiel doch schöner anzuschauen als manche ‚Abwehrwürgerei' mit 'zig Unterbrechungen.

Bisher war nur Spitzenreiter Wünsdorf und der Tabellendritte Trebbin einen Tick besser als der HV. Wo führt die Reise im neuen Jahr noch hin?

Das wird sicherlich spannend und ich freue mich wieder auf unsere starke Heimkulisse, die ebenso ausschlaggebend für unsere Erfolge war. Hellseherische Fähigkeiten besitze ich aber nicht und so wünsche ich mir, dass sich die Mannschaft weiterentwickelt, dass alle gesund bleiben und wir wiederum für die eine oder andere Überraschung gut genug sind.

Wenn es in dieser Saison noch nicht mit dem Aufstieg klappt, wäre die Brandenburgliga ein Ziel für das kommende Spieljahr? Dann gäbe es auch ein Derby mit dem HC Spreewald.

Was wäre ich für ein schlechter Sportler, wenn ich nicht nach Höherem streben würde? Doch am Beispiel des MTV Wünsdorf lässt sich absehen, welchen Weg ich gehen muss, um meine Ziele zu erreichen. Natürlich träumen meine Spieler von der Brandenburgliga, doch dafür brauche ich die sportlichen, personellen, finanziellen und ganz wichtig die zeitlichen Voraussetzungen. So wie wir momentan aufgestellt sind, ist ein solches Ziel, nüchtern betrachtet, einfach nicht realisierbar. Und ein Derby gegen den HC Spreewald haben wir gerade erst gewonnen.

Mit Kay Faatz

sprach Lars Hartfelder