Doch er selbst sagt: "Ich bin eher ein Schriftsteller als ein Schauspieler. Höchstens ein Schlauspieler", lacht er. Dass ihm die Literatur Freude bereitet, ist offensichtlich. Manche Aphorismen deutsch-jüdischer Autoren liest er mehrmals hintereinander, dann spricht er langsam und nachdenklich. Er formt die Wörter geduldig in seinem Mund.

Anlass seiner Lesung am vergangenen Samstag war die Finissage der Ausstellung "Die Judenschule - eine fotografische Erzählung" von Thomas Sandberg in der Galerie "Haus 23" in der Cottbuser Marienstraße. Bruhn erklärt: "Die jüdische Kultur gehört zu Deutschland einfach dazu." Als er sich die Ausstellung angesehen hatte, war ihm sofort aufgefallen, dass sein Bühnenprogramm dazu passt.

Angefangen hat Bruhns Beschäftigung mit der deutsch-jüdischen Geschichte mit einer Ungarnreise nach seinem Abitur. Als ihm das Lesematerial ausging, entdeckte er in einer Kiosk-Auslage zwei verblichene Bücher von P. Howard. Das ist das Pseudonym des ungarischen Autors Jenö Reich, der während des Zweiten Weltkrieges in ein Arbeitslager deportiert wurde und dort 1943 starb. Als Bruhn dessen Roman "Das vierzehnkarätige Auto", eine Persiflage auf die Abenteuergeschichten der 1930er-Jahre, las, musste er oftmals laut auflachen. Seine Begeisterung für Jenö war entfacht, und so setzte sich Thomas Bruhn mit weiteren Werken jüdischer Autoren auseinander. Dabei sammelte er Witze und Anekdoten von Schriftstellern wie Egon Erwin Kisch, Alfred Polgar und Egon Friedell, die er seit 2002 in seinem Programm "Damit ich nicht vergess, Ihnen zu erzähl'n" präsentiert. "Was mir daran besonders gefällt, ist der schöne Humor", sagt der Cottbuser. "Im Unterton klingt Tragik mit, doch darüber liegt die Komik. Das ist es, was die Geschichten so ergreifend macht."

Sein Publikum hat er damit begeistert. Jede seiner pointierten Anekdoten mündete in Lachanfälle der rund 30 Zuhörer. Dabei lud die familiäre Atmosphäre in der Galerie auch interessierte Zuschauer zur weiteren Beschäftigung mit den Werken jüdischer Autoren ein. Zum Abschluss riet Bruhn seinem applaudierendem Publikum: "Und wenn Sie je ein Buch von P. Howard in die Hand bekommen sollten - leihen Sie es sich aus, und bringen Sie es nie zurück!"