Pauline ist auf dem Weg zur Schule. Auf einmal hält ein Autofahrer neben ihr an. „Hey, Kleine, kannst du mir mal sagen, wo die nächste Tankstelle ist?“ Schüchtern bleibt die 7-Jährige stehen. Sie weiß nicht, wie sie sich jetzt verhalten soll. Mit gehörigem Abstand redet sie mit dem Fremden, der auf einmal aus dem Auto springt und sie packt.

Großer Aufruhr herrscht nach der Szene im Klassenzimmer der Flexklasse B (Flexible Eingangsphase, 1. und 2. Klasse) in der 2. Grundschule in Lübben. Überrascht waren die Kinder, dass Pauline plötzlich geschnappt wurde. Das Auto war allerdings nur ein Stuhl, das Lenkrad ein buntes Kissen. Hinter dem Fahrer mit vermeintlich bösen Absichten verbirgt sich Kriminalkommissar Andreas Pauli. Im Rahmen einer Präventionsveranstaltung zum Thema „Nicht mitgehen mit Fremden“ waren die Polizisten der Präventionsstelle Dahme-Spreewald in drei Klassen der Schule zu Gast.

Über 26 Erst- und Zweitklässler aus der Flex B, ihre Klassenlehrerin, einige Viertklässler und mehrere Eltern haben die Szene mit Pauline ganz genau verfolgt. Nun fragt Kommissar Pauli in die Runde, was im richtigen Leben besser laufen müsste. Blitzschnell schießen mehrere Arme in die Höhe.

„Jedes Jahr finden bei uns Präventionsveranstaltungen statt, zu denen wir die Polizei einladen. Wegen der aktuellen Vorkommnisse haben wir die Veranstaltung zum Thema Verhalten gegenüber Fremden vorgezogen“, erklärt Anke Pommerening, Schulleiterin der 2. Grundschule. In einer solchen Veranstaltung sollen Kinder und Eltern für den Umgang mit Fremden sensibilisiert und aufmerksam gemacht werden. „Wir erklären den Kindern: Nicht alles auf der Welt ist gut. Wir schulen hier die soziale Kompetenz, die Kinder erst erlernen müssen“, sagt Anke Pommerening.

Nach drei bis vier Wiederholungen wissen die Kinder, was sie tun können, wenn sie zum Beispiel auf offener Straße gepackt werden würden. „So laut ihr könnt um Hilfe schreien“, rät Polizeikommissar Andreas Pauli. „Und rufen: Lassen Sie mich los, Sie sind nicht mein Vater!“ Dann ist die Chance, dass Passanten hellhörig werden, größer. Überhaupt könnten Eltern und Kinder sich durch verschiedene Maßnahmen schützen. „Ihr solltet nicht allein zur Schule gehen, sondern wenigstens in einer Gruppe. Und auch wenn ihr alleine zu Hause seid, solltet ihr nicht die Tür öffnen“, sagt Pauli.

Nach der Schulstunde mit den Kindern informieren Pauli und sein Kollege Jens Quitschke die Eltern. „Wir wollen beruhigen. Wir nehmen jede Meldung, die bei uns eingeht, sehr ernst. Es gibt in Lübben aber keinen bestätigten Entführungsversuch, wie es in Gerüchten heißt“, erklärt Quitschke.

Zum Thema:

Zum ThemaIn Lübben und Lübbenau sollen im November zwei Jungen von Unbekannten auf „verdächtige Weise“ angesprochen wurden sein. „Es gibt bis jetzt keine neuen Erkenntnisse über die beiden Fälle“, erklärt die Pressestelle des Landespolizeipräsidiums in Potsdam. Die Polizei ermittelt noch. Die Präventionsstelle der Inspektion Dahme-Spreewald bietet nicht nur die Präventionsveranstaltungen „Nicht mitgehen mit Fremden“ an. Auch zum Thema Gewalt, Drogen, Verkehr oder Betrug kommen Polizisten in Schulen, Vereine oder andere Einrichtungen. Zu erreichen ist die Präventionsstelle in Königs Wusterhausen unter: 03375/270420.