Bigi Möhrle wollte auf dieser Reise erfahren, was wo und wie wächst. Zu den ersten Eindrücken sagt sie: "Was wir sehen, sind grüne, fruchtbare Landschaften so weit das Auge reicht, grüne, saftige Wälder, jedes Fleckchen Erde kultiviert. Überall wächst und gedeiht es."

Das aber sollen nicht die einzigen Eindrücke bleiben. "Der- oder diejenige mit etwas Agrarkenntnissen kann die Vermaisung der Landschaft sehen - durchgehend von Berlin bis an den Bodensee. Wer hinschaut, sieht die vielen totgespritzten Äcker, diese braungelben Felder - es wird bis fast an den Asphalt rand geackert. Ackerrandstreifen mit blühenden Margeriten und anderen Wildkräutern sind Vergangenheit", beschreibt sie. Und weiter: Im Landschaftsbild würden die Tiere fehlen. "Wir sehen draußen keine Schweine, keine Hühner und treffen auf den ganzen 1000 Kilometern nur eine einzige Milchkuhherde auf der Weide." Aber Tiere seien da: Massenhaft, wie sie sagt, hinter grauen, fabrikartigen Betonmauern unter hohen Abluftschächten.

So sollen auch die Bilder der fotografierenden Landwirtin zeigen, dass nicht immer drin ist in den farbigen Verpackungen, was die Werbung den Verbrauchern vorgaukelt.

Hans-Joachim Emmrich aus Buchwäldchen hat sich die Ausstellung angesehen. "Es tut gut, dass ein junger Mensch den Finger auf die offene Wunde legt und zum Nachdenken anregt. Frau Möhrle hat gesehen, dass diese Energiepflanzen quer durch Deutschland zu sehen sind - diese Tatsache ist für einen Landwirt wie mich unerfreulich", sagt er. Dass die Fotografin kaum Tiere auf Weiden gesehen hat, sollte seiner Meinung nach ein Anstoß zum Nachdenken darüber sein, dass es besser sei, sein Geld für gesundes Fleisch vor Ort auszugeben, als es später für Medikamente in die Apotheke zu tragen. Er selbst wisse, wie industriemäßig produziert werde, wenn "Tiere unter künstlichem Licht aufgezogen und über Rohrleitungen mit Futter versorgt werden. In solchen Größenordnungen ist das nur über Medikamente möglich", erklärt er.

Bigi Möhrles Bilder zeigen die Formen der Landwirtschaft, die sie am Wegesrand angetroffen hat. Sichtbar werden aber auch die fehlenden Aspekte einer nachhaltigen, naturgemäßen - einer bäuerlichen Landwirtschaft, für die sie eintritt. Sie hat ökologische Landwirtschaft studiert und bis vor drei Jahren auf verschiedenen Höfen im Land gearbeitet.

Als einen Glücksfall bezeichnet Hans-Joachim Emmrich, dass es in der hiesigen Region durchaus auch solche Höfe gibt und nennt den von Heiner Lütke-Schwienhorst in Ogrosen. Sein Gut beherbergt eben auch jene Galerie von Henry Krzysch, in der die Ausstellung von Bigi Möhrle zu sehen ist: freitags von 9 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 14 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung unter Nummer 035436 29315 oder 218.