Ich kenne herzliches Lachen, stille Freude, auch Schadenfreude. Aber bei Jubel denke ich Richtung Karneval, Richtung Südeuropa oder Südamerika, wo Menschen mit anderer Mentalität und Kultur leben.

Sind wir Deutschen so ernst geworden? Sehen wir neben dem Positiven immer gleich das "Aber"? Bleibt uns vielleicht der Jubel angesichts mancher Geschichtsirrtümer im Halse stecken? Sind wir vorsichtiger geworden? Oder nehmen wir Gründe zum Jubeln nicht mehr wahr?

Dieser Sonntag sagt den evangelischen Christen: Jubelt, liebe Gemeinde! Es wird erinnert, dass mit der Auferstehung Jesu am Ostertag eine neue Schöpfung entstanden ist. Seit Ostern ist alles anders. Nichts muss bleiben, wie es ist. Alles kann sich ändern. Viele sagen gleich: Aber nicht bei mir. Ich werde nicht wieder gesund. Ich finde keine Arbeit mehr. Ich bin eben alleine. Das wird sich nicht ändern.

Jubeln? Lieber nicht. Veränderung? Neue Schöpfung? Vielleicht - aber nicht bei mir. Das war früher anders: Da wurde gejubelt bei der Rückkehr nach einer langen Reise. Wenn genügend geerntet wurde und niemand hungern musste. Da wurde die Kindsgeburt bejubelt, weil das Leben weiter geht. Da wurde die Musik im Dorfe bejubelt, weil der Lehrer, der Pfarrer und der Nachbar die Instrumente so trefflich spielten.

Haben wir vielleicht heute zu wenig Gemeinschaft? Erleben wir zu selten die Gaben der anderen? Shirley MacLaine, die amerikanische Schauspielerin und Sängerin, hat den Satz gesagt: "Das Fernsehen sorgt dafür, dass man in seinem Wohnzimmer von Leuten unterhalten wird, die man nie einladen würde." Das ist wahrlich kein Jubelgrund - lieber mal abschalten!

Ich glaube nicht, dass es grundsätzlich zu wenig Gründe zum Jubeln gibt. Wir wollen immer die große Show, das große Glück, das Riesenevent - dabei gibt es die wahren Wunder im Kleinen, wenn wir uns gegenseitig unsere Geschichten erzählen und beginnen zu verstehen, dass es Grund zum Jubeln einfach dadurch gibt, weil es dich und mich in dieser Welt gibt! Einen gesegneten, schönen Sonntag!

Kerstin Höpner-Miech ist Pfarrerin in Mühlberg.