Herr Gegg, was macht einen guten Blumenstrauß aus?
Es ist mit Sicherheit die Farbzusammensetzung, die als Erstes ins Auge sticht. Das Zweite sind die Formen. Ins Fettnäpfchen kann man mit einem Blumenstrauß eigentlich nicht treten.

Gibt es denn Trends in der Branche? Welche Blumen sind in?
Trends gibt es in der Floristik eigentlich nicht. Wenn neue Sorten auf den Markt kommen, stehen die erstmal im Fokus, aber das legt sich dann wieder. Andererseits gibt es auch Blumen, die eine Renaissance erleben, wie zum Beispiel die Anthurie. Generell ist eine Entwicklung zu mehr Natürlichkeit zu beobachten: Viele Spitzenfloristen gehen in die Natur statt nur in den Großmarkt, um sich inspirieren zu lassen.

An der Weltmeisterschaft nehmen 26 Nationen teil. Haben andere Länder auch andere Blumensträuße?
Jedes Land hat seine eigene Blumenkultur. Nordische Länder wie Schweden oder Norwegen halten es in der Regel reduzierter, mit weniger Blumen. Südliche Länder setzen hingegen auf mehr Farbe und größere Blüten. Die Deutschen mögen es wiederum filigraner - mit kleinen Blüten.

Zuletzt fand eine Floristen-WM vor 33 Jahren in Deutschland statt. Was hat sich seitdem verändert?
Was wir kritisch sehen müssen, ist, dass sich die Blumenkultur in Deutschland geändert hat. Neue Medien und damit andere Kommunikationswege haben die Blumen aus einigen gesellschaftlichen Bereichen ein wenig verdrängt. In den 80er-Jahren war die Blume noch viel mehr in unserer Kultur verhaftet. Damals war es zum Beispiel gang und gäbe, dass man Blumen mitgebracht hat, wenn man eingeladen war. Das ist heute nicht mehr so. Früher gab es allerdings auch mehr Floristen.

Ist ein Florist eher Handwerker oder eher Künstler?
Es ist ein Handwerk. Man kann es aber auch zur Kunst führen. Weil der Werkstoff Blume selbst schon so schön ist, wird das Handwerk manchmal nicht ganz gewürdigt.

Mit Stefan Gegg

sprach Antonia Lange

Zum Thema:
Floristen aus 26 Nationen kämpfen bis Samstag in Berlin um den Weltmeistertitel. Organisiert wird der Wettkampf vom Blumenversand Fleurop. Präsentiert werden vom 11. bis 13. Juni in Berlin Kreationen zum Thema Freiheit. Der amtierende Weltmeister stammt derzeit aus Norwegen. Deutschland sicherte sich den WM-Titel 1985 zum bisher einzigen Mal. Der internationale Wettbewerb findet nach Angaben der Veranstalter alle vier bis sechs Jahre in verschiedenen Städten auf verschiedenen Kontinenten statt - zuletzt 2010 in China. Die diesjährige WM in Berlin ist inzwischen die 14. dieser Art.