Juni um 17 Uhr, im Hörsaal des Sana-Herzentrums. Dr. Jürgen Krülls-Münch spricht zum Thema „Müssen wir im Osten früher sterben? – Aktuelle Daten zur Therapie des akuten Myokardinfarktes in unserer Region“. Ein Myokardinfarkt wird umgangssprachlich als Herzinfarkt, Herzanfall oder Herzattacke bezeichnet.

Gibt es tatsächlich regionale Unterschiede beim Auftreten dieser Infarkte?

Nun, die Frage habe ich einer älteren Ausgabe der RUNDSCHAU entlehnt, um dann nachzuforschen, ob es eine Grundlage dafür gibt. Zwar häufen sich Myokardinfarkte in den neuen Bundesländern. Doch das allein besitzt noch keine Aussagekraft. So ist es möglich, dass gerade in medizinisch gut versorgten Gebieten die Hausärzte eher feststellen, ob jemand an einem Infarkt gestorben ist – was natürlich die Statistik beeinflusst.

Nun ließe sich einwenden: In den neuen Bundesländern sorgen höhere Arbeitslosigkeit und Angst vor Jobverlust vielleicht zu einer stärkeren Infarktrate.

Zum Beispiel. Es gibt allerdings noch einen zweiten Punkt. Der Anteil älterer Menschen ist in den neuen Ländern deutlich höher, wir haben zugleich viele jüngere Leute an den Westen verloren. Damit geht in der Statistik eine höhere Rate von Infarkten einher. Doch nun richte ich mal eine Gegenfrage an Sie: Wie unterscheidet sich wohl die Lebenserwartung zwischen neuen und alten Ländern?

Ich schätze mal, im Osten ist sie drei Jahre niedriger.

Eben nicht. Der Unterschied beträgt allenfalls drei bis vier Monate. Man könnte sogar den Schluss ziehen: Wenn die Zahl der Herzinfarkte in den neuen Ländern so stark überwiegt, müsste die Rate anderer Krankheiten vergleichsweise niedrig sein. Und in den Jahren seit 1993 hat die Lebenserwartung in den neuen Ländern deutlich zugenommen.

Das heißt also: Im Osten stirbt der Mensch doch nicht früher?

Genau. Dennoch möchte ich auf eines hinweisen: Wer plötzlich unter Brustschmerzen oder Atemnot leidet, sollte sofort die Nummer 112 kontaktieren und nicht erst seinen Hausarzt.

Mit Dr. Jürgen Krülls-Münch sprach René Wappler