"Ich kannte mich nicht immer mit den ursprünglichen Themen aus", gab Andreas Schönfelder zu. Der frühere DDR-Oppositionelle war zur Diskussionsveranstaltung zum Thema ""Braunkohletagebau - Umweltschutz - Widerstand in der DDR" am Montag nach Forst eingeladen. "Oft wollte man die DDR einfach nur abschaffen", sagt er. Wie Schönfelder, der sich bis heute in der Umweltbibliothek Großhennersdorf (Landkreis Görlitz) engagiert, ging es vielen in der DDR-Opposition. Brandenburgs Stasi-Beauftragte Ulrike Poppe betonte, dass bei ihr das Einsetzen für Frieden auch der Einsatz für eine saubere Umwelt gewesen sei. "Die Auffassung von Frieden bedeutete damals nicht nur die Abwesenheit von Krieg", so Poppe.

Als wichtigste Anlaufstellen galten für Umweltinteressierte in der DDR sowohl Kirchen als auch die Umweltbibliotheken. In den Bibliotheken wurden Zahlen und Daten gesammelt, sie boten Möglichkeiten für den Austausch von Betroffenen. Auch Umweltschutzberichte gab es in der DDR. "Ob Sie das glauben oder nicht", so Schönfelder. Reale Daten waren hingegen kaum zu bekommen. "Als ich in der Berliner Humboldt-Universität mal nach Diplomarbeiten zum Thema Umwelt geschaut habe, standen die alle unter Verschluss", berichtete Poppe. Um Daten zu sammeln, habe man auf Berichte ausländischer Forscher zurückgegriffen. Auch habe man heimlich Proben aus der DDR schmuggeln lassen.

Viele DDR-Bürger seien sich jedoch nicht der Gefahren der Umweltbelastung bewusst gewesen. "Ich wusste anfangs nicht, was Pseudokrupp ist und konnte das kaum rausfinden", sagte Andreas Schönfelder. Die Krankheit verursacht besonders bei Kindern Atemwegsbeschwerden.

Gerüchte über tote Kinder

Jedoch seien mit der Zeit immer mehr Geschichten über an den Folgen der Umweltbelastungen verstorbener Kinder aufgekommen. "Und die Ärzte durften die eigentliche Todesursache nicht auf den Totenschein schreiben", so der DDR-Opppositionelle. Ulrike Poppe sieht dies ähnlich. "Dass die Seen und Flüsse vergiftet waren, kriegte man nur mit, wenn man dort auch gewohnt hat", sagte sie. Gewässer seien gelegentlich wegen gehäufter Fälle von Meningitis bei Kindern geschlossen worden. Aber auch in anderen Situationen habe ein Nachdenken eingesetzt. "Wir konnten beispielsweise in den Neubauten die Heizung nicht abdrehen, egal ob es kalt oder warm war", so Poppe. Auch Landrat Harald Altekrüger (CDU) konnte von seinen Erfahrungen berichten. "Aus Schwarze Pumpe kam oft der Geruch von faulen Eiern zu uns rüber", so Altekrüger. Zudem habe es in vielen Orten wilde Mülldeponien gegeben.

Die dreckige Luft rührte vielfach von der Fixierung der DDR auf Braunkohle als Energieträger. Der sozialistische Staat wollte seine Energieversorgung möglichst autark ausüben. "Steinkohle und Erdöl waren nicht vorhanden, und so blieb nur die Braunkohle übrig", sagte Andreas Schönfelder bei der Diskussion, die von der Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur organisiert wurde. "Das ging dann so weit, dass dieser kleine Staat der größte Emittent von Schwefeldioxid in Europa war." Die rasante Entwicklung der Industrie führte dazu, dass immer neue Wohnungen an den Standorten gebaut werden mussten. "Damals wurde kein Städtebau, sondern nur Wohnungsbau betrieben", sagte Schönfelder. "Die Maxime von Lenin: Kommunismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes galt auch hier".

Braunkohle für ehrgeizige Ziele

So wurde in der Verfassung der DDR von 1976 die Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik beschlossen. "Die Braunkohleförderung wurde parallel dazu mit den ehrgeizigen Zielen in Einklang gebracht. Dazu wurden immer schwierigere Verfahren verwendet. Das lief unter dem Stichwort Restauskohlung." Das bedeutete nicht selten: Umsiedlung, Enteignung und Ersatzwohnungen im Plattenbau. Auch bei der anschließenden Diskussion mit dem Publikum, konnten Teilnehmer von derartigen Erfahrungen berichten. "Ich habe die Umsiedlung in Großräschen-Süd mitbekommen. Die Leute wurden dann in einem Plattenbau umgesiedelt. Die hatte man vorher gerade gebaut. Da gab es nichts im Umland - keinen Baum, keine Zufahrten, nichts", so Christiane Fritzschka aus Guben.

Der Verfolgungsdruck durch die DDR-Behörden war für Schönfelder jedoch nicht allzu hoch. "Es gab erstaunlich wenig Repression. Aber über uns alle gab es operative Vorgänge bei der Stasi", so Schönfelder. Anders die Erfahrung eines Besuchers der Veranstaltung, der ungenannt bleiben möchte: "Ich habe meinen Mund oft gegen die Tagebaue aufgemacht", sagte er. Die Stasi habe ihn daraufhin sogar vier Stunden im Wald gesucht und für ein Jahr ins Gefängnis gesteckt. Nach der Wende habe er erfahren, dass viele Bürger wie er Briefe an Organisationen wie Greenpeace geschickt hatten.

Auch der Bogen in die Gegenwart war für viele Besucher der Veranstaltung gegeben. Im Unterschied zu damals, habe man es jedoch heute mit Konzernen zu tun. "Die können es sich leisten, ein neues Dorf zu bauen und die Leute nicht nur in die Platte zu verpflanzen", so Schönfelder. Enteignung gebe es jedoch heute immer noch, betonte Pfarrer Mathias Berndt: "In Horno hat sich einer widersetzt, bis ihm gesagt wurde: Entweder du wirst enteignet und bekommst nichts oder du lässt dich abfinden. Dann hat er aufgegeben."