Dr. Rainer Pohl hatte sich mit Leib und Seele dem "Friedenstiften", wie er seine Arbeit als Schiedsmann auch gern bezeichnet, verschrieben. Regelmäßig hat er in den vergangenen zehn Jahren in seiner Heimatstadt Sprechstunden als Schiedsmann angeboten. Als Stellvertreterin stand ihm dabei Silvia Jahnke zur Seite. Bis zu acht Verhandlungen im Jahr forderten von beiden das Geschick, hauptsächlich zwischen streitenden Nachbarn zu vermitteln.

"Es geht dabei nicht vordringlich um Recht, es geht darum, zu schlichten und eine Lösung zu finden, die beide Parteien akzeptieren können, sodass letztlich kein Gericht bemüht werden muss, den Streit beizulegen", sagt Dr. Rainer Pohl. In der Mehrzahl der Fälle habe er dies erreichen können, blickt er zufrieden zurück. "Ohne Entgegenkommen von beiden Seiten wird das nichts", weiß der Falkenberger.

Und noch eine Erfahrung hat er in den vergangenen Jahren gemacht: Schiedsmann ist kein Bürojob. Termine vor Ort, um Einblick in Gegebenheiten zu erhalten, spielten vor allem bei Grundstücks- und Wegerechtstreitereien eine große Rolle. Andererseits wurde die heimische Wohnstube des Mannes so manches Mal zur Außenbastion der Falkenberger Schiedsstelle.

"Sogenannte Tür- und Angelgespräche haben den Großteil der Arbeit ausgemacht", stellt er fest. "Ich muss sie mal kurz sprechen", fingen diese meist an — "und dauerten dann so manches Mal durchaus sehr lange", berichtet Dr. Pohl. Aber das habe sich unter dem Strich meist auch gelohnt, denn "viele Probleme haben sich dadurch auch ohne Verhandlung lösen lassen."

Was ihn überhaupt angetrieben habe, sich derartig zu engagieren, statt sein Rentnerdasein zu organisieren? "Ich wollte noch was Nützliches leisten. Die Arbeit als Schiedsmann hat mich interessiert, also habe ich mich dafür zur Verfügung gestellt", benennt er seine Gründe, warum er nach dem Ausscheiden aus dem hauptamtlichen Dienst als Arzt in dieses Ehrenamt wechselte. Allerdings, schränkt er ein, habe er sich die Arbeit als Schiedsmann nicht ganz so kompliziert vorgestellt. "Aber man wächst da rein", macht er seiner Nachfolgerin Gerhild Haupt Mut.

Nun, zehn Jahre später, will Dr. Rainer Pohl es aber doch nach und nach ruhiger angehen lassen. Der erste Schritt ist das Niederlegen seiner Arbeit als Schiedsmann. Der zweite Schritt wird Ende des Jahres folgen, kündigt er an. Dann wolle er auch sein Engagement für den Arbeitsmedizinischen Dienst, derzeit macht dieser noch zwei Tage im Monat aus, gänzlich beenden.

Angst, dass es ihm langweilig werden könnte, hat der Falkenberger nicht im Geringsten. Schließlich ist er auch anderweitig noch kräftig engagiert. Beispielsweise in der katholischen Kirchengemeinde seiner Stadt. In Richtung Kirchengeschichte geht auch eine seiner Interessen. Dr. Pohl haben es die Zisterzienserklöster angetan. Er stellt Nachforschungen an, welche Klöster es in der Region und darüber hinaus gegeben hat. "Selbst in Falkenberg finden sich Spuren der Zisterzienser", ist er überzeugt und lacht, "aber fragen Sie nicht genauer nach, es sei denn, Sie haben sehr viel Zeit. Wenn ich da einmal ins Reden komme, komme ich vom Hundertsten ins Tausendste", beschreibt er seine Leidenschaft.

In Geschichte will er ohnehin noch weitaus mehr Zeit investieren. Der rüstige Senior hat sich vorgenommen, Chroniken zu schreiben. Um welche es sich konkret handeln wird, da hält er sich noch etwa bedeckt. Er möchte lieber schon etwas vorweisen können. Nur so weit lehnt er sich heraus, dass er wissen lässt, dass er dabei speziell die Zeit ab 1945 bis heute im Blick hat.

Außerdem freut sich der Falkenberger auf noch mehr Zeit für seine Familie. "Es ist schön, wenn man sich um die Enkel kümmern kann", sagt der viel gebuchte Opa, der allerdings auch solchen Tagen und Stunden etwas Schönes abgewinnen kann, wo es richtig geruhsam zugeht. "Ich bin nicht der Mensch, der ständig in Bewegung und aktiv sein muss. Ich kann auch ganz gut mal eine Weile nichts machen und mich mit einem Buch zum Lesen zurückziehen."