Noch heute kämpft die kleine, aber unheimlich starke Frau, die am heutigen Montag ihren 90. Geburtstag feiert, mit Konzerten, Lesungen und auf Demos gegen das Vergessen. Vor ein paar Jahren lernte die engagierte Wahlhamburgerin die Jungs von der Kölner Hip-Hop-Band Microphone Mafia kennen und rappt seitdem gemeinsam mit ihnen gegen Rechtsextremismus.

Esther Bejarano wächst wohlbehütet mit ihren drei Geschwistern in Saarlouis und später in Saarbrücken auf. Ihr Vater war Kantor in der jüdischen Gemeinde und führte sie an die Musik heran. Die Eltern wollten, dass alle ihre Kinder Klavier spielen lernten. Als 1935 das Saarland wieder an das Deutsche Reich angegliedert wurde, verschlechterte sich die Lage für Juden erheblich. Ihre älteren Geschwister können Deutschland verlassen, sie und ihre Eltern schaffen es nicht mehr.

1941 wurde Esther Bejarano zur Zwangsarbeit ins Lager Neuendorf bei Fürstenwalde an der Spree einbestellt. Als das Lager Anfang 1943 aufgelöst wird, werden alle nach Auschwitz deportiert. "Ich hatte Glück, dass in dem Block, in dem ich übernachtete, eines Abends eine polnische Musiklehrerin nach Frauen suchte, die ein Instrument spielen konnten." Obwohl sie noch nie Akkordeon gespielt hatte, behauptete das junge Mädchen, Akkordeon spielen zu können, ein Klavier gab es nicht. Fortan durfte sie im Mädchenorchester von Auschwitz spielen, das jeden Tag die Kolonnen auf ihrem Weg zur Arbeit aber auch in die Gaskammern begleitete. Was sie dort mit ansehen musste, wird sie nie vergessen. Weil ihre Großmutter Christin war, wird sie ins Frauenstraflager Ravensbrück verlegt und überlebt den anschließenden Todesmarsch. Nach dem Krieg wandert sie nach Palästina zu ihrer Schwester Tosca aus. Hier lernt sie ihren Mann Nissim kennen und bekommt zwei Kinder. Weil sie und ihr Mann mit der israelischen Politik gegen die Araber nicht einverstanden sind, kehren sie 1960 nach Hamburg zurück. Ihr größter Wunsch zum 90.: "Dass keine Nazis mehr rumlaufen."