"Es war kurz vor 14 Uhr, ich stand draußen vor der Eingangstür des Archivs. Plötzlich kamen Bauarbeiter von der U-Bahn-Baustelle vor dem Haus und riefen: ‚Alle weg, alle raus'." Die 25-jährige Studentin drehte sich um und wollte ihren Augen nicht trauen: "Als ich zu dem Gebäude hoch schaute, begann die gesamte Fassade zu bröckeln."Wenig später war das Archivgebäude komplett in sich zusammengebrochen, ein Wohnhaus rechts davon ebenfalls, das Wohnhaus zur Linken stand nur noch zur Hälfte. Susanne van den Bergh konnte sich wie andere Passanten auf der Straße retten. "Als ich ich sah, wie ganze Steine aus der Fassade herausfielen, bin ich nur noch weggelaufen."Die Rettungskräfte waren unmittelbar nach dem Unglück an der Unfallstelle, wie die Studentin berichtet. "Nach zwei Minuten waren die ersten Helfer da. Alle Besucher und Mitarbeiter des Archivs konnten offenbar das Gebäude verlassen." In den folgenden Minuten zog die Einsatzleitung ein Großaufgebot an Feuerwehrleuten, Katastrophenschützern, Polizei und Mitarbeitern der Stadt in den Straßen zwischen Kölner Alt- und Südstadt zusammen. Suchhunde wurden zu dem weiträumig abgeriegelten Gelände geführt.Wo noch am Mittag eine intakte Häuserzeile gestanden hatte, gähnt nun an der Severinsstraße ein riesiges Loch. Mehrere umliegende Gebäude wurden evakuiert, die Statik der Häuser soll nun überprüft werden. Die Ursache für das Unglück blieb zunächst unklar, aber schon frühzeitig wurde über die Bauarbeiten für die Kölner Nord-Süd-Stadtbahn als Grund für den Einsturz spekuliert. Fest steht, dass der U-Bahntunnel unter der Severinstraße im Rohbau schon lange fertig gebohrt ist - die große Vortriebsmaschinen haben das Erdreich unter der zentralen Straße der Kölner Südstadt längst durchpflügt. Bei diesen Arbeiten hatte es 2004 einen schweren Zwischenfall gegeben, als der Turm der Kirche St. Johann Baptist, die nur wenige hundert Meter vom bisherigen Stadtarchiv entfernt ist, zur Seite gekippt war. Am Dienstag waren Arbeiter unten im Schacht offenbar mit Auskleidungsarbeiten beschäftigt. Auch wurden im Gebäude des Stadtarchivs zuletzt Risse festgestellt. Vor zwei Wochen gab es nach städtischen Angaben deshalb eine Begehung, bei der jedoch offenkundig keine Gefährdung festgestellt wurde.