Am frühen Morgen bricht das Inferno los. Aus mehr als 1200 Geschützen feuern die deutschen Truppen auf die französischen Stellungen nördlich von Verdun, stundenlang, bis zum späten Nachmittag fallen mehr als eine Million Granaten. "Das hatte man noch nie gesehen, es ist ein Feuersturm", sagt Édith Desrousseaux de Medrano, Kuratorin der Gedenkstätte von Verdun. Das Blutbad sollte 300 Tage dauern, 300 000 Soldaten auf beiden Seiten starben, 400 000 wurden verwundet. Am Sonntag jährt sich der Beginn der bekanntesten Schlacht des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal.

In der komplett umgestalteten Schlachtfeld-Gedenkstätte wird zu diesem Anlass eine "kleine Revolution" angekündigt: Künftig spielen im Mémorial de Verdun auch die Erlebnisse deutscher Soldaten eine zentrale Rolle. Die Neueröffnung der Dauerausstellung unterstreicht, dass Verdun über die Jahre auch zu einem Bezugspunkt der deutsch-französischen Aussöhnung geworden ist: Verkörpert von Bundeskanzler Helmut Kohl und Präsident François Mitterrand, die sich 1984 über den Gräbern von Verdun die Hand reichten.

Verdun sei die symbolträchtigste Schlacht des Ersten Weltkrieges, sagt Mémorial-Direktor Thierry Hubscher. Diese herausragende Stellung ist nicht auf den ersten Blick zu verstehen. Sie war weder die blutigste Schlacht des Konflikts, noch hatte sie nach Ansicht von Historikern große Bedeutung für den Kriegsverlauf. Die Deutschen konnten zunächst das wichtige Fort von Douaumont einnehmen, in heftigen Kämpfen rückten sie bis auf wenige Kilometer an Verdun heran. Nur gerade so hielten die Franzosen stand. Doch dann eroberten sie Stück für Stück das verlorene Terrain zurück, nach zehn Monaten verlaufen die Linien fast genauso wie zuvor.

In der "Hölle von Verdun" entfaltet sich auf einem kleinen Gebiet der ganze Horror der industrialisierten Kriegsführung, mit Trommelfeuer, Giftgasattacken und Flammenwerfern.

Soldaten versinken im Schlamm, das von Granattrichtern übersäte Gelände gleicht einer Mondlandschaft, neun Dörfer werden ausradiert.

"Im Gedächtnis der Deutschen ist die Schlacht von Verdun zum Inbegriff der Sinnlosigkeit und Grausamkeit des Ersten Weltkriegs geworden", schreibt Deutschlands Botschafter in Paris, Nikolaus Meyer-Landrut.