Motorradwesten der "Hells Angels" dürfen während einer Gerichtsverhandlung verboten werden. Wie das Bundesverfassungsgericht in einem am Mittwoch veröffentlichten Beschluss entschied, verstößt ein Verbot der sogenannten Kutten für Zuschauer eines Strafprozesses nicht gegen den Grundsatz der öffentlichen Verhandlung und auch nicht gegen das Recht auf ein faires Strafverfahren (Az.: 2 BvR 2405/11).

Die Richter verwarfen die Verfassungsbeschwerde eines Mitglieds des "Hells Angels Motorcycle Club", der 2010 vor dem Landgericht Potsdam wegen Beihilfe zur räuberischen Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt worden war. Seine Mitangeklagten - ebenfalls "Hells Angels" - wurden unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung zu längeren Haftstrafen verurteilt.

In dem Potsdamer Prozess hatte der Gerichtspräsident das Tragen von Motorradwesten und sonstigen Bekleidungsstücken, die die Zugehörigkeit zu einem Motorradclub demonstrieren, verboten. Ein "massenhaftes Tragen szenetypischer Kleidung" stelle eine nicht hinnehmbare Machtdemonstration dar, die Verfahrensbeteiligte einschüchtern und beeinflussen könnte.

Die Angeklagten hatten zuvor Zeugen derart unter Druck gesetzt, dass diese ihre Aussagen zeitweilig zurückgenommen hatten. Sie hatten vom Besitzer eines Tätowierstudios im brandenburgischen Beelitz Schutzgeld erpresst. Unter anderem hatten sie ihm ein frisch getötetes Schaf vor die Wohnungstür gelegt.

Das Kuttenverbot während des Prozesses verstoße auch nicht gegen das Willkürverbot, entschieden die Verfassungsrichter. Es sei eher notwendig, durch vorbeugende Maßnahmen für eine sichere und ungestörte Gerichtsverhandlung zu sorgen.