„Das Mädchen ist ertrunken. Fremdverschulden können wir als Todesursache ausschließen“, sagte gestern der Kieler Oberstaatsanwalt Uwe Wick. Das habe die Obduktion der Leiche gezeigt. Die Offiziersanwärterin war in der Nacht zum 4. September aus ungeklärter Ursache bei stürmischem Wetter 20 Kilometer nördlich von Norderney über Bord gegangen.
Elf Tage nach dem Unglück habe die Besatzung des Behörden-Bootes den treibenden Körper in der Dunkelheit entdeckt, sagte Korvettenkapitän Jan Ströhmer in Geilenkirchen. „Das war viel Glück“, stellte er fest. Die Marine hatte die gezielte Suche nach der jungen Frau eine Woche nach dem Unglück eingestellt.
Unterdessen setzt die Staatsanwaltschaft ihr Vorprüfungsverfahren fort. Ein Anfangsverdacht für eine Straftat bestehe derzeit nicht, deshalb werde es zunächst kein Ermittlungsverfahren geben, sagte Wick. In den nächsten Tagen wollen die Ermittler die Aussagen der 40 bis 50 Zeugen auswerten, die sich in der Nacht an Deck befunden hatten. „Dabei gewesen ist aber keiner.“ Deshalb könnten die genauen Umstände des Unglücks möglicherweise nie restlos aufgeklärt werden.
Jennys Eltern hatten ursprünglich für gestern erstmals einige Medienvertreter zu einem Gespräch eingeladen. Sie sagten jedoch ab, nachdem sie die Nachricht erhielten, dass die Leiche ihrer Tochter geborgen sei. „Die Eltern möchten das Pressegespräch nicht mehr machen. Sie müssen das erst verkraften“, sagte Ströhmer, der in den langen Tagen des Wartens nach eigenen Angaben sehr engen und persönlichen Kontakt zu den Eltern hielt.
Aus einer für das Pressegespräch vorbereiteten und veröffentlichten schriftlichen Erklärung des Vaters wurde deutlich, dass die Eltern bis zuletzt gehofft hatten, ihre Tochter lebend wiederzusehen. „Wir hoffen alle auf ein Wunder, dass Jenny von irgendeinem Schiff aufgenommen worden ist und vielleicht ohne Erinnerung oder sogar ohne Bewusstsein irgendwo gepflegt wird“, hieß es darin.
Ströhmer hatte den Eltern die Todesnachricht gemeinsam mit einem Vorgesetzten von Jenny überbracht. Der Vorgesetzte sei danach bei den Eltern geblieben. Daneben betreue ein Pfarrer das Lehrer-Ehepaar. (dpa/cd)