John Lennon liebte sie, manche Beatles-Fans hassen sie bis heute. Yoko Ono hat immer polarisiert. Dabei wird oft vergessen, was sie schon lange vor der Lennon-Ehe war: eine willensstarke Avantgarde-Künstlerin. Andere wären unter dem Erbe des Ex-Beatle, den Anfeindungen der Fans und den Tiraden der Presse eingeknickt oder abgetaucht -Yoko Ono tat das Gegenteil. Seit dem Tod Lennons 1980 verteidigt sie seinen Nachlass, macht weiter Kunst, kämpft unermüdlich für den Frieden - und stöhnt auch im gehobenen Alter bei Konzerten animalische Laute ins Mikrofon. Am heutigen Montag wird Yoko Ono 80 Jahre alt.

Von Müdigkeit ist bei der zierlichen Frau mit der dunklen Sonnenbrille und der ruhigen Stimme nichts zu merken. "Ich habe das Gefühl, ich habe immer noch nicht genug gemacht. Um ehrlich zu sein, werde ich das Gefühl nicht los, überhaupt noch nichts erledigt zu haben", sagte sie vor wenigen Tagen in Frankfurt. "Wenn ich also 80 werde, dann fange ich ein neues, ein zweites Leben an. Ich werde all das machen, was ich bisher nicht geschafft habe." Für die Juli-Ausgabe der britischen "Vogue" ließ sich Yoko Ono mit tiefem Ausschnitt und in sexy Hotpants ablichten. Skandalös? Nicht wirklich. Nacktheit und blanke Hintern setzte Ono schon vor Jahren für ihre Kunst in Szene. Am Freitag begann in der Frankfurter Schirn eine Retrospektive ihres Schaffens mit rund 200 Objekten, Filmen, Installationen, Fotos, Zeichnungen, Texten und Musik. Ein Album ist in Arbeit. "Kunst ist wie ein Instinkt in mir", sagte Ono 2010 in einem Interview. Das war schon so, bevor sie den Beatle traf.

Ja, es gab ein Leben vor Lennon. Eines, in dem Ono bereits als Konzeptkünstlerin der Fluxus-Bewegung bekannt war, zweimal geheiratet hatte und Mutter einer Tochter war. Eines, das sie sich gegen die traditionellen Vorstellungen ihrer japanischen Familie erkämpft hatte. Geboren in Tokio, wuchs sie in reichen Verhältnissen auf.

Dann steht Ende der 1960er in einer Galerie Lennon vor ihr. "In gewisser Weise ruinierten John und ich mit unserer Beziehung unsere Karrieren", sagte Ono dem "Sunday Telegraph". Sie verdreht Lennon so mächtig den Pilzkopf, dass er und seine "Muse" oder "Göttin der Liebe" wie er sie nennt, fortan unzertrennlich sind. Das Paar heiratet 1969. Die Flitterwochen verbringen sie beim "Bed-In" im Hotelzimmer vor Journalisten - als Statement gegen Krieg. "Make love, not war!" wird Botschaft und Hymne der beiden.

Von vielen Beatles-Fans geht derweil unverhohlener Hass in Richtung Ono. Nachdem Lennon 1970 aussteigt und sich die Band trennt, gibt es in den Augen vieler nur einen Grund dafür: Yoko Ono. Sie wird zur "Drachenfrau", zur "bösen Hexe im Beatles-Märchen". Dabei, verteidigte Sir Paul McCartney sie kürzlich in einem Interview, sei es nicht wegen Ono zum Aus gekommen. Tatsächlich habe sie Lennon inspiriert.