Verdun ist wohl die bekannteste Schlacht des Ersten Weltkrieges; war sie tatsächlich so wichtig?
"Ich glaube, dass in diesem Fall Bekanntheit und strategische Bedeutung sich umgekehrt proportional zueinander verhalten. Aber Verdun ist gleichsam zum Sortierer und Sammler von Erinnerungen geworden. Das hat damit zu tun, dass General Philippe Pétain in Frankreich das so organisiert hat, dass tendenziell die gesamte französische Armee irgendwann in Verdun war. Und die Deutschen hatten auf Verdun große Hoffnungen gesetzt, aber als die Schlacht nach zehn Monaten zu Ende geht, haben beide Seiten tendenziell gleich hohe Verluste. Und der Krieg geht weiter. Es hat sich eigentlich mit Verdun gar nichts geändert.

Warum hat Verdun diese große symbolische Bedeutung?
Normalerweise erinnern wir Schlachten als die Höhepunkte eines Krieges, in denen sich der Krieg entschieden hat. Und hier erinnern wir Verdun, wo gar nichts entschieden worden ist. Aber das steht natürlich auch paradigmatisch für diesen Krieg: Stellungskrieg und Materialschlachten. Die Franzosen haben physisch das Schlachtfeld und präsentieren es, und die Deutschen haben literarisch das Schlachtfeld und präsentieren es.

Die Verdun-Gedenkstätte setzt jetzt stärker auf einen deutsch-französischen Blickwinkel.
Weil dort nur deutsche und französische Truppen gekämpft haben, bietet es sich an, diesen Ort zum Symbolpunkt der Transformation von Erzfeindschaft in Erzfreundschaft zu machen.

Mit Herfried Münkler

sprach Sebastian Kunigkeit