Die Veranstaltung im Ratssaal der Stadt Weißwasser war viel schneller vorüber als ursprünglich geplant. Ursprünglich geplant nämlich war, unter den drei oder vier besten Bewerbern eine Auswahl zu treffen. Doch wie Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) und IBA-Geschäftsführer Prof. Rolf Kuhn vom IGA-Vorbereitungskuratorium erklärten, ragte unter acht Bewerbern einer so heraus, dass man nicht länger überlegen müsse. Dieser Ansicht war nicht nur das Kuratorium selbst, sondern auch die Lausitzer Arbeitsgemeinschaft für ingenieurtechnische Forschung und Entwicklung (Lerda), die im Auftrag der Stadt Weißwasser an der IGA-Vorbereitung mitarbeitet. Sie hatte die Bewerbungen gesichtet und vorbewertet.

Die eingeladenen Bürgermeister aus den Umlandregionen mussten am Donnerstag also nichts mehr entscheiden. Andreas Bänder (Bad Muskau), Reinhard Bork (Schleife) und Andreas Lysk (Weißkeißel) konnten sich so in Ruhe anhören, wie der siegreiche Bewerber die Machbarkeitsstudie erstellen will. Dabei stellte sich zunächst heraus, dass nicht ein Büro allein das bewerkstelligen will. Vielmehr bilden vier Büros mit fünf bis 40 Mitarbeitern ein Team und ergänzen ihre Kompetenzen.

Polnisches Büro bringt Pluspunkt

Seebauer, Wefers und Partner aus Berlin (mit Niederlassungen in Quickborn und Heringsdorf) hat sich auf Stadt- und Landschaftsplanung sowie Moderation spezialisiert. Runze & Caspar ist eine Berliner Werbeagentur für Grün- und Standortmarketing. Die ift-Freizeit- und Tourismusberatung GmbH hat ihre Standorte in Köln und Potsdam. Von polnischer Seite gesellt sich Gajda Architektura Krajobrazu dazu. Die Architekten aus Kraków haben Erfahrung in Landschaftsarchitektur, Denkmalpflege und Wettbewerb.

Im Vorbereitungskuratorium, so Rolf Kuhn, wurde die Beteiligung eines polnischen Büros als Pluspunkt gewertet. Bindet doch die IGA, wenn sie denn 2027 in die Region kommt, mit dem Muskauer Park und dem Muskauer Faltenbogen auch die polnische Seite mit ein. Obendrein arbeite bei Seebauer, Wefers und Partner eine gebürtige Polin, die den Kontakt zum Nachbarn halten kann. Ausschlaggebend für den Zuschlag war auch das überzeugende Konzept für die Arbeit an der Studie, bei der regelmäßig die Öffentlichkeit einbezogen werden soll, so Kuhn. Die einzelnen Arbeitsschritte seien konkreter als bei den Mitbewerbern beschrieben worden. Am Ende der Recherchen, Analysen und Diskussionen stehe ein Konzept für die touristische Entwicklung der Region. Erst auf dieser Grundlage, werde die Frage beantwortet: Ist eine Internationale Gartenschau das richtige Instrument, die Region voranzubringen.

Gute Referenzen

Bei seiner Präsentation im Rathaus betonte Unternehmenschef Martin Seebauer denn auch: "Die Region ist nicht das Instrument für eine IGA." Umgekehrt werde ein Schuh draus: "Die IGA kann ein Instrument für die Region sein." Das eben gelte es völlig ergebnisoffen zu prüfen.

Seebauer und den Vertreter der anderen Büros war es ferner wichtig, auf ihre reiche Erfahrung mit Gartenschauen hinzuweisen. "Das ist unser täglich Brot", sagte Seebauer und nannte die Buga in Erfurt und die Laga in Oranienburg als Referenzobjekte. André Rosinski von ift, wies auf die IGA 2017 in Berlin hin, an dessen Vorbereitung man beteiligt sei, Andreas Runze auf die Buga in der Havelregion.