Das Publikum der Uraufführung des Singspiels „Furcht und Zittern“ hat sich offenbar gut unterhalten. Dabei verbirgt sich hinter dem barock klingenden Titel ein Tabuthema, das durchaus das Zeug zum Skandal gehabt hätte.

Denn in dem Auftragswerk der RuhrTriennale, das in Kooperation mit den Münchener Kammerspielen entstand, geht es um Kindesmissbrauch. Die jüngste Kreation des Festivals stammt aus der Feder des Tiroler Autors Händl Klaus, der das Werk gemeinsam mit dem Theatermusiker Lars Wittershagen als Singspiel anlegte, dessen Handlung Regisseur Sebastian Nübling in eine Zirkusmanege verlegt.

Erzählt wird die Geschichte eines Pädophilen, der den beziehungsreichen Namen Manfred Horni trägt und von Beruf Immobilienmakler ist. Früher war er Gesangslehrer, hat sich seinerzeit in der Musikstunde an seinen singenden Schülern vergangen, wurde verurteilt und eingesperrt. Nach einem Hörsturz musste er seinen Beruf aufgeben und ist per Gerichtsbeschluss gehalten, sich für immer von Kindern fernzuhalten.

Jahre nach der längst verbüßten Strafe wird Horni von seiner Vergangenheit wieder eingeholt, denn gegenüber seinem Haus soll ein Kinderheim gebaut werden. Horni und seine Frau sollen ausziehen. Das Ehepaar weigert sich jedoch, die Gegend zu verlassen und zieht auf die Straße, bewacht von zwei Polizisten und der Öffentlichkeit. Schließlich tauchen Kinder auf, die Horni vor den Augen aller auf die Probe stellen.

Seltsam unklar bleiben über weite Strecken nicht nur die Situationen auf der Bühne, sondern auch die Haltung von Autor und Regieteam: ist der Pädophile wirklich ein Verbrecher, oder muss man Verständnis, sogar Mitgefühl mit ihm haben? Sind am Ende die Kinder gar nicht so unschuldig? Und ist nicht vielmehr der Blick der Öffentlichkeit auf den Pädophilen grausam? Gefährlich nahe kommt der Abend einer Verharmlosung des Missbrauchs und prangert seine Hysterisierung durch die Öffentlichkeit sogar an.

Die schlagerselige, süßliche Musik und die Künstlichkeit der Zirkusumgebung sollen zwar wohl einer heilsamen Abstraktion dienen, doch bleibt das Ganze trotz skurriler Überzeichnung in der Luft hängen. Zudem singen auch nur die Jungen und Mädchen wirklich gut, aus den Kehlen des edlen Münchener Ensembles klingt es dagegen unsauber. Ansonsten sorgt Sebastian Nübling für viel überflüssiges, artistisches Gezappel auf der Bühne und versucht den Längen des Stücks mit Geschrei und Wiederholungen beizukommen. Den insgesamt befremdlichen Abend rettete das aber nicht.