Die ersten grellen Sonnenstrahlen durchdrangen nur mit Mühe die dichten Morgennebel über den Spreewald-Fließen, als der Lübbenauer Kahnfährmann Karl-Heinz Marschner zu einer Kahnpartie vom Großen Hafen startete. Seine Gäste waren aus verschiedenen Regionen Deutschlands und Spaniens angereist, um die herbstlichen Naturschönheiten des Spreewaldes kennenzulernen. Aber auch Fragen zu Geschichte und Kultur, Flora und Fauna, Arten-und Umweltschutz waren im "Reisegepäck" der Mitfahrenden verstaut.

"Ich bin ganz aufgeregt, weil ich zum ersten Mal in dieser herrlichen Gegend bin", sagte Gabriele Herzog aus Denia bei Alicante (Spanien), als sie im "Vorderdeck" Platz nahm.

Bevor die kleine "Kreuzfahrt" in Richtung Lehde begann, hatte Nicole Müller mit dem Ausschmücken des Kahnes noch alle Hände voll zu tun. "Mit dem Thema Fisch und Spreewaldfischerei wollen wir auf einen wichtigen Aspekt in unserer Region aufmerksam machen", so die Geschäftsführerin der Touristinformation. Seit dem Jahre 2003 werden Besucher und Gäste auf die "Spreewälder Fischwochen" aufmerksam gemacht. In diesem Jahr heißt das Motto noch bis zum 11. November "Fischzeit im Spreewald".

Karl-Heinz Marschner führte an diesem Tag das Ruder. Seit 1977 ist er Mitglied im Verband der Spreewaldfischer und kennt die Gewässer aus dem Effeff. Immer wieder hielt er den Kahn an, um den Gästen die aktive und passive Fischerei mit den unterschiedlichen Netzarten zu erklären. "Man spürt, dass man jahrelange Erfahrungen einbringen muss, um beim Fischen erfolgreich zu sein", sagte Klaus Holtz, der Kapitän auf einem Fahrgastschiff an der Nordseeküste ist. Bogdan Ghetu aus Dortmund hatte blitzschnell seinen Fotoapparat zur Hand, als Karl-Heinz Marschner ein paar quicklebendige Spreewaldfische aus der Reuse holte. "Hecht, Karpfen, Barsch und Schleie sind dabei", stellte Hans-Dirk Niebuhraus Würzburg fest.

Um den herbstlichen Spreewald bewundern zu können und die Fangmethoden der Fischer kennenzulernen, waren Petra und Bernhard Ackert aus Braunschweig angereist. "Es ist gar nicht so einfach, das Fischen in allen Facetten zu beherrschen", so der 52-jährige Bernhard Ackert. Er hörte aufmerksam zu, wie Details zu Knebelnetzen und Reusen, Maschenweiten und Setzstock, Laichgebieten und Fischbesatz erklärt wurden.

"Ohne Praxis ist die gesamte Theorie nichts wert", sagte seine Frau Petra lachend und freute sich auf das versprochene Fischgericht zur Mittagspause. Zur Stärkung der Aufmerksamkeit und zur Mobilisierung der Kräfte wurde im Gasthaus "Quappenschänke" in Lehde ein Stopp eingelegt. "Ich freue mich, dass sich so viele Besucher für unsere Spreewaldfischerei interessieren", erklärte der Chef des Hauses, Karl-Heinz Starick, und servierte wenige Augenblicke später den Gästen die Gerichte.

"Schmeckt einfach lecker", bemerkte Ilona Steingrube aus Oederan bei Freiberg (Sachsen), die zum ersten Mal eine gebratene Schleie probierte und die bisherigen theoretischen Kenntnisse über die Spreewaldfische mit kulinarischer Praxis verband.

Unter dem farbigen Herbstlaub der Bäume am Hafen und bei fast sommerlichen Temperaturen kehrten die Besucher von "Fischer's Kahnfahrt" am Nachmittag in die Spreewaldstadt Lübbenau zurück.