Als sich in der Wendezeit 1990 die Existenzfrage stellte, rettete Heinz Kammer die Volkssolidarität hinüber in das andere System. Für ihn selbstverständlich: „Viele Leute waren plötzlich mutlos; ich nicht. Es konnte doch nicht einfach Schluss sein. Wer sollte sich denn jetzt um die Sorgen und Probleme der älteren Leute kümmern?“ Mit wenigen anderen Verbündeten ging er in der Stadt Klinken putzen, befragte Mitglieder und überzeugte sie, weiterhin in der Volkssolidarität mitzuarbeiten.

„Damit legte er die Grundlage für die heutige Organisationsform unserer Ortsgruppe“, sagt Karin Weber, ehrenamtliche Vorsitzende der Volkssolidarität Bürgerhilfe e. V. in Lübben. „Er arbeitete zudem konstruktiv an der Fusion des Kreisverbandes der Volkssolidarität mit anderen Verbänden zur Bürgerhilfe mit.“

Seit 1965 ist Heinz Kammer Mitglied der Volkssolidarität. Der Lübbener hat immer im Vorstand gearbeitet. Er war lange auch Vorsitzender und geistiger Vater zahlreicher Ideen. Das Projekt „Essen auf Rädern“ etwa sei unter seiner Regie aufgebaut worden. Auch am Seniorenprojekt „Senioren wollen alles wissen“ war er maßgeblich beteiligt. Die Bildungsnachmittage finden seitdem regelmäßig statt. Heinz Kammer vertrat viele Jahre die Interessen der Volkssolidarität im Kreisseniorenbeirat. Er schaut nicht zu und lässt Andere machen, sondern setzt sich aktiv für andere Menschen ein: „Ich kann doch unsere Mitglieder nicht im Stich lassen. Vor allem ältere Bürger brauchen unsere Hilfe und Unterstützung.“

Der 89-Jährige ist schwerstbehindert, jedoch immer lebensfroh, redegewandt und pflichtbewusst, wie Karin Weber sagt: „Heinz Kammer ist auch heute noch unsere stärkste Säule. Sein Wort hat bei den anderen Mitgliedern Gewicht.“ Als Ehrenvorsitzender der Ortsgruppe nehme er an allen Vorstandssitzungen teil, leite Mitgliederversammlungen und gestalte Vorhaben aktiv mit.

„Mein Engagement bringt mir Zufriedenheit und die Bestätigung, für andere Menschen was zu bewegen.“ An Rückzug aus seinem Ehrenamt denkt der Lübbener nicht. „Ich habe noch so viel Freude an meiner Aufgabe und mache sie mit Lust und Liebe.“ Dafür ist Heinz Kammer kürzlich ausgezeichnet worden. Der 89-Jährige hat die „Goldene Solidaritätsnadel“ des Bundesvorstands der Volkssolidarität erhalten. Damit war er einer von zwei Gewürdigten des Landesverbandes Brandenburg.