Herr Hirschhausen, Sie haben in einer Studie die CCTS-Technik (wobei das T für Transport steht) für gescheitert erklärt. . .
Nicht ich, sondern die Energiewirtschaft hat die CCTS-Technik abgeschrieben, um die sie sich ein Jahrzehnt lang mehr oder weniger engagiert gekümmert hat. Die Politik ist ihr dann gefolgt und hat erklärt, die Energiewende sei auch ohne CCTS darstellbar.

Was sind die Hauptkritikpunkte?
Die Erwar tungen an die CCTS-Technologie waren übertrieben. Die Technologiepolitik hat sich verzettelt und zu viele Technologien ins Rennen geschickt. Es wurde mit unrealistisch niedrigen Kosten argumentiert und man hat sich zu lange um kritische Fragen des Transports und der nachhaltigen Speicherung gedrückt. Es gibt noch eine innovationssoziologische Komponente: Niemand mochte diese CCTS-Technologie so richtig und hat sich vollen Herzens für sie einges etzt .

Vattenfall setzt aber dennoch auf den Bau eines CCTS-Kraftwerkes in Jänschwalde. Wie sehen Sie dieses Vorhaben?
Die Energiestrategie Brandenburg 2030 stellt richtigerweise eine Beziehung zwischen CCTS und dem Neubau in Jänschwalde her: Ohne CCTS wird auch kein Neubau erfolgen. Darauf müssen sich Politik und Energiewirtschaft nunmehr einstellen.

Viele Menschen in der Region hoffen, dass ohne neues Kraftwerk auch kein neuer Tagebau kommt. Ist diese Hoffnung berechtigt?
D er Aufschluss des Tagebaus Jänschwalde-Nord wird angesichts der Situation nicht benötigt, um das bestehende Kraftwerk zu beliefern. Hierfür sind ausreichend planerisch gesicherte Vorräte in den anderen Tagebauen vorhanden .

Wie sehen Sie die Perspektive der Braunkohle in der Lausitz?
Wir sollten uns auf einen kurze Brücke einstellen, die mit immerhin drei Jahrzehnten ja gar nicht so kurz ist. Auch an den anderen Kraftwerksstandorten Schwarze Pumpe und Boxberg reichen die gegenwärtig genutzten Tagebaue aus, sodass neue Aufschlüsse wie in Welzow-Süd (Teilfeld II) oder Nochten nicht notwendig sind.

Was sagen Sie Vattenfall-Mitarbeitern, die um ihre Jobs bangen?
Niemand verliert dabei seinen Arbeitsplatz, vielmehr können sich Wirtschaft und Politik über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten der Herausforderung stellen, die Lausitz als moderne Energieregion in Richtung Energiewende zu positionieren.

Was wird die Gäste in Atterwasch bei der Diskussion erwarten?
D er Reformationstag eignet sich gut, unbequeme Wahrheiten kontrovers und doch respektvoll zu disputieren. Die Energiewende ist die Reformation unserer Zeit, und sie wird die Region stärker prägen, als wir uns das heute vorstellen können. In diese Richtung sollte die Veranstaltung Perspektiven öffnen .

Mit Christian von Hirschhausen sprach Silke Halpick

Zum Thema:
Das Bündnis für Heimat und Zukunft in Brandenburg lädt traditionsgemäß am 31. Oktober zu einer zentralen Anti-Kohle-Veranstaltung nach Atterwasch ein. Um 10 Uhr ist ein Gottesdienst in der Atterwascher Kirche geplant. Um 11 Uhr findet ein Podiumsgespräch über Chancen und Strategien, neue Tagebaue zu verhindern, statt. Als Gäste werden unter anderem Christian von Hirschhausen und Rechtsanwalt Dirk Teßmer, der an der Verfassungsbeschwerde gegen Garzweiler II mitgearbeitet hat, erwartet. Um 14 Uhr beginnt die große Kundgebung "Für Heimat und Zukunft in Brandenburg" mit viel Polit-Prominenz.Die Technologie der Kohlendioxid(CO{-2})-Abscheidung und -Speicherung ist als CCS (Carbon Dioxide Capture and Storage) eingeführt. Das T erweitert das Verfahren um den Transport.