Herr Worlitz, was macht die Queen aus?
Die Queen ist eine einzigartige Persönlichkeit. Sie ist eine Symbolfigur. Es gibt kaum noch jemanden, der so bewundert wird und die Menschen so mobilisiert. Sie ist auch eine Frau, die es verstanden hat, mit einer Würde zu altern. Das zeigt sich schon daran, dass sie regelmäßig ihr Bild auf Briefmarken und Münzen anpassen lässt.

Wie ist denn ihre Beziehung zu Deutschland?
Sie war früher häufig hier, um ihre Truppen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zu besuchen. Und natürlich gibt es verwandtschaftliche Beziehungen, die zum Teil bis zu 300 Jahre zurückreichen. Jetzt kommt sie aber, um ihre Sympathie auszudrücken. Man darf nicht vergessen: Die Queen ist eine Königin der Versöhnung. Sie ist sehr früh nach dem Krieg das erste Mal zu uns gekommen. Sie hat den Deutschen die Hand gereicht, sie war in Dresden und in Berlin an der Mauer. Ich finde, dass sie deshalb auch eine Queen für Deutschland, wenn nicht sogar für Europa, ist.

Ist Elisabeth im Laufe der Jahre nahbarer geworden?
Ja. Spätestens nach dem Tod von Prinzessin Diana hat sie begriffen, dass sie etwas ändern muss. Das war eine Zäsur. Davor war die Monarchie nahezu heilig. So durfte man die Queen auf keinen Fall anfassen als Nobody. Ein kanadischer Politiker hat das mal getan, da gab es einen Aufschrei in der gesamten britischen Bevölkerung. Oh Gott, er fasst sie an! Da ist vieles normaler geworden. Was übrigens auch daran liegt, dass sie die Jugend in der eigenen Familie hat. Vor allem Prinz Harry, der ja als Raufbold gilt, ist einer, der die Oma modernisiert. So hat sie sich inzwischen auch schon mit den sozialen Netzwerken befasst.

Was ist wichtig, wenn man ihr begegnet?
Die Anrede ist sehr wichtig. Wenn sie vor einem steht, sagt man "Your Majesty", wenn man ihr schreibt, "Her Majesty". Ansonsten regelt das Protokoll vieles. So sollte man nicht gleich losessen, wenn man an einer Tafel mit der Königin Platz nimmt. Erst dann, wenn die Queen selbst sitzt und mit dem Essen begonnen hat.

Wer wird ihr folgen, Charles oder William?
Im Moment eindeutig Charles. Er wird zwar 67, ist aber der am besten ausgebildete Thronfolger, den wir in Europa haben. Er ist auf dieses Amt vorbereitet. William muss weiter in seine Rolle hineinwachsen. Sollte die Queen aber noch sehr lange durchhalten und Charles dann der Meinung sein, mit über 70 eine Belastung für die Nation darzustellen, dann wird er sich in der Thronfolge überspringen lassen.

Mit Jürgen Worlitz sprach

Hagen Strauß