Putzen ist nicht jedermanns Sache. Wenn das Budget es zulässt, lässt der Bürger gern andere Hand anlegen. Putzfrauen. Sie erledigen für sie die Drecksarbeit. Sie dringen in die düstersten Ecken vor, kratzen Eingetrocknetes ab und wischen den Boden sauber. So auch Petra Vierus aus Weißwasser. Sie reinigt überwiegend für Senioren die Treppe, putzt Fenster oder säubert die Badewanne. „Irgendjemand muss ja sauber machen, sonst fühlt man sich nicht wohl“, erzählt Petra Vierus. Sie putzt schon seit ihrer Kindheit gern und im Februar 2010 hat die 54-Jährige dann den Seniorendienstleistungsservice „Hilfe für Senioren“ gegründet, bei dem sie mit ihren beiden Kindern Jan (27) und Annett (30) für Senioren Hilfe im Haushalt, Reinigungsarbeiten und Botengänge anbietet.

„Putzen ist keine Schande“, betont Petra Vierus. Sie sieht in dem Reinemachen etwas Sinnvolles. „Es ist eine Arbeit wie jede andere auch. Und zudem muss sie gemacht werden“, sagt die Weißwasseranerin, die sich selbst wohler fühlt, wenn es sauber ist.

Das jahrelange Putzen hat bei der 54-Jährigen jedoch schon einige Spuren hinterlassen. Vor allem kämpfe sie mit rauen Händen. „Aber mit viel eincremen, geht das schon“, sagt sie bescheiden. Petra Vierus hat Spaß an der Arbeit. In diesem Beruf sehe sie nichts Negatives. Dass andere Leute Putzfrauen in der Gesellschaft am unteren Ende der Skala ansiedeln, hält sie für falsch. „Wir sind Menschen wie andere auch. Mir liegt das Putzen halt. Wieso sollte ich dann nicht diesen Beruf ausüben?“, fragt sie.

Schon als Kind habe Petra Vierus gemerkt, dass sie gerne anderen Menschen hilft. Vor allem den Älteren. Sie habe schon damals geputzt, Einkaufsdienste erledigt oder die Treppe gefegt.

Doch oft fehle noch die Anerkennung. „Im Allgemeinen sind die Älteren dankbarer als die Jüngeren“, erklärt Petra Vierus und fügt hinzu: „Da bekommt man ein Lächeln oder ein Dankeschön. Sie wissen, dass sie die Hilfe von anderen benötigen.“ Angepöbelt wie manch andere Putzfrau wurde sie hingegen noch nicht. „Ich glaube Weißwasser ist in dieser Hinsicht eine sehr tolerante Stadt.“ Doch leben allein vom Putzen kann die 54-Jährige nicht. Deshalb beziehe sie noch Hartz IV-Geld. Gerne würde Petra Vierus irgendwann den Dienstleistungsservice für Senioren noch weiter ausbauen, doch dazu mangelt es an Zeit. Denn sie pflegt derzeit ihre hilfsbedürftige Mutter. Mit dem Putzen will sie aber nicht aufhören, „dann würde ich meinen Lebenssinn verlieren“, so die 54-Jährige.

Zum Thema:

Tag der PutzfrauSeit sechs Jahren gibt es den Putzfrauentag am 8. November. Das ist der Geburtstag der Buchfigur Karo Rutowsky. Diese Putzfrau macht nicht nur sauber, sondern löst auch Kriminalfälle. Für Autorin Gesine Schulz Anlass, einen Tag der Putzfrau ins Leben zu rufen.