Was wollen Sie tun, damit das Schloss nicht "nur" ein weiteres Berliner Museum wird?
Das Humboldtforum ist schon vom Grundgedanken her kein Museum im herkömmlichen Sinne. Es geht um eine völlig neue Präsentation der außereuropäischen Sammlungen der Stiftung, die es so noch nicht gegeben hat. Dazu gehört zum einen die Zusammenarbeit mit Vertretern der Länder, aus denen die Objekte stammen. Das wird das Humboldtforum zu einem Ort wirklicher kultureller Teilhabe und Multiperspektivität machen.

Zum anderen wird ein Programm aus Film, Musik, Performativem und Diskursivem die Sammlungen in einen veränderten Kontext stellen und Brücken zur Gegenwart schlagen. Das Humboldtforum wird damit kein weiteres Museum, sondern ein Kunst- und Kulturzentrum über die Welt, in der wir leben.

Viele Ausstellungsstücke stammen aus der Kolonialzeit. Darf man sowas heute noch zeigen?
Kolonialer Kontext heißt nicht gleich Unrecht. Wir recherchieren die Provenienzen intensiv und mit Hochdruck, vor allem bei Objekten, die zwischen dem 18. und frühen 20. Jahrhundert nach Berlin gelangt sind. Wir sagen aber auch: Pauschalisierungen gehen an der Sache vorbei. Eine solche Haltung verkennt die wirkliche Geschichte der Berliner Museen, die stets durch einen universalen Ansatz des Sammelns gekennzeichnet war.

Was bedeutet das?
Die Objekte wurden über ein weltweites Netzwerk von Sammlern und Ankäufern erworben. Dies schließt freilich nicht aus, dass einzelne Bestände möglicherweise auch einmal nicht rechtmäßig erworben worden sein können. Das aufzuklären, ist unser Anliegen. Zeitnah zum Richtfest legen wir eine Grundhaltung der Stiftung zum Umgang mit unseren außereuropäischen Sammlungen vor. Darin bekennen wir uns ganz klar zu einem völlig neuen Modell des Shared Heritage mit den Herkunftsgesellschaften, sagen aber auch, dass in begründeten Einzelfällen auch Rückgaben in Betracht gezogen werden können.

Können Sie noch etwas gegen den sperrigen Namen tun?
Wieso sperrig? Ich finde den Namen Humboldtforum großartig und möchte keinen anderen. Er sagt doch alles: Das neue Haus ist mehr als ein Museum, und es ist geprägt von der kosmopolitischen Haltung beider Gebrüder von Humboldt, für die die Gleichberechtigung aller Kulturen eine Selbstverständlichkeit war. Warten Sie erst mal ab, bis die Menschen 2019 das Humboldtforum besuchen und sich darin aufhalten können. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Name dann sehr schnell eine feste Marke wird.