Es scheint eine muntere Truppe, die in der Schulungsstätte von EEPL am Radelandweg in Herzberg zu Werke geht. Seit Jahresbeginn sind hier 14 Langzeitarbeitslose in eine neue Form langfristigen Trainings und sinnvoller Betätigung eingestiegen, die den Projekttitel "Dynamo" trägt. Sozialpädagogin Annett Ai und Werkstattleiter Klaus Richter stehen ihnen zur Seite. Zwölf weitere Teilnehmer werden von Sozialpädagogin Katharina Treibmann in Massen betreut.

Gabriele Witschorke, Leiterin des Trainingszentrums von EEPL, ist Feuer und Flamme. "Es hat sich gelohnt, das wir uns für eine längerfristige Maßnahme eingesetzt haben. Und das werden wir immer wieder tun." Zweieinhalb Jahre können der Zeithorizont für die Teilnehmer sein - und natürlich auch für deren Betreuer. "Bei kürzeren Maßnahmen fallen die Menschen in kurzen Abständen immer wieder in ein tiefes Loch", weiß der seit 2006 in Herzberg tätige Projektbetreuer Klaus Richter aus Erfahrung. Mit "Dynamo" habe man schon eine Vorreiterrolle in Brandenburg, schätzt Gabriele Witschorke ein. Am Ende der in zweieinhalb Jahren angebotenen fünf Betreuungsmodule solle Klarheit darüber bestehen, ob ein Teilnehmer ohne weitere öffentliche Förderung in eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt einsteigen kann, ob er in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden kann und weiterhin eine Förderung erhalten muss oder ob er aus der Hoheit des Jobcenters entlassen und zum Beispiel in eine Behindertenwerkstatt wechseln kann oder eine Rente empfängt.

Hintergrund des langfristig angelegten Projektes ist die Überzeugung, dass dauerhaft arbeitslose Menschen sich selbst und die Gesellschaft mehr belasten, als sie dies durch sinnerfüllte Beschäftigung tun. "Und was für mich ganz wichtig ist, sind die Kinder. Über lange Zeit arbeitslose Eltern bleiben nicht ohne Wirkung", unterstreicht Gabriele Witschorke. Sie ist froh, im Jobcenter Elbe-Elster die entscheidenden Partner zu wissen. Jobcenter-Chefin Eike Belle kommentiert: "Der Weg aus der Langzeitarbeitslosigkeit ist nicht einfach und meist auf eine längere Zeit und Teilschritte angelegt. Genau das bietet ,Dynamo' und geht damit neue Wege. Wir sehen das Angebot daher als weitere Möglichkeit, unsere Kunden gezielt, individuell und langfristig auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten und Alternativen zur Arbeitslosigkeit sowie der Hilfebedürftigkeit aufzuzeigen." Die Teilnahme wird durch das Jobcenter gefördert.

Terminarbeiten können in den Werkstätten in Massen und Herzberg im Projekt "Dynamo" nicht angefertigt werden. Doch es gebe inzwischen ein Netz von Partnern. Da würden sich immer wieder Aufgaben ergeben, erklärt Klaus Richter. So ist Marina Stein gerade damit beschäftigt, Entwürfe für Holzelemente zu entwickeln, die in der Werkstatt hergestellt und später in Kitas der Region Verwendung finden können. Stolz zeigt die junge Frau die Skizze eines Marterpfahls, die Ronny Bader demnächst in die Holzform bringen soll - für den Waldkindergarten in Falkenberg im kommenden Jahr. Auch weiteres Zubehör für die beliebten Indianerspiele wird so gefertigt. Im Vorraum zur Werkstatt steht eine Holzbank inklusive Tisch für Kita-Kinder, auch Insektenhotels und Fledermauskästen finden ihre dankbaren Abnehmer.

Um bei der Organisation ihres Tagesablaufes aktiv mitzumischen und Freude an den Ergebnissen zu entwickeln, wird in der Gemeinschaft gesprochen und geplant. Im Aufenthaltsraum prangt der Mittagessenplan für die ganze Woche an der Tafel. In Eigenregie werden Zutaten eingekauft, wird der Imbiss zubereitet. Dabei werden viele Fertigkeiten, die verschütt gegangen sind, trainiert - das Rechnen eingeschlossen. Jüngste Errungenschaft sind selbst gebaute Hochbeete. Hier gedeihen Zucchini, Tomaten, Gartenkräuter und andere Zutaten für die Eigenversorgung.

Das Gesamtpaket der Begleitung bei "Dynamo" hat zum Ziel, das Selbstwertgefühl und die Kompetenzen der Teilnehmer so zu stärken, dass ihnen die Chance zur Rückkehr ins Arbeitsleben eröffnet wird. Carola Kleinig, die in der Werkstatt mit dem Herstellen von Glücksrädern beschäftigt ist, kommentiert ihre Motivation kurz und knapp: "Weil es zu Hause zu langweilig ist."

Zum Thema:
Dynamo ist ein Projekt der Entwicklungsgesellschaft Energiepark Lausitz GmbH, das Menschen zweieinhalb Jahre lang auf dem Weg in den Arbeitsmarkt begleitet. In einem fünfstufigen Modulsystem, das hintereinander oder je nach individuellen Voraussetzungen auch in Einzelteilen genutzt werden kann, werden in sozialpädagogischer und fachlicher Begleitung Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickelt, die den Teilnehmern die Chance auf einen Wiedereinstieg oder den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt verbessern sollen. Das Jobcenter Elbe-Elster unterstützt die Maßnahme, die eine Zertifizierung für zunächst drei Jahre hat. Zwei Teilnehmer stehen gegenwärtig vor der Übernahme in ein Arbeitsverhältnis.