Der britische Musiker, dessen "Songbook Tour" gerade durch Deutschland verläuft, machte am Sonntag den Fans in der Lausitz seine Aufwartung und zauberte das Flair aus drei musikalischen Jahrzehnten in die gut besuchte Stadthalle.

Pünktlich um 19.30 Uhr betrat Hammond in Begleitung seiner Band die Bühne. Mit "Everything I want to do" aus dem Jahre 1974 wurde das Publikum auf den Abend eingestimmt. Insgesamt konnten sich die Besucher über 28 Songs verteilt auf ein zweistündiges Konzert ohne Unterbrechung freuen. Der 72-Jährige bewies Professionalität und Ausdauer gepaart mit jahrzehntelanger Bühnenerfahrung. Wenngleich die Zeit auch an Hammond nicht spurlos vorbeigezogen ist, so zeigte sich der Brite charmant und redselig. Mit seiner warmen Stimme leitete er jeden neuen Song mit seiner jeweiligen Entstehungsgeschichte ein, wobei der Musiker auch jedes Mal würdigende Worte für seine Kollegen wie Chris de Burgh, Joe Cocker, Tina Turner und Whitney Houston fand.

Das Zusammenspiel zwischen Publikum und Band funktionierte vom ersten Moment an reibungslos. So wurde bereits nach zwanzig Minuten das Parkett vor der Bühne zur Tanzfläche für Paare, die zu Hammonds Musik vielleicht tatsächlich zum ersten Mal miteinander getanzt haben. Der Singer/Songwriter zeigte sich dankbar für so viel Interaktion, als er die Bühne kurz verließ, um die Besucher in der ersten Reihe zu begrüßen. "You look pretty good!" (Sie sehen wirklich toll aus!), "Don't be shy!" (Nicht so schüchtern!). Erfreutes Gelächter erntete Hammond, als er dem Publikum erklärte: "I love coming to the East." (Ich komme unheimlich gern in den Osten.)

Die Musiker um Albert Hammond spielten ihre Instrumente mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. Ähnlich wie bei einer Studioaufnahme waren Einsätze und Übergänge nahezu synchron und absolut verlässlich. So fiel es auch den jüngeren Fans nicht schwer, Songs auf Anhieb zu erkennen und sogar mitzusingen. Bei der Songauswahl entschied sich Hammond in erster Linie seine eigenen Lieblingslieder zu spielen - unter anderem "Don't you love me anymore" (1986), das er für Joe Cocker geschrieben hat, "I don't wanna live without your love" (1988) für die Band Chicago und "Smokey Factory Blues" (1973), das Johnny Cash interpretiert hat. Erst am Ende wurde die Ausdauer der Fans mit den ewig währenden, zeitlos schönen Hits belohnt, die mit Fug und Recht als musikalisches Weltkulturerbe bezeichnet werden können. Mit einer plötzlichen, stehenden Ovation wurde Hammond von der Bühne verabschiedet, nachdem er für fünf weitere Zugaben noch einmal zurückkehrte. Spätestens bei "It never rains in southern California" und "Free Electric Band" gab es im Zuschauersaal niemanden, der noch saß. Das fulminante Finale und ein gelungener Abschluss für einen fantastischen Abend bildete "The Air that I breathe" aus dem Jahr 1972. Doch damit nicht genug.

Nur sehr selten zeigen sich Weltmusiker derart bescheiden und publikumsnah. "Daran merkt man, dass er nicht des Geldes wegen Konzerte spielt. Er macht das, weil er Spaß daran hat", sagte Karsten Nitsch, der bereits zum zehnten Mal bei einem Albert-Hammond-Konzert dabei war. Matthias Heimann (44) aus der Nähe von Düsseldorf machte auf seiner Berlin-Reise einen Umweg über Cottbus, um Hammond live zu sehen . "Ich habe schon so viele große Konzerte gesehen, jetzt kann ich einen weiteren herausragenden Künstler dazu zählen."