Herr Giersch, was führt die enviaM-Gruppe nach Doberlug-Kirchhain?

Wir halten dort eine Regionalkonferenz ab. Die wurde in enger Abstimmung mit dem Landkreis Elbe-Elster, insbesondere mit dem Landrat, vorbereitet. Eingeladen sind die Bürgermeister, Amtsdirektoren und Bauamtsleiter der Kommunen und natürlich die fachlich zuständigen Gremien der Kreisverwaltung. Themenschwerpunkte sind die Verbesserung des Hochwasserschutzes bei der Stromversorgung in der Region und die Folgen der Energiewende. Da wird auch darüber gesprochen, welche Auswirkungenen die stark zunehmende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien für das Stromnetz im Landkreis hat.

Der Hochwasserschutz stand gerade erst bei der IHK Cottbus auf der Tagesordnung. Was wollen Sie dem noch hinzufügen?

Bei unserer Regionalkonferenz geht es in erster Linie um die Verbesserung des Hochwasserschutzes bei der Stromversorgung. Wir wollen Leitungen, Umspannwerke, Trafostationen und Hausanschlüsse in den Überflutungsgebieten von Elbe, Schwarzer Elster, Kleiner Elster und Röder noch sicherer machen und uns dazu mit dem Landkreis und den Kommunen austauschen.

Was sind denn die kritischen Momente im Falle einer Hochwasserkatastrophe und was ist im Allgemeinen zur Vorbeugung zu tun?

Unsere Anlagen können bei Hochwasser überschwemmt werden. Um das zu verhindern, müssen sie besser geschützt werden, zum Beispiel indem man die Anlagen erhöht.

Sehen Sie dabei im Landkreis Elbe-Elster besonderen Handlungsbedarf?

Mit Blick auf die zurückliegenden Hochwasser sehen wir vor allem im Mühlberg mit Köttlitz an der Elbe, in Orten wie Elsterwerda, Bad Liebenwerda, Herzberg und Arnsnesta an der Schwarzen Elster Handlungsbedarf. Wir hoffen, bei der Regionalkonferenz von den Kommunen weitere Schwerpunktgebiete genannt zu bekommen, damit wir vorausschauend handeln können.

Müssen die Stromverbraucher hier fürchten, im Falle des Falles lange im Dunkeln zu sitzen?

Nein, die Erfahrungen aus dem Jahr 2010 haben gezeigt, dass wir auf derartige Situationen vorbereitet sind. Wir wollen aber noch besser werden. Die Regionalkonferenz wird uns dabei sicher weiterhelfen.

Was heißt besser werden?

Auf die Veränderungen in der Region zu reagieren, insbesondere auf den starken Zuwachs von Wind- und Solarparks oder Biogasanlagen. Hier stehen wir vor der Herausforderung, dass unsere bestehenden Netze für die stetig steigenden Strommengen aus erneuerbaren Energien nicht mehr ausreichen. Hinzu kommt, dass der erzeugte Strom vor Ort häufig gar nicht verbraucht und dorthin transportiert werden muss, wo eine entsprechende Nachfrage besteht, zum Beispiel im Süden Deutschlands.

Wie reagieren Sie auf diese Entwicklung?

Wir investieren viele Millionen Euro in den weiteren Ausbau unserer Netze. Allein in der Netzregion Brandenburg sind es 2011 rund 95 Millionen Euro. Beispiele sind die Neubauten der Umspannwerke in Falkenberg und Bad Liebenwerda. In Falkenberg spielt zugleich der Aspekt des Hochwasserschutzes eine Rolle. Dort wird die Überflutungsgefahr für die Anlagen des alten Umspannwerks, die durch einen Elbedeichbruch im Raum Mühlberg entstehen würde (das Szenario war 2002 schon zu befürchten) für immer gebannt. Außerdem werden Mittelspannungsfreileitungen verkabelt, die bei erhöhtem Wasserstand der Flüsse schwer oder nicht mehr zugänglich sind, zum Beispiel Beutersitz - Neumühl, Bad Liebenwerda - Wahrenbrück, Herzberg - Frauenhorst - Borken - Arnsnesta, oder Transformatorenstationen und Kabelverteiler höher gesetzt, sodass eine Überflutung ausgeschlossen ist.

Neue Stromleitungen sorgen oft für neue Konflikte, zum Beispiel mit der Bevölkerung und Grundstückseigentümern. Wie gehen Sie damit um?

Wichtigste Partner für unsere Bauvorhaben sind die Kommunen. Auf der Grundlage von Konzessionsverträgen gestatten diese uns, öffentliche Wege, Straßen und Plätze für die Verlegung von Leitungen und Anlagen zu nutzen. Das muss natürlich miteinander abgestimmt erfolgen. Genau deshalb haben wir für die Regionalkonferenz neben den Bürgermeistern und Amtsdirektoren auch die Bauamtsleiter eingeladen, in deren Zuständigkeitsbereich diese Vorhaben fallen.

Was passiert mit den Erkenntnissen aus der Tagung?

Mit der Regionalkonferenz wollen wir die Teilnehmer sensibilisieren, den Belangen des Hochwasserschutzes bei der Stromversorgung noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Sehr hilfreich ist zum Beispiel der Austausch von Kartenmaterial, aus dem mögliche Überflutungsszenarien hervorgehen, die bei der Planung unserer Anlagen zu berücksichtigen sind. Wir wollen aber auch die Botschaft senden, dass die rasante Zunahme der erneuerbaren Energien in unserer Region einen raschen Netzausbau erforderlich macht, für den wir die Akzeptanz der Bevölkerung benötigen. Hier sind wir gemeinsam gefordert. Wir müssen die Betroffenen noch besser mitnehmen, zum Beispiel, indem wir sie sehr viel frühzeitiger und umfassender über Bauvorhaben informieren. Dazu leisten wir gern unseren Beitrag.

Mit Dieter Giersch

sprachen Beate Möschl

und Sylvia Kunze