Herr Oelmann, wer irische Folkmusik macht, liebt sicher auch Irland. Wie wirkt sich diese Liebe auf die Ihre musikalische Arbeit aus?
Ich kam eigentlich zuerst mit der irischen Musik in Kontakt, bevor ich mich überhaupt für das Land interessiert habe. Das geht in Deutschland problemlos, da es eine große Szene gibt, mit vielen deutschen Musikern, die irische traditionelle Musik spielen. Meine erste Band hatte ich mit 15 Jahren gemeinsam mit zwei Kanadiern aus Nova Scotia in Kanada. Dort klingt die Folkmusik übrigens auch sehr "irisch" - bedingt durch die irische und schottische Emigration. In Kanada habe ich auch ein halbes Jahr verbracht, und habe dort unter anderem Fiddle-Unterricht genommen.

Was ist Folkmusik in der heutigen Zeit - eine moderne Form traditioneller Volksmusik oder Pop- und Weltmusik?
Ich finde, dass es beides sein kann. Einerseits ist es eine relativ leicht zugängliche Musik und eine Musikkultur, in der Geselligkeit und gemeinsames Musizieren groß geschrieben werden und Perfektion nicht das Maß aller Dinge ist. Andererseits gibt es gerade im englischsprachigen Raum viele professionelle Bands, die auf schwindelerregendem Niveau spielen. Man kann mittlerweile traditionelle irische Musik auch an zwei Studiengängen in Irland erlernen. Mit Volksmusik im eigentlichen Sinne hat das natürlich nur noch bedingt etwas zu tun.

Wie ist es zurzeit um die Folkmusik-Szene in Deutschland bestellt?
Da ist schon einiges los. In jeder größeren Stadt gibt es beispielsweise Sessions - man trifft sich in der Kneipe und spielt gemeinsam drauflos. Was ein bisschen fehlt, ist eine eigenständige Folkmusik auf hohem Niveau, wie es das im englischsprachigen Raum gibt.

Was fasziniert Sie an Folkmusik?
Der unwiderstehliche Groove.

Sie nehmen Ihr Publikum mit auf eine keltisch inspirierte Weltreise. Was sollte man über die Kelten wissen, wenn man Ihre Konzerte besucht?
Wir empfehlen im Vorfeld die Lektüre einer gewissen Anzahl von Asterix-und-Obelix-Bänden. Zusätzlich kann das "Irische Tagebuch" von Heinrich Böll und "De Bello Gallico" von Julius Cäsar nicht schaden. Wir prüfen das Vorwissen aber nicht ab.

In Lübben präsentieren Sie Ihr Programm "Vom Whiskey verweht - irische Liebeslieder2. Welchen Zusammenhang gibt es bei den Iren zwischen Whiskey und Liebesliedern?
Es gibt ein bekanntes irisches Volkslied, in der sich ein junger Mann in ein Mädchen namens "Nancy Whiskey" verliebt. Am Schluss heißt es: "Hütet Euch vor Whiskey, Nancy Whiskey - sie treibt Euch in den Ruin." Na dann Prost.

Wie muss denn ein richtiger Whiskey schmecken?
Nach Teer, Hustensaft und Seetang. Aber eben wesentlich teurer, als wenn man das einfach so zusammenschütten würde.

Gemeinsam mit Gráda-Flötist Alan Doherty betreiben Sie in Halle eine Folkmusikschule, die einzige Musikschule für traditionelle irische und amerikanische Musik in Deutschland. Welche Instrumente kann man an Ihrer Schule erlernen?
Die meisten Instrumente, die in der irischen und amerikanischen Folkmusik typisch sind: also ein breites Angebot von Banjo und Holzflöte über Harfe und Fiddle bis hin zu Dudelsack und Rahmentrommel. Wir haben zurzeit rund 70 Schüler. Die jüngsten Schüler sind drei, der älteste Schüler ist 68 Jahre alt.

Musizieren Sie oft in Kirchen?
Wir spielen recht häufig in Kirchen und mögen die Konzertatmosphäre. Also deutlich weniger Qualm als im Irish Pub. Und kein Lärm vom Tresen. In der Paul-Gerhardt-Kirche sind wir zum ersten Mal. Dass es dort Konzerte gibt, haben wir übrigens bei einem Urlaub im Spreewald entdeckt und gleich darauf bei Pfarrer Olaf Beier angefragt. Es freut uns sehr, dass es mit einem Konzert geklappt hat.

Mit Jan Oelmann

sprach Thomas Seifert

Das Konzert mit Dizzy Spell findet am Sonntag, 27. Januar, in der Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben statt. Beginn ist um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende wird gebeten.