Will man den verwitterten Stein auf dem abgebildeten Foto betrachten, muss man auf der Kreisstraße von Sallgast nach Poley an der Siedlung Luise nach links abbiegen. Dort steht er auf dem Dorfanger der zu Sallgast gehörenden Siedlung. Die kaum noch lesbare Inschrift darauf lautet: "Dem Gründer der Siedlung Louise Herrn J. M. Schwartz gewidmet. Die Siedler 1921."Was verbirgt sich hinter dieser Huldigung? Otto Jungrichter (1880 bis 1945), langjähriger Rektor an der Sallgaster Volksschule, hat dieser Siedlung 1935 einen Beitrag in der Beilage des Niederlausitzer Anzeigers mit dem Titel "Die alte Eiche auf dem Kratschenberge bei Sallgast" gewidmet. Er spinnt anhand einer uralten Eiche, die hier einmal gestanden haben muss, einen geschichtlichen Abriss von deren angeblicher Pflanzung in den Jahren des Dreißigjährigen Krieges bis hin zu Geschehnissen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.Als "Kratschenberg" wurde diese leichte Erhebung am südlichen Gemarkungsrand von Sallgast bezeichnet, der Teil des Lausitzer Grenzwalls ist, und seinen Namen von den das Dorf und die Burg im Jahre 1633 belagernden kroatischen Söldnern erhalten haben soll: "Kroatenberg". Jungrichter vermittelt einen bildhaften Eindruck zur dreihundertjährigen Geschichte unserer Heimat, lässt Regimenter und marodierende Söldner zu den verschiedensten kriegerischen Konflikten durch den Ort und an der Eiche vorbeiziehen. Und er berichtet vom Aufstieg des Ortes, der unmittelbar vorbeiführenden "Schipchenbahn", den florierenden Kohlengruben und Brikettfabriken gegen Ende des 19. Jahrhunderts, die zu einer erheblichen Zuwanderung von Arbeitern und damit verbundener Wohnungsnot führten. Der einst mit Kiefern bepflanzte Kratschenberg, der seit der Separation (Flurbereinigung) Mitte des 19. Jahrhunderts zum Gutsbesitz gehörte, war durch deren neue Besitzer, die Baltische Landbank in Rostock, um 1910 abgeholzt und die Baumstämme an Ort und Stelle zu Holzkohle verarbeitet worden. 1917 wurde der Generaldirektor der Deutschen Bergbaugesellschaft in Berlin, Johannes M. Schwartz neuer Eigentümer von Schloss und Gut Sallgast. Am 12. Februar 1920 unterbreitet er der Gemeindevertretung einen Vorschlag zur Linderung der Wohnungsnot. Ihm schwebte vor, eine Bebauung dieser Fläche mit einfachen Siedlungshäusern für bauwillige Arbeiter und Angestellte vorzunehmen. Bereits ein halbes Jahr später berichtet er an gleicher Stelle, dass ein erstes Haus am 1. September und zwei weitere bis 1. Oktober 1920 fertiggestellt sein werden. Er konnte dafür je Haus einen Regierungszuschuss von 52 000 Mark erwirken. Bei Gesamtkosten von 70 000 Mark je Doppelhaushälfte blieb ein Kaufpreis von 18 000 Mark. Die Gemeindevertretung stimmte zu und bildete für die Vergabe eine Kommission. Ende 1921 waren 13 Häuser fertig und vergeben. Die Siedler dankten dem Initiator des Baugebietes mit der Errichtung eines Gedenksteins. Der genaue Aufstellungstermin ist nicht bekannt. Auch nicht die Art und Weise seiner Errichtung. Heute besteht die Siedlung Luise aus 13 Einzelhäusern und 16 Doppelhaushälften. Seit 1953 gibt es den am östlichen Siedlungsrand befindlichen "Heidedom", eine katholische Kirche.