„Ich habe die Zeitung durchgeblättert, und mein erster Ausruf war gleich: Das ist ja unsere Schule!“ So beschreibt Mechthild Kühne aus Cottbus ihre Reaktion auf das Fotorätsel der vergangenen Woche. Von 1958 bis 1971 wohnte sie in Stradow, einem Nachbarort von Radeweise. „Die umliegenden Dorfschulen gehörten alle zum Schulkombinat Radeweise, dort befand sich auch das Direktorat“, schreibt Mechthild Kühne.

„Das abgebildete Gutshaus stand in Radeweise“, hat auch Adelheid Büchner aus Welzow erkannt. „Ich bin dort selbst bis 1971 zur Schule gegangen und habe schöne Erinnerungen daran.“

„Es war eine schöne Zeit, da man beim Lernen ins Grüne schauen konnte und viel draußen unterrichtet wurde“, erinnert sich auch Fred-Dietmar Jannack aus Sellessen. Bis zum Umzug der Schule nach Spremberg war er in Radeweise Schüler. „Wir haben als Zehntklässler Unterricht bekommen und mussten beim Umzug zupacken“, schreibt er und erinnert an die zahlreichen Lehrer, die in Radeweise unterrichtet haben. Einen von ihnen hat es in Spremberg später sogar zu Bekanntheit gebracht. „Unser heutiger Bürgermeister Klaus-Peter Schulze hat dort als junger Lehrer unterrichtet“, weiß Hans-Joachim Nevoigt zu berichten.

Mechthild Kühne kann auch die einzelnen Räume noch zuordnen, berichtet etwa vom Klassenraum hinter dem Giebelfenster, dem sogenannten Filmraum. „An der großen Freitreppe mussten die Klassen nach der Pause immer antreten“, schreibt sie.

Ein weiteres Puzzle-Stück zur Schulgeschichte kann Jörg Wiencken aus Spremberg beisteuern: „Rechts im Bild ist der Balkon, von dem unser Sportlehrer Achim Lohr den Fußball runter geworfen hat und mit den Worten 'Jungs, heute Fußball' so manche Sportstunde eröffnet und gleichzeitig beendet hat.“

Eine ganz persönliche Beziehung zum Gutshaus hat Christa Noack aus Spremberg: „Meinen Großeltern wurde das Gutshaus als Wohnung zugewiesen, nachdem sie aus ihrer Heimat Schlesien vertrieben wurden. 1949 kamen auch meine Eltern, die es nach Bayern verschlagen hatte, nach Radeweise. Meine Geschwister und ich erinnern uns an eine sehr schöne Kindheit in diesem Haus und dem kleinen Dorf.“

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Zum ThemaDer abgebaggerte Ort der Vorwoche ist Radeweise (Radojz)Erste Erwähnung: 1527 Abbaggerung: 1986 Tagebau: Welzow-Süd Anzahl der Umsiedler: 80 Daten sind der Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlung des Archivs verschwundener Orte entnommen. Weitere Infos: www.verschwundene-orte.de