Den Männern in ihrer orangefarbenen Arbeitskluft ist der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Fassungslos stehen sie am Freitagmorgen vor den Trümmern eines Baubaggers und einer Regionalbahn in der Nähe von Mühlheim bei Offenbach. Immer wieder schütteln einige von ihnen den Kopf, während sie den Rettungskräften bei der Arbeit zusehen. Möchten sie etwas sagen? Nein, das wollen sie jetzt lieber nicht. Vor nur wenigen Stunden starben zwei Kollegen und ein 54 Jahre alter Lokführer an dieser Stelle, 13 verletzte Menschen wurden noch in der Nacht versorgt.

Die Spitze des roten doppelstöckigen Regionalzuges und der gelbe Bagger sind ineinander verkeilt. Die Bahn hat den Bagger nach dem Aufprall noch 400 Meter über das Gleis geschoben. Rettungskräfte versuchen stundenlang, zwei der Toten zu bergen: Der Lokführer stirbt im Steuerwagen, ein Bauarbeiter ist zwischen Bahn und Bagger eingeklemmt. Der zweite Bauarbeiter wird beim Aufprall gleich auf die Strecke geschleudert.

Wie schnell der Zug zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes gewesen ist? "Das wird sich zeigen, wenn wir die technischen Einrichtungen des Zuges ausgewertet haben", sagt ein Sprecher der Bundespolizei vor Ort, Karsten Eberhardt. Laut Bahn ist Tempo 140 erlaubt.

Die Rettungskräfte arbeiten verdeckt von einem großen Sichtschutz. Die schreckliche Szenerie soll niemand sonst sehen. Der Bagger und der Steuerwagen des Zuges stehen beide entgleist an ein und demselben Gleis, sie haben sich zur Seite geneigt. Der entgleiste Zugteil ist mit riesigen Seilen gesichert. Am Nachmittag wird ein Spezialkran bei der Bergung eingesetzt.

Die Nachricht vom nächtlichen Crash auf offener Strecke lockt auch Menschen an, die sich die Unfallstelle ansehen wollen - allerdings mit gebührendem Abstand. Ein Mann aus Mühlheim ist mit dem Rad gekommen: "Das hier ist eine gefährliche Stelle", sagt der 70-Jährige und erinnert gleich an ein weiteres Unglück ganz in der Nähe. Er blickt von der Straße kurz auf den Unglücksort des Zuges, wendet sich dann ab und deutet auf einen riesigen Baum am Straßenrand.

"Hier hat es jetzt im Winter bei Blitzeis einen schweren Autounfall gegeben", erzählt er. "Zwei Tote."